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Pfarrer Topitz – Bericht vom Orzydorfer Treffen

Saturday, May 14th, 2005

Bericht vom Orzydorfer Treffen am Samstag, 14.05.2005
Von Pfarrer Topitz

Herr Gauck kam mich am Samstag um 13.00 Uhr mit Riccarda, der 14-jährigen Tochter von Renate und Werner Brück holen. Ich hielt sie eigentlich für viel älter und dachte sie wäre schon eine Lehrerin oder zumindest eine Studentin. (18-20 J) Zuerst dachte ich, dass Christina, die Tochter von Gaucks wäre. Riccarda oder Richarda besucht das Gymnasium in Oggenheim(8 Klasse) und lernt einstweilen Latein, das sie aber später zugunsten von Französisch abwählen möchte. Die Brücks sind mit den Gaucks verwandt. Herr Gauck hatte einen großen Tisch, 2 m lang und 1 m hoch von sich nach Nürnberg gebracht. Er zeigte auch sehr schön, bedeckt mit einer schneeweißen Decke, die als Altartuch diente. Der Blumenschmuck was einfach ein Traum. Zunächst sollte ich den Blumenaufbau anstelle des angeblich fehlenden Kirchweihstraußes segnen. Dann aber hatte doch jemand einen kleinen Strauß mit den traditionellen bunten Bändern angefertigt.

 In Nürnberg angekommen, brauchte ich sehr lange bis ich vom Parkplatz in den Festsaal gelangte. Von 14.00 Uhr bis 14.35. Überall hielten mich die guten Leute auf und wollte mich gleich vor Ort sprechen. So unter anderem die Familie Rausch: den Sohn erkannte ich zuerst, dann Herr und Frau Rausch, die in Orzydorf auf der Hutweide gewohnt hatten. Hinzu kam, dass ich zum erstenmal in der Meistersingerhalle war und nicht wusste, wo sich der kleine Festsaal befand. Herr Gauck war mit einem Teil der Utensilien, die ich für den Gottesdienst benötigte, vorausgeeilt und ich hatte ihn aus den Augen verloren, weil ich den Leuten gegenüber, die mich auf Schritt und Tritt aufhielten, nicht unhöflich sein wollte. Es war schon ½ 3 durch, als ich endlich an Ort und Stelle kam. Elisabeth Rodenkirchen, geb. Deschu dürfte schon aufgeregt gewartet haben. Um so erleichtert fiel sie mir bei der Begrüßung um den Hals und hieß mich willkommen. Sie war eine meiner besten Schülerinnen gewesen. Willi Müller probte gerade mich dem Chor, der sich in wenigen Minuten formiert hatte. Die Hälfte der Sängerinnen konnte ich im Hinaufgehen auf die Bühne begrüßen, die andere Hälfte beim Herunterkommen.  Gertraud Willis Frau erkannte ich gleich, ihre Eltern jedoch nicht gleich. Im Vorbeigehen sah ich Herrn und Frau Eipert, geg.Frank, wie auch Frau Anselm. Später traf ich auch den Sohn der letzteren. Ich habe ihn immer noch mit der Spatzenschleuder in Erinnerung, so wie ich ihn eines Tages unter den Kastanienbäumen zwischen Kirche und Pfarrhaus sah.  

 Gott sei Dank war schon alles so weit vorbereitet, dass ich nur noch nach einem Tischchen für die  Gabenbereitung verlangen musste. 3 MinistrantenInnen waren auch schon zur Stelle. Die Zeit reichte gerade noch aus, um mit ihnen den Einzug und die Gabenbereitung zu üben. Dennoch klappte alles wie am Schnürchen, wie auch sonst im Gottesdienst, so dass man mit Fug und Recht von einem kleinen Pfingstwunder sprechen konnte. Elisabeth hatte alles bestens organisiert. Lektorinnen und Lektoren für die Lesungen, Fürbitten und Meditation. Die Mutter, die die  Ministranten gebracht hatte, lächelte mir sehr freundlich zu, ich kam jedoch nicht mehr dazu, sie zu fragen, wer sie eigentlich sei. (?) Auch sonst fragten mich immer wieder Leute: „Kennen Sie mich noch, kennen Sie uns noch?“ Mein nicht sehr gutes Personengedächtnis musste recht  oft passen. Bei manchen Gesprächen, konnte ich im Verlauf des Gespräches auf mein Gegenüber schließen, bei sehr vielen nicht und ich musste zur Enttäuschung meiner Gesprächspartner, die unumgängliche Frage stellen: „Ihr sinn doch?…“

Es war wohl schon 3 Uhr vorbei, als wir uns für den Gottesdienst aufstellten. Beinahe hätte ich vergessen gehabt, die Trachtenpaare mitzunehmen, die sich beim Haupteingang zum Saal aufstellt hatten. In  Unkenntnis der genauen Örtlichkeit, hatte ich  mit den Ministranten den Einzug von einer Seitentüre aus geprobt. Eine Zeitlang hatten wir überlegt, wo wir das Tragkreuz hinstellen sollten, fanden dann doch den geeigneten Platz, von wo aus man es gut sehen konnte. Der Gottesdienst nahm seinen gewohnten Verlauf. Nun entstand für mich ein weiteres Problem. Ich hatte ja die Predigt auf die Dreifaltigkeitssäule in Orzydorf ausgerichtet und es hieß, dass eine große Kollage davon angefertigt werden sollte. Da ich keine sah, bat ich Elisabeth vor der Predigt, dass Kierer Raini sie auf die Leinwand proizieren möge. Denn soviel wusste ich, dass ein Dia von derselben mit der Dreifaltigkeitsstatue vorgesehen war. Gottlob fand Kierer Raini  sie auch sogleich- sie war ja in der Reihenfolge der Anliegen nicht an erster Stelle abgelegt, und ich konnte dadurch doch einigermaßen Aufmerksamkeit für meine Beschreibung bei den Landsleuten wecken. Unangenehm war mir schon ein wenig, dass mich die Scheinwerfer überhell anstrahlten und ich die Leute vor mir nicht sah, denn der Saal war ja laut Abmachung abgedunkelt worden, um die Visualisierung der Fürbitten zu ermöglichen. Erst später kam mir der Gedanke, ich hätte ja bloß auf das Gottesdienstheft hinweisen brauchen. Denn auf der Vorderseite hatte ich ja ebenfalls die Stele abgelichtet gehabt. So entbehrte ich den direkten Kontakt mit der Gottesdienstgemeinde, der mir immer sehr  wichtig ist und hoffe, dass ich dadurch nicht zu sehr gehemmt wirkte und er trotzdem irgendwie zustande kam. Michl Willi, der mit einem Gitarristen sich unweit von mir aufgebaut hatte, konnte ich gerade noch flüchtig begrüßen, aber nachher hätte ich mich bei ihm noch persönlich ausführlicher bei ihm für seine wunderschönen Soligesänge bedanken wollen. Deshalb tue ich es auf diesem Wege. Denn er gehört ja zur Mailschleife des Orzydorfer Treffens. Gerne hätte ich auch die Namen der Lektorinnen und Lektoren bei Lesungen und Fürbitten gewusst, denn ich sah die meisten nur von rückwärts oder von der Seite. Waren auch Slavik Ingrid und ihre Mutter dabei? Ihren Bruder sprach ich später in der Vorhalle. Auch weiß ich nicht, wie die Visualisierung bei den Fürbitten bei den Landsleuten angekommen ist , aber denke es ging schon unter die Haut, als sie bei den entsprechenden Gebetsanliegen ihre Heimatkirche und den Friedhof sahen. Gut geklappt hat es auch mit der spontan von mir angesagten Friedenskette. Da fühlten wir uns wieder so richtig als Dorfgemeinschaft zusammengehörig. Dankbar war ich auch, dass die Orzydorfer, die immer schon helle Köpfe waren, so schnell meine kurz gehaltene Anweisung beim Aufstellen zur Kommunion ausführten. Es zeigte sich, dass dies tatsächlich die beste Lösung war. Überrascht hat mich der schöne Gesang von Stefanie Müller zum Agnus D ei aus der Krönungsmesse von Mozart. Sie ist die Tochter ihres Vaters und berechtigt zu großen Hoffnungen.

Nach dem Gottesdienst ließ sich Frau Luise Müller, geb. Wolfart, auf die Bühne geleiten und sprach frei ein langes Gedicht, dass das Treffen thematisierte. Es ist bewundernswert, mit wie viel Geduld sie ihr nicht leichtes Los trägt und durch Gedächtnisübungen das ausgleicht, was ihr an Augenlicht verloren gegangen ist. Danach setzte der erste Tanz ein und Ortmann Hansi schritt zur Versteigerung des Straußes. Er machte es mit viel Humor und Geduld, wie das sich in Orzydorf nach altem Brauch abspielte.  Mit seinen Eltern, meinem Schlachterer in Orzydorf und der Chefin des Rosenrkanzvereines konnte ich auch sprechen. Inzwischen fand ich meine Jacke, die ich irgendwo deponiert hatte, und setzte mich auf den ersten freien Platz. Neben mir saßen die ehemaligen Lehrerinnen von Orzydorf Märzacker und Necker. Elwine und Edith hatten sich mir schon vorher vorgestellt. Desgleichen Lambing Edda. Freilich war sie damals noch ein Kind, aber sie kommt ganz auf ihren Vater raus. Möglich ist es auch, dass ich Frau Anselm, der dritten Lehrerin aus Orzydorf begegnet bin, aber ich erinnere mich nicht mehr ausdrücklich. Frau Bischof, die Brots Nani erkannte ich sofort und auch ihren Mann, der damals Friseur war,  aber nicht den Walter. Letzteren habe ich als Jungen zuletzt gesehen und jetzt stand ein kräftiger, starker Mann vor mir.

Auch Frau Speichert und Herrn Schwemmlein  erkannte ich sofort. Merkwürdig ist, dass  sich einige kaum verändert haben, andere wiederum sehr. Sofort erkannte ich Frau Leni Webler, geb. Kunay und auch ihren Mann. Etwas schwerer tat ich mich mit Sohn Gerhard, der ja mein Ministrant war. Es stellten sich noch einige als ehemalige Ministranten vor, wie der Eipert- Friseur. Nur kurz sprechen konnte ich Helga Lambrecht, geb. Schäffer. Ihr Mann Hans war nicht mitgekommen. Aber ich grüße ihn von hier aus mit diesem Rundbrief. Immerhin konnte ich die Fotos von den Enkelkindern ansehen. Im Gedächtnis  haften blieben mir   beim Händeschütteln  auch die Namen wie Komantscheck,. Klemann, Gavora, Leyh, Prof. Ortmann, Weresch (Vater der Brigitte) und Jäger, der die Glocke gerichtet hatte. . Ausführlich sprachen mit mir Frau  Geresz, die mir von ihrer Enkelin erzhälte, die Kindergärterin geworden ist  und Frau Leichnam von der Ecke neben uns, die mit meiner Mutter mit dem Bus stets nach Arad gefahren ist. Und natürlich der Scheible Karl. Er ist immer noch der gleiche geblieben. Kurz  sprach ich auch mit Kierer Marlene und Brigitte, mit Disslers und den anderen Rauschs, die in Rastatt sind.  War Kierer Elfriede auch dabei? Ihre Tochter, die Theologie studiert hat, bereitete sich gerade für die nächste Prüfung vor. Gerne hätte  auch Kierer Irmgard gesprochen, die die Fürbitten von der Orgelempore immer so schön vortrug. Ihre Mutter sprach bei mir vor und ich bestellte Grüße.

Nachdem ich Reiters Ausstellung mit den selbstgebastelten Bauernwägen und landwirtschaftlichen Gerätschaften bewundert hatte, kam ich beim Abendessen neben einen jungen Mann zu sitzen, der sich mit Ludwig vorstellte. Ich freute mich, dass ich dann gleich seinen Vornahmen Oskar wusste. Kurz konnte ich auch die Austellung mit den Spruch-Tüchern besichtigen. Gerne hätte ich mir den einen oder anderen Spruch noch aufgeschrieben, aber die Zeit reichte vorn und hinten nicht. Nicht viel mehr Zeit konnte ich für die ausgestellten Bilder aus dem geplanten Friedhofsbuch aufbringen, aber ich bestelle es jetzt schon auf diesem Wege. Gerne hätte ich mich mit Kierer Rainer ausführlicher unterhalten, aber wir waren beide mit unseren Programmen zu sehr beschäftigt. Deschu Lissi sagte mir auf meine Frage, dass die Dame in Schwarz, die mit ihm durchs kulturelle Programm führte, seine Frau sei. Waren seine Kinder auch da? Ich nehme es an.

Gerne hätte ich auch die Familie von Elisabeth näher kennen gelernt. Franziska war als Kirchweihmädchen angezogen und ging gleich vorne, aber welcher war jetzt der Philipp. Einmal meine ich Lissis Mann kurz gesehen zu haben, bin es mir ja nicht sicher. Die Eltern Deschu haben sich kaum verändert. Gerne gedachten wir der Aktion auf dem Kirchturm und natürlich seiner nächtlichen Fahrten nach Bukarest, um die Visa zu besorgen.

Sofort erkannte ich auch Maringer Wilfried, der viel am Kirchendach gearbeitet hat und auch seine Mutter. Auch sprach ich seinen Bruder mit dessen Frau. Ich hatte beide vor ihrer Aussiedlung getraut. Ich weiß noch, dass ich bei der Trauung von der Schreibmaschine und der Schraube gepredigt habe.

Wer war die Frau, die so gut die schwowische Bäuerin spielte? Sie ist  mit der Gruppe aus dem Saarland aufgetreten. Unter letzteren fiel mir beim Singen ein junges Mädchen auf, dass sehr aufmerksam dabei war und eine hohe Motivation an den Tag legte.

Es begrüßten mich auch eine Mutter mit zwei etwas behinderten Töchtern. Hießen die nicht auch Eipert?  Sie müssten in der Nähe von Loch Anna, verheiratete Helmer gewohnt haben. Letzere erkannte ich sofort. Denn sie kam öfters zur Schwester Bernadette.

Bei der Kommunion wurde ich aufmerksam auf einen Rollstuhlfahrer. Als ich dann noch mal gezielt nach ihm fragte, erkannte ich in ihm den Hepp Stefan. Ich hatte mich seinerzeit mit ihm beschäftigt und versucht ihm die Buchstaben beizubringen. Habe jetzt auch seine Eltern kurz gesprochen.

Die Rabongs kamen auch der Reihe nach auf mich zu: Die Inge(von der Librarie und Dermenzsins Tochter)  und ihr Mann, Theos Mutter.

Sofort erkannte ich die Herta Hafer, die Tochter vom Hafer Vetter Peter. Es waren dies die Verwandten von Pfarrer Schneeweiß.

Eine junge Künstlerin bedankte sich bei mir, dass ihr der Studentenkreis, den wir zeitweilig im Pfarrhaus abhielten, sehr viel für ihre spätere Laufbahn geholfen hat. Aber wie hieß sie nur? Sie hatte so gekraustes Haar? Ihre Mutter saß daneben.

Mein treuer Mesner und Oberminstrant Ewald ist leider ganz früh gestorben. Wohnte er nicht neben Frau Eibert, alias  Sterns Pässl- Lissi? Die Tränen kamen mir als ich mit Frau Scheid, geb. Ortmann redete. Ich gedachte meines fleißigen und treuen Kassiers im Kirchenrat Hansi. Schade, dass er diesen Tag nicht mehr miterleben konnte. Auch konnte ich mich noch an die beiden Söhne: Hugo und Hansi erinnern.  Die alte Ortmann- Oma freute sich ebenfalls mich begrüßen zu dürfen. Auch begegnete ich dem Frank Mischko, den ich seit meiner Kindheit kannte. War doch seine Mutter Leni  eine Neu-Araderin und die Tochter des Eckert´s Vetter Niklos. Mischko hat ebenfalls eine Neu-Araderin geheiratet, die …..Sie hat sich bei mir vorgestellt. Wir haben auch miteinander gespielt. Kann es die Kluger Lissi gewesen sein. Sie ist jedenfalls zwei Jahre älter als ich.  

Sprechen konnte ich auch mit Frau Speichert, die ich sofort erkannte. Sie war nach ihrer Umsiedlung als Sekretärin in den Dienst des katholischen Bildungswerkes des Landkreises Saar- Luis  getreten und hat sehr positive Erfahrung mit Kirche vor Ort gemacht.

Desgleichen sprach ich kurz die Lambing Ramona. Auch sie zählte zu meinen guten Schülerinnen.

Noch eine lustige Begebenheit ereignete sich an jenem Abend. Es kam zu einer halb-öffentlichen Beichte.  Die Lutterische Tochter, Verwandt von den Zornecks (wie hieß sie nur gleich?) kam mit ihrer Mutter zu mir und gestand, dass sie seinerzeit im Pfarrgarten Äpfel geklaut hätte. Das gehörte in Orzydorf zur Mutprobe einer jeden normalen Jugendlichen und eines jeden normalen Jugendlichen dazu. Wäre der Garten nicht verpachtet gewesen, hätte ich an den Zaun zur Schule geschrieben: Verzehr von Obst jederzeit gestattet! Aber andererseits stimmt es, dass nur die verbotene Frucht gut schmeckt.

Auch begegnete ich der Fam. Gieb und dem Bruder des ehemaligen Maurers, der seinerzeit aus dem Siebenbürgen nach Orzydorf geheiratetet hatte und dessen Trauung ich gehalten habe.

Es stellte sich auch Simone, die Tochter von der Klemann Erika vor, dessen Kommunionbild ich bekommen habe. Auch Verwandte von ihr gaben mir die Hand, jedoch weiß ich nicht mehr genau, war es ihre Oma? Ihre Mutter, die Erika ist so tragisch umgekommen. Mit ihrem Mann waren sie das erste junge Ehepaar, die nach ihrer Trauung begonnen hatten, regelmäßig zum Gottesdienst zu kommen. Ich bin heute noch dankbar, dass ich es erleben durfte, wie sich eine Gemeinde – auch dank der Volksmissionen, initiert vom unvergesslichen P. Laschober aus Lugosch – von dem sich auch ein ehemaliger Ministrant vorstellte – bekehrt hat. Hätte ich damals die Arbeitskraft und Erfahrung von heute gehabt? Ich habe gewiss vieles verkehrt angefasst und auch manches am Verhalten der Gläubigen nicht verstanden  – was ich heute dank meiner Nachforschungen der letzten Jahre besser verstehen. Aber auch so bin ich dankbar. Wir Pfarrer vergleichen die erste Pfarrstelle mit der ERSTEN LIEBE. Und das war es auch für mich. Als ich zum erstenmal an Orzydorf vorbeifuhr und ich wusste, dass ich hier Seelsorger werden sollte, wurde es mir warm ums Herz und ich war überaus glücklich. Freilich sollte  dieses Glück auch manches Kreuz mit sich bringen und auch große Schwierigkeiten.

Alles in Allem hat mich das Orzydorfer Treffen sehr beeindruckt und bewegt. Ich habe auch einen ungeheuren Gesprächsbedarf bei den Landsleuten, gerade bezüglich Kirche und Glauben festgestellt. In den kommenden Tagen werden mir sicher noch Namen einfallen. Auch werde ich aufgrund der Aufnahmen einiges noch besser analysieren können. Bitte, helft mir beim Erinnern. Pfingstmontag begab ich mich mit einigen Landsleuten nach Stuttgart zu unserem diesjährigen Priestertreffen des Gerhardswerkes. Es ist die Dachorganisation für die seelsorgliche  Betreuung der Aussiedler aus Süd- Ost- Europa, zu denen hauptsächlich die vertriebenen Donauschwaben aus den Herkunftsländern: Ungarn, Jugoslawien und Rumänien gehören. Das Gerhardswerk gibt monatlich ein Blatt heraus, für das ich schon seit mehreren Jahren Beiträge schreibe, gerade für Spätaussiedler. Vielleicht könnte unsere HOG Orzydorf dieses Blatt abonnieren.

Pfarrer Topitz – Predit während des Gottesdienstes

Saturday, May 14th, 2005

Orzydorfer Pfingsttreffen in Nürnberg am 14.05.2005

Liebe Orzydorfer Schwestern und Brüder, liebe Landsleute!

Ich war kaum 2 Wochen in Orzydorf, als mich der damalige Parteisekretär Grün zur Gemeinde bestellte und mir eröffnete: „Genosse Pfarrer. Die Dreifaltigkeitssäule ist baufällig. Wenn Du sie nicht binnen einer Woche herrichtest, werde ich sie abreißen lassen!“ Wer den Grün gekannt hat, weiß dass das keine leere Drohung war. Deshalb bat ich ihn: „Genosse Parteisekretär, von wo soll ich die Kirche einen Maurer hernehmen und von wo soll sie Zement organisieren?“ Darauf verwies mich mein Gegenüber auf die örtliche Kollektivwirtschaft. Die LPG stellte also für einen halben Tag einen Maurer und einen Sack Zement zur Verfügung! Das war natürlich blanker Unsinn. Der Schuld Vetter Niklos machte sich jedoch unverzüglich an die Arbeit und sagte mir: „Ich schmierte halt die gröbsten Löcher zu!“. Der Parteisekretär, der keinen näheren Bezug zu dem Denkmal hatte und auch nicht wusste wie es früher ausgesehen, war zufrieden und die Dreifaltigkeitssäule blieb erhalten. Später haben wir dann nach der Kirchenrenovierung die Fundamentplatte erneuert, für den Baukörper reichte das Geld nicht mehr. Das dürfte der Schulz Vetter Sepp mit seinem Team durchgeführt haben. Inzwischen sind 30 Jahre vergangen und der Zahn der Zeit hat weite Teile befallen und angegriffen.

Die beschriebenen Umstände legten es mir nahe, mich damals schon mit der Dreifaltigkeitssäule zu beschäftigen und sie in Augenschein zu nehmen. Oben auf dem Säulenkapitell mit seinen klassischen Verzierungen sitzen Gott Vater und Gott Sohn nebeneinander. Rechts vom Betrachter sitzt Gott Vater mit der Weltkugel als der Schöpfer der Welt. Links vom Betrachter sitzt Gott Sohn mit dem Kreuz als der Erlöser der Welt. Dabei dürfen wir an die Worte des Glaubensbekenntnisses denken: „Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters.“ Über beide schwebt die Heilig-Geist-Taube. In der Sockelnische zur Straßenseite zugewandt, befand sich ein Altar mit dem Aufsatz für das Allerheiligste. Denn um Pfingsten herum, aber mit Sicherheit am Dreifaltigkeitsfest, wie auch beim Erntedankfest und verschiedenen Flurprozessionen wurde der Gottesdienst hier im Freien gehalten und nachher der Sakramentale Segen gespendet. Als ich Pfarrer in Orzydorf war, durften wir die Kirche, bzw. den Kirchhof selbst zu solchen Anlässen nicht verlassen.

Nicht mehr genau entsinne ich mich, wen die drei Gestalten auf den Abschlüssen des unteren Sockels darstellten. Im 150-Jahrfeierbuch steht nur vermerkt, dass das Dreifaltigkeitsdenkmal 1904 errichtet worden ist und dass die Familie Krepil die Stifter waren. Das Gestein ist schon stark verwittert und von den Fotografien her, lassen sich die Attribute der Heiligenfiguren nicht mehr genau bestimmen. Feststeht nur, dass es sich um eine Frau und 2 Herren handelt. Wenn der eine Mann einen Lilienstrauß in den Armen hält, könnte es sich um die heilige Familie handeln: der bereits erwachsene Jesus, Maria und Josef. Wenn es sich um keine Lilien sondern um ein Lamm handelt, dann könnten es u. U. auch Johannes der Täufer und seine Eltern Anna und Zacharias sein. Vielleicht gibt es jemand unter uns der genau weiß, was die drei Statuen in der Hand halten? Oder noch besser schaut bei eurem nächsten Heimaturlaub mal gezielt nach.

Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes kommt auch auf der Rundung über dem Hochaltar in einer weiteren Dreifaltigkeitsdarstellung zur Geltung, wie auch auf dem Schalldeckel der Kanzel. Was hat wohl die Taube mit Pfingsten und den Heiligen Geist zu tun? Ist doch der Heilige Geist beim Pfingstfest in Form von feurigen Zungen und unter Sturmesbrausen auf die Apostel, die im Abendmahlsaal versammelt waren, herabgekommen. Das ist künstlerisch nur sehr schwer darzustellen und außerdem fehlt dabei der Bezug zu Gott Vater und Gott Sohn. Die Dreifaltigkeitssymbolik auf der Orzydorfer Stele, wie in der Kirche knüpft hier an das Geschehen nach der Taufe Jesu im Jordan an. Kaum war er aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Matthäus 3,16-17)

Die Strahlen um die Taube sowohl auf der Dreifaltigkeitssäule als auch auf dem Schalldeckel der Kanzel künden vom Glanz der göttlichen Herrlichkeit und dem Geheimnis Gottes. Stellen wir uns vor, wie diese Strahlen nach der Restaurierung frisch versilbert oder gar vergoldet in der Sonne funkeln! Wenn wir in einem Jahr zur Einweihung fahren, sehen wir sie schon von weitem über die Baumkronen des Parks. Wir vernehmen jetzt schon das Gezwitscher der Vögel, atmen den Duft der Rosen ein und empfinden den Geschmack von Akazien und Linden. Dabei wird es uns warm ums Herz und wir fühlen uns wieder bei uns daheim.

Warum aber offenbart sich der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube? Das können wir nur vermuten. Petrus vergleicht einmal in seinem Brief die Taufe mit der Sintflut. (1 Petrus 3,20) In ihr ging eine verdorbene und schlecht gewordene Menschheit zugrunde, damit eine neue Menschheit geboren werde. Nachdem der Regen aufhörte, ließ Noach zweimal eine Taube aus der Arche fliegen, um festzustellen, ob sich das Wasser schon zurückgezogen hätte. Gott hatte nämlich – laut der biblischen Erzählung – die Tür von Außen verschlossen und das einzige Fenster war zu hoch, um hinaus schauen zu können. Beim zweiten Mal kam die Taube mit einem frischen abgerissen Ölbaumblatt im Schnabel zurück. Daran erkannte er, dass die Bäume bereits aus dem Wasser herausragen und er mit seiner Familie und den Tieren bald an Land gehen kann.

Wie die Taube damals zur Botin der Rettung aus der Sintflut wurde, so wollte der Heilige Geist in der Gestalt der Taube anzeigen, dass durch das Werk des Erlösers die Welt erneuert wird. Die über Jesus schwebende Taube erinnert aber auch an die Wolke, die über dem Berg Sinai schwebte. Wie die Wolke ist die Taube das Zeichen für die Gegenwart Gottes. Die Rauchsäule von der der Prophet Joel in der ersten Lesung bei der Ausgießung des Geistes auf alle Menschen berichtet, erinnert wohl auch an die Rauchwolke, die beim Auszug aus Ägypten vor den Israeliten herzog und sie beschützte.

Was bezweckten die kirchlichen und staatlichen Behörden mit der Errichtung der Dreifaltigkeitsdenkmäler in fast allen Banater Gemeinden? In Deutschland sind solche eher selten. Es gibt Dreifaltigkeitsbilder und Darstellungen in den Kirchen und oftmals an den Häusern, aber ganz selten auf dem Marktplatz, mitten in der Gemeinde. Ich meine darauf antworten zu können, dass es ein Hinweis darauf sein sollte, dass das Land, das über 200 Jahre dem Christentum entfremdet war, nun wieder christlich geworden war. Es sollte ein weithin sichtbares Bekenntnis zum dreifaltig- dreieinigen Gott sein, der uns seit der Taufe durchs Leben begleitet. „Durch die Taufe wurden wir alle in einem einzigen Leib aufgenommen und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.“ ( aus der zweiten Lesung: 1 Korinther 12, 13)

Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit werden wir auch in unserer Sterbestunde aus diesem Leben verabschiedet, wenn es heißt: „Mache dich auf den Weg, Schwester oder Bruder….in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat – im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; – im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist…“

Indem wir uns für die Restaurierung des wunderschönen Denkmals einsetzen, leisten wir nicht nur einen Beitrag zum kulturellen Fortbestand unserer Vorfahren, sondern auch dazu, dass das Erscheinungsbild unseres Heimatdorfes christlich bleibt. Auch festigen wir so unseren christlichen Glauben in der neuen Heimat, in der sich das Neuheidentum immer mehr ausbreitet. Das geschieht durch jedes Gebet, das wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes beginnen; – jedes Mal, wenn wir Weihwasser nehmen und uns mit den Worten bekreuzigen: Ich bin getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Jedes Mal, wenn wir an der Messfeier teilnehmen, empfangen wir in der Kommunion eigentlich die ganze heilige Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Geist. So empfangen wir das höchste Geheimnis als Nahrung für unseren Glauben. Ist es ein Zufall, dass unter der Dreifaltigkeitsgruppe des Orzydorfer Denkmals die Hostie mit dem Kelch abgebildet ist?