Pfarrer Topitz - Predit während des Gottesdienstes

Orzydorfer Pfingsttreffen in Nürnberg am 14.05.2005

Liebe Orzydorfer Schwestern und Brüder, liebe Landsleute!

Ich war kaum 2 Wochen in Orzydorf, als mich der damalige Parteisekretär Grün zur Gemeinde bestellte und mir eröffnete: „Genosse Pfarrer. Die Dreifaltigkeitssäule ist baufällig. Wenn Du sie nicht binnen einer Woche herrichtest, werde ich sie abreißen lassen!“ Wer den Grün gekannt hat, weiß dass das keine leere Drohung war. Deshalb bat ich ihn: „Genosse Parteisekretär, von wo soll ich die Kirche einen Maurer hernehmen und von wo soll sie Zement organisieren?“ Darauf verwies mich mein Gegenüber auf die örtliche Kollektivwirtschaft. Die LPG stellte also für einen halben Tag einen Maurer und einen Sack Zement zur Verfügung! Das war natürlich blanker Unsinn. Der Schuld Vetter Niklos machte sich jedoch unverzüglich an die Arbeit und sagte mir: „Ich schmierte halt die gröbsten Löcher zu!“. Der Parteisekretär, der keinen näheren Bezug zu dem Denkmal hatte und auch nicht wusste wie es früher ausgesehen, war zufrieden und die Dreifaltigkeitssäule blieb erhalten. Später haben wir dann nach der Kirchenrenovierung die Fundamentplatte erneuert, für den Baukörper reichte das Geld nicht mehr. Das dürfte der Schulz Vetter Sepp mit seinem Team durchgeführt haben. Inzwischen sind 30 Jahre vergangen und der Zahn der Zeit hat weite Teile befallen und angegriffen.

Die beschriebenen Umstände legten es mir nahe, mich damals schon mit der Dreifaltigkeitssäule zu beschäftigen und sie in Augenschein zu nehmen. Oben auf dem Säulenkapitell mit seinen klassischen Verzierungen sitzen Gott Vater und Gott Sohn nebeneinander. Rechts vom Betrachter sitzt Gott Vater mit der Weltkugel als der Schöpfer der Welt. Links vom Betrachter sitzt Gott Sohn mit dem Kreuz als der Erlöser der Welt. Dabei dürfen wir an die Worte des Glaubensbekenntnisses denken: „Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters.“ Über beide schwebt die Heilig-Geist-Taube. In der Sockelnische zur Straßenseite zugewandt, befand sich ein Altar mit dem Aufsatz für das Allerheiligste. Denn um Pfingsten herum, aber mit Sicherheit am Dreifaltigkeitsfest, wie auch beim Erntedankfest und verschiedenen Flurprozessionen wurde der Gottesdienst hier im Freien gehalten und nachher der Sakramentale Segen gespendet. Als ich Pfarrer in Orzydorf war, durften wir die Kirche, bzw. den Kirchhof selbst zu solchen Anlässen nicht verlassen.

Nicht mehr genau entsinne ich mich, wen die drei Gestalten auf den Abschlüssen des unteren Sockels darstellten. Im 150-Jahrfeierbuch steht nur vermerkt, dass das Dreifaltigkeitsdenkmal 1904 errichtet worden ist und dass die Familie Krepil die Stifter waren. Das Gestein ist schon stark verwittert und von den Fotografien her, lassen sich die Attribute der Heiligenfiguren nicht mehr genau bestimmen. Feststeht nur, dass es sich um eine Frau und 2 Herren handelt. Wenn der eine Mann einen Lilienstrauß in den Armen hält, könnte es sich um die heilige Familie handeln: der bereits erwachsene Jesus, Maria und Josef. Wenn es sich um keine Lilien sondern um ein Lamm handelt, dann könnten es u. U. auch Johannes der Täufer und seine Eltern Anna und Zacharias sein. Vielleicht gibt es jemand unter uns der genau weiß, was die drei Statuen in der Hand halten? Oder noch besser schaut bei eurem nächsten Heimaturlaub mal gezielt nach.

Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes kommt auch auf der Rundung über dem Hochaltar in einer weiteren Dreifaltigkeitsdarstellung zur Geltung, wie auch auf dem Schalldeckel der Kanzel. Was hat wohl die Taube mit Pfingsten und den Heiligen Geist zu tun? Ist doch der Heilige Geist beim Pfingstfest in Form von feurigen Zungen und unter Sturmesbrausen auf die Apostel, die im Abendmahlsaal versammelt waren, herabgekommen. Das ist künstlerisch nur sehr schwer darzustellen und außerdem fehlt dabei der Bezug zu Gott Vater und Gott Sohn. Die Dreifaltigkeitssymbolik auf der Orzydorfer Stele, wie in der Kirche knüpft hier an das Geschehen nach der Taufe Jesu im Jordan an. Kaum war er aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Matthäus 3,16-17)

Die Strahlen um die Taube sowohl auf der Dreifaltigkeitssäule als auch auf dem Schalldeckel der Kanzel künden vom Glanz der göttlichen Herrlichkeit und dem Geheimnis Gottes. Stellen wir uns vor, wie diese Strahlen nach der Restaurierung frisch versilbert oder gar vergoldet in der Sonne funkeln! Wenn wir in einem Jahr zur Einweihung fahren, sehen wir sie schon von weitem über die Baumkronen des Parks. Wir vernehmen jetzt schon das Gezwitscher der Vögel, atmen den Duft der Rosen ein und empfinden den Geschmack von Akazien und Linden. Dabei wird es uns warm ums Herz und wir fühlen uns wieder bei uns daheim.

Warum aber offenbart sich der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube? Das können wir nur vermuten. Petrus vergleicht einmal in seinem Brief die Taufe mit der Sintflut. (1 Petrus 3,20) In ihr ging eine verdorbene und schlecht gewordene Menschheit zugrunde, damit eine neue Menschheit geboren werde. Nachdem der Regen aufhörte, ließ Noach zweimal eine Taube aus der Arche fliegen, um festzustellen, ob sich das Wasser schon zurückgezogen hätte. Gott hatte nämlich – laut der biblischen Erzählung – die Tür von Außen verschlossen und das einzige Fenster war zu hoch, um hinaus schauen zu können. Beim zweiten Mal kam die Taube mit einem frischen abgerissen Ölbaumblatt im Schnabel zurück. Daran erkannte er, dass die Bäume bereits aus dem Wasser herausragen und er mit seiner Familie und den Tieren bald an Land gehen kann.

Wie die Taube damals zur Botin der Rettung aus der Sintflut wurde, so wollte der Heilige Geist in der Gestalt der Taube anzeigen, dass durch das Werk des Erlösers die Welt erneuert wird. Die über Jesus schwebende Taube erinnert aber auch an die Wolke, die über dem Berg Sinai schwebte. Wie die Wolke ist die Taube das Zeichen für die Gegenwart Gottes. Die Rauchsäule von der der Prophet Joel in der ersten Lesung bei der Ausgießung des Geistes auf alle Menschen berichtet, erinnert wohl auch an die Rauchwolke, die beim Auszug aus Ägypten vor den Israeliten herzog und sie beschützte.

Was bezweckten die kirchlichen und staatlichen Behörden mit der Errichtung der Dreifaltigkeitsdenkmäler in fast allen Banater Gemeinden? In Deutschland sind solche eher selten. Es gibt Dreifaltigkeitsbilder und Darstellungen in den Kirchen und oftmals an den Häusern, aber ganz selten auf dem Marktplatz, mitten in der Gemeinde. Ich meine darauf antworten zu können, dass es ein Hinweis darauf sein sollte, dass das Land, das über 200 Jahre dem Christentum entfremdet war, nun wieder christlich geworden war. Es sollte ein weithin sichtbares Bekenntnis zum dreifaltig- dreieinigen Gott sein, der uns seit der Taufe durchs Leben begleitet. „Durch die Taufe wurden wir alle in einem einzigen Leib aufgenommen und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.“ ( aus der zweiten Lesung: 1 Korinther 12, 13)

Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit werden wir auch in unserer Sterbestunde aus diesem Leben verabschiedet, wenn es heißt: „Mache dich auf den Weg, Schwester oder Bruder….in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat – im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; - im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist…“

Indem wir uns für die Restaurierung des wunderschönen Denkmals einsetzen, leisten wir nicht nur einen Beitrag zum kulturellen Fortbestand unserer Vorfahren, sondern auch dazu, dass das Erscheinungsbild unseres Heimatdorfes christlich bleibt. Auch festigen wir so unseren christlichen Glauben in der neuen Heimat, in der sich das Neuheidentum immer mehr ausbreitet. Das geschieht durch jedes Gebet, das wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes beginnen; - jedes Mal, wenn wir Weihwasser nehmen und uns mit den Worten bekreuzigen: Ich bin getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Jedes Mal, wenn wir an der Messfeier teilnehmen, empfangen wir in der Kommunion eigentlich die ganze heilige Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Geist. So empfangen wir das höchste Geheimnis als Nahrung für unseren Glauben. Ist es ein Zufall, dass unter der Dreifaltigkeitsgruppe des Orzydorfer Denkmals die Hostie mit dem Kelch abgebildet ist?

Antwort schreiben

Sie müssen als angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.