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Päpstlicher Nuntius in Orzydorf

Thursday, June 1st, 2006

Für ein Wochenende war Orzydorf für uns der Nabel der Welt. Eine Reisegruppe ehemaliger Orzydorfer machte sich auf den Weg in ihre alte Heimat. Es gab diesmal einen besonderen Anlass: die frisch renovierte Dreifaltigkeitssäule sollte eingeweiht werden. Hohe kirchliche Prominenz hatte sich angemeldet: der päpstliche Nuntius Erzbischof Jean Claude de Perisset und Diözesanbischof Martin Roos.

Eine große Überraschung bescherte uns schon im Vorfeld der Reise unser Heimatpfarrer Franz Egmont Topits mit der Ankündigung, uns auf dieser Reise zu begleiten. Natürlich war dies für uns eine große Ehre.

Die Anreise verlief wie erwartet zügig durch ein nun freies Europa: keine Wartezeiten an den Grenzen, freundliches und nettes Personal, kurze Pass- und Zollkontrollen und schon breitete sich in einem satten Grün die weite und flache Banater Landschaft aus.

Freitags wurden wir in Orzydorf im Rathaus von Bürgermeister A. Sobolu begrüßt. Neben dem traditionellen Brot und Salz, hatten die Mitarbeiter köstliche Platten mit vielen Banater Leckereien zubereitet. Ein wunderbares Gefühl, so herzlich in seiner alten Heimat empfangen zu werden.

Samstags fuhr ein Teil der Reisegesellschaft mit unserem Pfarrer Topits nach Maria Radna. Schon im Bus beteten und sangen wir die, teilweise schon fast vergessenen, Gebete und Lieder an die Mutter Gottes. In Maria Radna war großer Wallfahrtstag. Die Messe in fünf Sprachen, vom päpstlichen Nuntius Erzbischof J. C. de Perisset, von Diözesanbischof M. Roos und einer großen Zahl an Priestern, darunter auch unser Pfarrer Topits, zelebriert, war ein besonderes Erlebnis.

Auf der Rückfahrt besuchten wir die Gedenkstätte unseres Heimatschriftstellers Adam Müller-Guttenbrunn sowie die Kirche in Guttenbrunn.

„Sonntag dann der große Tag, der wohl in die Geschichte von Orzydorf eingehen wird“ schrieb Pfarrer Topits in sein Reisetagebuch. Morgens besuchten wir den Friedhof und schmückten anschließend die Kirche mit unzähligen roten Rosen und Nelken. Währenddessen probte der Chor unter der Leitung unseres Fahrers Werner Zippel noch ein letztes Mal. Hans Ortmann stellte das Mikrofon auf und Pfarrer Topits bereitete seine Predigt vor. Ein hektisches Treiben, ein Durcheinander, das nicht enden wollte. Kurz vor 11 Uhr füllte sich die Kirche immer mehr, jeder wollte dabei sein. Der Gottesdienst, ein Erlebnis der besonderen Art, begann mit dem feierlichen Einzug von Pfarrer Topits, dem griechisch-katholischen Pfarrer Felician Vasile Kadar und mit dem ehemaligen Pfarrer von Vinga Miklos Nakov, Drei Jugendliche in deutscher, rumänischer und ungarischer Tracht und die Ministranten zogen voran, gefolgt vom Bürgermeister, stellvertretendem Bürgermeister, Gemeinderäten, Kirchengemeinderäten und Mitgliedern der HOG Orzydorf. In drei Sprachen wurde die Messe gelesen. Pfarrer Kadar beschloss sein Grußwort mit dem Psalmwort „Wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder beisammen wohnen…“. Die Pfingstpredigt von Pfarrer Topits bezog sich auf den christlichen Begriff der Heimat und war bei der Zusammensetzung der Gläubigen aus verschiedenen Völkerschaften treffend gewählt. Nostalgie machte sich breit, die zum Schluss mit dem Lied „Glocken der Heimat“ ihren Höhepunkt erreicht. Die Glocken klangen so wehmütig, als wüssten sie, dass wir am Folgetag Abschied nehmen mussten. Allein dieses Erlebnis war die Reise wert.

Im Orzydorfer Kultursaal begannen schon am Samstag die Vorbereitungen für die große Feier nach dem Pfingstgottesdienst. Zwei Schweine wurden geschlachtet, frische Krammeln, Blut- und Leberwurst für die Vorspeise, Braten für den Hauptgang vorbereitet. Die Tische wurden eingedeckt und geschmückt. Den Service übernahmen die Angestellten des Rathauses. Punkt 13 Uhr stand das Essen auf dem Tisch – einfach köstlich-. Nachmittags wurde Frau Cornelia Ardelean von der HOG Orzydorf geehrt und beschenkt: u. a. mit einer Trachtenpuppe angefertigt von Magdalena Kierer. Frau Ardelean setzte sich schon als Bürgermeisterin von Orzydorf sehr für die Renovierung der Dreifaltigkeitssäule ein, ohne sie wäre ein solches Projekt nicht möglich gewesen. Auch Bürgermeister A. Sobolu, der sich nach der Amtsübernahme konsequent für die Renovierung eingesetzt hat, als auch dem Orzydorfer Gemeinderat, der nicht zuletzt auch Mittel dafür freigab, wurde gedankt. Natürlich dankten wir nochmals den vielen Landsleuten, die mit ihren Spenden zur Renovierung beigetragen haben.

Um 16 Uhr trafen wir uns an der Dreifaltigkeit, um sie zu schmücken und für die Einweihungsfeier vorzubereiten. Beim großen Einzug zur Andacht in unsere Kirche nahmen neben dem Erzbischof Jean Claude de Perisset und dem Diözesanbischof Martin Roos auch Generalvikar László Böcskei, sowie weitere 15 Priester aller drei Konfessionen, sowie Schüler des Gerhardinums aus Temeswar teil. Nach Begrüßungsreden von Pfarrer Velciov, Frau C. Ardelean vom griechisch-katholischen Gemeinderat sowie Frau E. Rodenkirchen im Namen der HOG Orzydorf und Ansprachen der beiden Bischöfe (siehe extra Spalte) und dem Andachtsgebet gingen wir gemeinsam zur Dreifaltigkeitssäule. Erzbischof de Perisset sprach das Weihegebet und segnete das Denkmal. Bürgermeister Sobolu bedankte sich im Namen der Gemeinde und Pfarrer Topits sprach das Schlusswort.

Nach einem gemeinsamen Abendessen im Kultursaal verabschiedeten sich die geistlichen Gäste. Bei Hora, viel Raki und Wein ließen auch wir, gemeinsam mit den Einheimischen, diesen wunderbaren Tag ausklingen.

Die HOG Orzydorf überreichte am Sonntagnachmittag eine Spende an die Direktorin der Schule, Frau Dumitra Popescu in Orzydorf, die zur Erneuerung der Fußböden eingesetzt wird. Darauf hin lud sie uns zu einem Besuch der Schule ein. Dienstag Vormittag empfingen uns die Schüler mit selbst gebastelten Blumen, mit spontan vorgeführten Theatereinlagen und Liedern. Wir besuchten fast alle Klassenräume, die uns viel kleiner vorkamen als zu unserer Zeit, den Schulhof und im Lehrerzimmer standen Erfrischungen bereit. Erstaunt waren wir über den Deutschunterricht, die Begeisterung der Kinder und die vielen jungen, angagierten Lehrerin und Lehrer, allen voran die Direktorin. Viele Erinnerungen an unsere Schulzeit mussten verarbeitet werden.

Bei einer gemeinsamen Abschlusssitzung am Montag Abend ließen wir alles Erlebte noch einmal Revue passieren. Die vielen Eindrücke können wir ohnehin erst zu Hause verarbeiten.

Der Vorstand der HOG Orzydorf bedankt sich bei allen Teilnehmern dieser Reise. Wir bedanken uns bei Bürgermeister A. Sobolu und seinem Team für alles, was sie für uns getan haben. Selbstverständlich war das nicht.

Der Vorstand der HOG Orzydorf