Archive for March, 2010

Der Heiligen Schein der Kirche und die Schein Heiligkeit der Gesellschaft

Saturday, March 27th, 2010

Eine Stellungnahme von Dekan Kilian Kemmer

1. Tiefe Betroffenheit, Scham und Reue

 

Während der letzten Wochen erreichten uns täglich neu furchtbare Berichte von sexuellem Missbrauch durch Priester und Ordensleute in kirchlichen Einrichtungen. Abscheuliche Abgründe tun sich auf, wie sündig Amtsträger unserer Kirche geworden sind. Eine Zeit echter Buße und Reue für die Kirche stellt sich als notwendig dar.

Von daher ist es zu begrüßen, dass betroffene Opfer nach Jahrzehnten ihr Schweigen brechen und der Öffentlichkeit kundtun, was sie Fürchterliches erleben mussten oder erfahren haben. Viele Eltern vertrauen bis heute ihre Kinder kirchlichen Internaten, Schulen oder Bildungseinrichtungen an, weil sie wissen, dass dort Werteerziehung praktiziert, ein hohes Bildungsniveau erreicht und eine familiäre Atmosphäre gelebt wird. Wo dieses Vertrauen gerade durch Männer im geistlichen Amt oder im Ordensstand enttäuscht wurde, bedeutet dies schon einen Missbrauch und Vertrauensbruch an sich. Wo durch, Geistliche schutzbedürftige Kinder zu Opfern sexualisierter Gewalt wurden, stellt dieser Umstand einen Skandal und eine Tragödie dar.

Papst, Bischöfe wie die gesamte Glaubensgemeinschaft der röm.-kath. Kirche sind alle zusammen beschämt und entsetzt, dass sich im geschützten Raum von kirchlichen Bildungsstätten oder von Klöstern derartige Verbrechen und schwere Sünde zugleich ereignet haben. Aus dieser Scham heraus können wir die Opfer nur reuevoll um Verzeihung bitten, lückenlose Aufklärung zusichern und angemessene Entschädigungen leisten. Zudem müssen möglichst viele Vorkehrungen getroffen werden, die solches Verbrechen und Unrecht im kirchlichen Umfeld in Zukunft verhindern.

 

2. Die Opfer in den Blick nehmen! –  Die erste Priorität

 

Die schweren Vorwürfe gegenüber kirchlichen Einrichtungen dürfen nicht zu einem Ablenkungsmanöver führen, das den echten Opfern nicht gerecht wird. Der Druck der Medien und der bisweilen unprofessionelle Umgang damit darf nicht die wichtigsten Personen in diesem Zusammenhang aus dem Blick verlieren: die Opfer!

 

Ablenkung a) Körperliche Züchtigung als pädagogische Maßnahme und Strafe

 

Die zum Teil sadistischen Prügel oder andere exzessive Strafmaßnahmen in einen Topf mit dem sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen zu werfen, stellt eine Beleidigung der Missbrauchsopfer und von deren seelischen Schäden dar.

Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein erlebten Lehrer/innen und Schüler/innen Prügel, Ohrfeigen oder andere derartige (abartige) Methoden der Körperverletzung in ihrem schulischen Alltag – leider auch in kirchlichen Bildungseinrichtungen. Aus heutiger Sicht bleibt es völlig unverständlich, warum in der Familie wie in der Schule geohrfeigt, geschlagen oder andere Strafen mit pseudopädagogischer Rechtfertigung geduldet waren.

Viele Lehrer/innen von einst (oder deren Witwen/Witwer) fürchten jetzt auch Enthüllungen über ihre zum Teil wirklich sadistischen Strafen, die sie scheinbar guten Gewissens erteilten.

Viele Mütter und Väter fragen sich jetzt selbstkritisch, ob die eine oder andere Prügelstrafe o.ä. gerechtfertigt waren. Im Übrigen lösen Psycho-Druck und Psycho-Terror von Erziehungsberechtigten ein genauso hohes Maß an Leidensdruck aus wie körperliche Bestrafungen.

Doch all dies hat nichts, aber auch gar nichts mit sexuellem Missbrauch und seinen verheerenden Folgen zu tun und muss klar voneinander unterschieden werden!

 

Ablenkung b) „Der priesterliche Zölibat als Ursache für Pädophilie“

 

Als eine der ersten Talk-Runden im deutschen Fernsehen beschäftigte sich Frank Plasbergs Sendung „Hart, aber fair“ am 24. Februar 2010 in der ARD (WDR) mit dem Thema „Missbrauch durch Geistliche.“

Im Rahmen dieser Live-Sendung kam ein Opfer zu Wort, das nach fast 40 Jahren sein Schweigen brach und „seinen Fall“ schilderte.

Durch den mehrfachen Missbrauch eines Priesters stürzte der Mann in eine tiefe seelische Krise bis hin zum Suizid-Versuch. Als sich im Gesprächsverlauf das Thema immer mehr zum Zölibatsgelübdde der Priester verlagerte, drohte das Missbrauchsopfer die Sendung zu verlassen, weil er sich und sein Schicksal abermals nicht ernst genommen fühlte. Aus seiner jahrelangen Therapie wusste er, dass pädophiles Handeln nichts mit dem Zölibat, sondern mit sexualisierter Gewalt und Machtausübung gegenüber Schwächeren und Schutzbefohlenen zu tun hat, also mit Phänomenen, die sich – warum auch immer – in der Pubertät eines Menschen entwickeln. Die Entscheidung für ein zölibatäres Leben trifft ein junger Mann viel später, mit etwa 20 Jahren. Zudem finden 98 Prozent der Missbrauchsfälle durch verheiratete Männer und Väter statt.

Der deutsche Kinderschutzbund schätzt zwischen 80.000 bis 120.000 Missbrauchsfälle in Deutschland pro Jahr, 16.000 werden davon angezeigt. Von 1995 bis 2010 wurden 210.000 Missbrauchsfälle durch die Staatsanwaltschaft registriert. Davon gingen 115 Delikte von ehelos lebenden Priestern oder Ordensleuten aus, das entspricht einem prozentualen Anteil von 0,05 Prozent.

Diese 115 Priester und Ordensleute sind für mich 100 Prozent Priester oder Ordensleute zuviel, die ein solches Verbrechen begangen haben und diese stellen eine Schande für die gesamte Kirche dar. Ein Wort Jesu kommt mir in diesem Zusammenhang immer wieder in den Sinn: „Es ist unvermeidlich, dass Verführungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt.“

(Lk 17,1-3)

Nunmehr das Problem des sexuellen Missbrauchs auf die freiwillig zölibatär lebenden Priester und Ordensleute einzuengen, wird der großen Masse der Opfer in keinster Weise gerecht.

 

 

Ablenkung c) „Die verlogene kirchliche Moral“

 

Durch die schlimmen und nicht zu entschuldigenden Vorkommnisse des sexuellen Missbrauchs gegenüber Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute leidet immens die Glaubwürdigkeit der Kirche und das Vertrauen in ihre Repräsentanten schwindet verständlicher Weise.

Aus dem sündhaften Fehlverhalten einzelner nunmehr den Schluss zu ziehen, die moralischen Vorstellungen seien falsch oder zu hoch halte ich für unangebracht. Gerade die Verbrechen, die von Priestern und Ordensleuten ausgingen, schreien nicht nach einem weniger, sondern nach einem mehr an sittlichen Wertvorstellungen. Gerade der Klerus hat sich dies tatsächlich hinter die Ohren zu schreiben. Der Kinderschutzverein Carechild fordert dies auch im gesellschaftspolitischen Bereich. Denn Organisationen wie die „Humanistische Union“, zu der auch die Bundesjustizministerin zählt, setzten sich unter Berufung auf Freiheit und Liberalisierung für eine Quasi-Legalisierung von Sex mit Kindern ein.

Einzelne kirchliche Moralvorstellungen nunmehr zu diskutieren, hilft den Opfern nicht. Diese Vorstellungen zu leben und daraus folgend eine ehrliche Aufarbeitung und Hilfeleistung geschehen zu lassen, das hilft den gepeinigten und Leid tragenden Opfern.

 

 

Ablenkung d) Generalverdacht: „Die Kirche ein Verein pädophiler Amtsträger“

 

Als sehr verletzend empfand ich den in den Berichterstattungen der vergangenen Wochen unterschwellig geäußerten Generalverdacht der Pädophilie gegenüber Priestern und Ordensleuten. Nahezu alle Opfer bescheinigen, dass es sich bei den Tätern um Einzelfälle von verantwortlichen Priestern oder Ordensleuten handelte. Eltern und Schüler des Klosters Ettal oder der Regensburger Domspatzen etwa bescheinigen genauso wie die meisten ehemaligen Schüler ihren Ausbildungsstätten eine solide Führung und wehren sich gegen den Ruf, von pädophilen Sadisten oder blindwütigen Schlägern erzogen worden zu sein. Dabei übersieht man in keinster Weise die Solidarität mit den Missbrauchsopfern und mit deren Martyrium. Diese schrecklichen Vorkommnisse beschädigen selbstverständlich den Ruf einer Schule oder eines Internates. Die Schule oder das Internat definiert sich aber nicht auf Grund solchen Fehlverhaltens oder baut seine Existenz auf solchen menschenverachtenden Grundlagen auf!

Als Priester unserer Kirche habe auch ich täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun und verbitte mir die Unterstellung pädophiler Neigung qua Amt. Es mag sein, dass der Schutzraum Kirche den verbrecherischen Mitbrüdern einen auf Vertrauen basierenden Rahmen bot, der es ihnen leichter machte ihre Perversion zu praktizieren. Aber auch die Schutzräume von Schulen oder staatlichen Institutionen lassen u.U. diesen Missbrauch zu. Eine totale Überwachung gibt es nicht und wo stünden wir ohne grundsätzliches Vertrauen in Mitarbeiter?

Den Opfern wird aus meiner Sicht nur Gerechtigkeit widerfahren, wenn ihr Einzelschicksal betrachtet, untersucht und entschädigt wird. Mit Pauschalverurteilungen und einem Generalverdacht gegenüber Priestern und Ordensleuten ist keinem der Opfer geholfen.

 

 

Ablenkung e) Die Rolle des Papstes

 

Immer wieder wollen manche Medien und Kirchenkritiker die Vergangenheit Papst Benedikt XVI. hinsichtlich eines Vorfalles im Erzbistum München und Freising aus dem Jahr 1980 in die Skandale einbeziehen. 1981 verließ Joseph Ratzinger sein damaliges Erzbistum und trat seine neue Aufgabe in Rom an. Von dort aus hat Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation kontinuierlich und je länger je mehr die Pädophilie von Priestern entschieden verfolgt und als erster dieses menschenverachtende Verhalten von Amtsträgern der Kirche gegenüber Schutzbedürftigen zur Chefsache erklärt. Die „Null Toleranz“ Haltung des vormaligen Papstes Johannes Paul II. war genährt und motiviert von seinem Präfekten Joseph Ratzinger. Die bedingungslose Aufdeckung und Aufarbeitung der Skandale in den USA, in Irland oder Australien gehen auf Kardinal Ratzinger bzw. seit 2005 auf Papst Benedikt XVI. zurück. Die Begegnung zwischen Papst und Missbrauchsopfern in den USA im April 2008 sandte eine eindeutige Botschaft aus. Auch die lückenlose Aufklärung und die finanzielle Entschädigung wurden vom Papst gefordert. Auch wenn ganze Bistümer in den USA oder in Irland finanziellen Bankrott erklären mussten, blieb Papst Benedikt hart. Schließlich weiß er, dass sich Kirche nicht durch, aus oder von Geld definiert, sondern auf Glaubwürdigkeit und auf der Übereinstimmung von Lehre und Lebenswandel aufbaut.

Deshalb wird es den Heiligen Vater als ehemaligen Erzbischof von München und Freising besonders schwer treffen, dass ein solcher Vorfall scheinbarer Vertuschung in seine Amtszeit fiel; zum Umstand der Vertuschung gleich mehr.

Was aber nunmehr gewisse Gruppen dem Papst unterstellen, kann ich nicht nur unverhältnismäßig und übertrieben bezeichnen, sondern dies stellt für mich ganz klar die ausschließliche Absicht dar, der Kirche und ihrem Pontifex zu schaden. Die Opfer bleiben wieder auf der Strecke. Bei diesen Attacken gegenüber dem Papst geht es nicht um Gerechtigkeit und Wahrheit, sondern um Schaden und Zerstörung. Namentlich der destruktiven Bewegung „Wir sind Kirche“ empfehle ich eine Umwidmung ihres Vereins hin zu der Bezeichnung „Wir waren Kirche“. Damit verbunden wäre natürlich die Auflage einiger Nachhilfestunden in Fundamentaltheologie über Wesen und Aufgabe der Kirche.

Ich wünsche mir, dass gerade auch die kircheninternen Kritiker und Wundenlecker endlich bereit werden, den Opfern konstruktiv und entschieden zu helfen!

 

 

 

3. Vertuschung: Erkenntnis oder Verständnis?

 

In der öffentlichen Diskussion kommt immer wieder der Vorwurf zum Ausdruck, kirchliche Einrichtungen hätten pädophile Vergehen vertuscht oder durch bloße Versetzungen der Täter reagiert.

Die Missbrauchsfälle, die jetzt sukzessive bekannt werden, liegen mindestens 20 Jahre zurück, die meisten sogar noch viel länger.

Erst seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die von der Frauenbewegung seit den 70er Jahren angemahnte Aufarbeitung der Pädophilie systematisch umgesetzt und die Problemstellung ernst genommen. Bis in die 80er Jahre hinein ordnete man jenes Verbrechen oft einer homophilen oder homosexuellen Neigung zu und nahm Opfer und Gewalttaten zu wenig ernst, wohl auch wegen der genannten Fehleinschätzung bzw. mangelhafter Kenntnis der Sachlage. Die heutigen Erkenntnisse von Psychologie, Medizin, Soziologie und Rechtswissenschaften befanden sich in den Kinderschuhen, zumindest was deren Akzeptanz anbelangte.

So kam es tatsächlich zu Versetzungen, die nie hätten vorgenommen werden dürfen. Warum sich Opfer erst jetzt nach Jahrzehnten melden, beantworten uns die Psychologen, die die Traumata und die psychologischen Schäden, die entstanden sind, als kaum aussprechbar einstufen. Erst nach langer Zeit, langem Leidensdruck und langer Selbstreflexion gelingt es Opfern, ihr Schicksal zu artikulieren.

So kann man in keinem Fall den Opfern einen Vorwurf des zu langen Schweigens machen. Den Umgang mit den Tätern muss man somit aus heutiger Sicht verurteilen.

 

Wie hätten wir damals angesichts unseres Kenntnisstandes und unserer Einschätzungsmöglichkeit vor 30, 40 Jahren und mehr gehandelt?

So wie ich noch nie auf verwerfliches Handeln von Menschen während der Nazizeit oder während des kommunistischen Regimes in der DDR (Stasi-Arbeit) einen Stein geworfen habe, hüte ich mich jedenfalls auch jetzt davor, Entscheidungsträger der Kirche in den 60er/70er/80er Jahren des letzten Jahrhunderts an den Pranger zu stellen wegen unentschlossenen Handelns gegenüber schuldig gewordenen Kinderschändern im Priesteramt.

Viel sympathischer erkenne ich die Tatsache, dass gerade die deutsche Bischofskonferenz mit ihren Leitlinien von 2001 offensiv das Problem erkannt hat und entschlossen zur Lösung von Missbrauchsvorwürfen beitragen wollte. In dieser Form hat sich keine Institution (Sportvereine, Schulen, andere Kirchen, alternative pädagogische Institute, Musikschulen etc.), in deren Reihen das Problem zu Hauf existiert, der Herausforderung so selbstkritisch gestellt wie die röm.-kath. Kirche in Deutschland. Der Jesuitenorden etwa ging ohne Druck der Staatsanwaltschaft oder der Presse im Februar 2010 an die Öffentlichkeit und enthüllte die Skandale in ordenseigenen Schulen und Internaten. Daraufhin ermutigten die Bischöfe die Opfer von sexuellem Missbrauch, sich bei den seit 9 Jahren existierenden Anlauf- und Beratungsstellen zu melden. Die Konsequenz dieser gewünschten Aufklärung erleben wir nun in der Lawine von Hiobsbotschaften, die uns tagtäglich erreichen und noch erreichen werden. Für die Kirche bleiben diese schlimmen Vorkommnisse so beschämend, weil sie sich die Worte des Herrn stets neu zu vergegenwärtigen hat:

„Bei euch aber soll es nicht so sein!“(Mk 10,43)

Wenn sich 98 Prozent aller Missbrauchsfälle in Deutschland in den Familien oder bei anderen gesellschaftlichen Gruppen ereignen, muss sich auch der Staat in der Person der derzeitigen Bundesjustizministerin fragen lassen:

Was erreichen Polizei, Staatsanwaltschaft oder Jugendämter auf diesem Gebiet? Wie haben staatliche Behörden vor 30/40 Jahren pädophile Verdachtsmomente verfolgt oder ernst genommen? Wie schwer tut sich im Übrigen derselbe Staat, der zu Recht von der Kirche reinen Tisch fordert, mit dem Verbot von Kinderpornographie! Vertuscht also auch der Staat oder erlebt er die selben Schwierigkeiten in der Aufarbeitung von Kindesmissbrauch wie die Kirche?

Die Partei der Grünen etwa hat in den 80er Jahren noch die Straffreiheit für sexuelle Handlungen jeder Art gefordert auch im Kontakt mit Minderjährigen. Allein schon daran ist ersichtlich, wie oberflächlich die eigentliche Problematik vor 3/ 4 Jahrzehnten eingeschätzt wurde. So etwas würde heutzutage niemand mehr fordern.

 

Dennoch brauchen die Leitlinien der deutschen Bischöfe meiner Meinung nach eine Verschärfung dahingehend, dass Verdachtsfälle in jedem Fall der Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Freilich wissen wir von betroffenen Opfern, die unter keinen Umständen die Staatsanwaltschaft einschalten und die ihr Leid auf anderen Wegen der Therapie oder der Beratung aufarbeiten möchten. Auch Jugendämter sind nicht unter allen Umständen zur Anzeige verpflichtet, sei es zum Schutz des Opfers oder zur Ermöglichung einer tief greifenden Täter/Opfer Therapie. Aus der Sicht der Verantwortlichen bezeugt die Anzeige eines Vorfalls jedoch das Interesse an echter strafrechtlicher Aufklärung und verhindert den Vorwurf der Vertuschung.

Zudem scheint mir die Verlängerung der Verjährungsfrist für Sexualdelikte gegenüber Kindern und Jugendlichen unbedingt notwendig.

Um den Opfern gerecht zu werden, muss lückenlos und ohne falsche Rücksichtnahme aufgeklärt werden!

 

 

4. Konsequenzen: Aufarbeitung und Läuterung als Chance

 

a) Aus allem Geschehenen muss die Kirche im Hinblick auf die Opfer die Konsequenz ziehen, ohne jegliche falsche Toleranz aufzuklären, Anzeige zu erstatten und Entschädigung zu leisten.

b) Einmal des Kindesmissbrauchs tatsächlich und nachweislich schuldig gewordene Priester, Ordensleute oder kirchliche Angestellte müssen sofort und für immer aus jeglichem kirchlichen Dienst entlassen und von ihren Ämtern suspendiert werden.

c) In der Ausbildung von Priestern muss das Thema „Sexueller Missbrauch“ deutlich behandelt und entschieden jeder verdächtige Mann von der Weihe fern gehalten werden.

d) Bischöfe und Priester müssen in ihrem Verhalten das rechte Verhältnis von Nähe und Distanz im „forum internum“ wie im „forum externum“ praktizieren oder sogar neu lernen.

e) Amtsträger der röm.kath. Kirche sollten die gegenwärtige Situation als „Zeichen der Zeit“ im Sinne des II. Vatikanums verstehen und einen Selbstreinigungs- und Läuterungsprozess einleiten. Nicht das, einem Manager ähnelnde, wichtigtuerische und mit dem Handy spielende Auftreten eines Priesters in feinem Anzug mit bunter Seidenkrawatte ist jetzt gefordert, sondern das demütige Gebet nach dem Muster des römischen Messkanons als Ausdruck seines Dienstamtes und als Eingeständnis von menschlicher Schuld:

„Auch uns, Deinen sündigen Dienern, die auf Deine reiche Barmherzigkeit hoffen…Wäge nicht unser Verdienst, sondern schenke gnädig Verzeihung und schenke uns   das Erbe des Himmels“.

Priester müssen auch im Bekenntnis ihrer Sünden vor ihrer Gemeinde stehen, das Schuldbekenntnis, das „Kyrie eleison“ oder das „Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme Dich unser“ ganz deutlich mit und vor der Gottesdienstversammlung zum Ausdruck bringen. Auch die Benutzung der Frage nach der Absage an das Böse muss im liturgischen Bereich ernst genommen werden. Denn das, was uns „durcheinander wirft“ kommt vom „Durcheinanderwerfer“ vom Diabolos. Dem gegenüber zu antworten –auch und gerade als Priester:  “Ich widersage“ wirkt glaubwürdiger als die Behauptung, das Böse, die Verführung und die Sünde gibt es nicht und schon gar nicht für einen Priester. Auf den Wert, die Bedeutung und die Praxis des Bußsakramentes gerade auch im Glaubensvollzug eines Priesters muss hoffentlich nicht eigens hingewiesen werden.

f) Niemand darf mehr wegschauen, wenn Verbrechen und Missbrauch geschehen. Vor allem auch unsere Bischöfe stehen hier -über den Klerus zur Hirtensorge berufen- in besonderer Verantwortung. „Bischof“ kommt von „episcopus“, das heißt „der Aufseher“, der der erhöht steht, um drauf zu sehen. Diese Pflicht des Hinschauens gilt es bischöflicherseits wahrzunehmen. Der Amtsbereich eines Bischofs muss auch sein erstes, privilegiertes Handlungsobjekt bleiben und nicht andauernd abverlangte, überregionale Betätigungsfelder. Deshalb gibt es überschaubare Bistümer und kirchenrechtlich vorgesehene Mitarbeiter mit großen Kompetenzen, die einen Bischof bei seiner episkopalen Aufgabe unterstützen. Das „Nicht-Wegschauen“ fängt doch schon viel früher an und lässt nach Konsequenz und Übereinstimmung fragen.

Wenn die Kirche sich zum Beispiel gegen Homosexualität ausspricht, dann darf es auch keine homosexuellen Priester auf exponierten Stellen geben, wenn man um deren Neigung, Prägung und Praxis weiß. Wenn man das toleriert, dann soll man als Bischof bitte schön auch kein Moralin versprühen und sich für eine Änderung der Moraltheolgie

und des Kirchenrechtes in Rom einsetzen. „Entweder oder“! Übungsfelder für das „Hinschauen“ gibt es für Bischöfe auf viel weniger sündhaften Gebieten (Verunstaltung der Liturgie durch Priester und Laien, ökumenische Experimente, Degradierung von Gotteshäusern zu Galerien oder Konzertsäalen….). Hinschauen und konsequent handeln, kann für die wahrhaft schweren Fälle hier schon einmal eingeübt werden.

 

g) So erkennen wir also jetzt die große Chance unserer heiligen Mutter Kirche, entschieden eine geistliche Erneuerung des Klerus anzugehen als Basis für eine wieder zurück zu gewinnende Glaubwürdigkeit. Nur auf dieser Basis wird diese Erneuerung gelingen, wird das Zölibat wieder glaubwürdig gelebt werden können und wird man geschehenes Unrecht nicht verschweigen, übersehen oder mit fragwürdigen Lösungen abtun.

h) Der Verdienst der Medien besteht in der „Transparenz“, mit der sie Vorfälle und Verdachtsmomente aufdecken halfen. Die Unfähigkeit zu objektiver Berichterstattung stellten viele Medien unter Beweis, denen es nur um eine Treibjagd gegenüber der Kirche ging. Sich von den Medien unter Druck setzen zu lassen, bedeutet mangelndes Selbstbewusstsein. Die undifferenzierten Darstellungen, die Vermischung von tatsächlichem Missbrauch mit anderen Vorfällen und die subtile Erklärung eines Kulturkampfes gegen die römisch-katholische Kirche, ja gegen Religion insgesamt, wurden perfekt inszeniert. Die Schäbigkeit und die Häme könnten kaum überboten werden. Es geht nicht um die Opfer, sondern um die Kirche. Vergessen wir nicht: Medien richten weder strafrechtlich , noch moralisch! Vom Papst die Abschaffung des Zölibates zu fordern ist einfach. Priester in die Pflicht zu nehmen, ihr freiwilliges Zölibatsversprechen überzeugend zu leben, stellt eine gleichberechtigte Aufgabe dar.

Dass der Zölibat in einer sexualisierten Gesellschaft nicht mehr verstanden wird, ist klar. Aber wird die Lebensform der Ehe noch verstanden? in der Aufarbeitung dieser Problematik bestünde eine große Herausforderung der Medien.

i) Die konsequente geistliche Erneuerungsbereitschaft kann unserem kirchlichen Handeln das verlorene Vertrauen bei den Menschen neu verschaffen und unser in Freude geleisteter Dienst an den Menschen wird Dankbarkeit und Zufriedenheit bei den Menschen hervorrufen, bei Alten und Jungen, Kindern und Greisen, bei Fröhlichen und Trauernden, bei Reichen und Armen, bei Erfolgreichen und Verzweifelten, bei Gesunden und Kranken. Für sie alle gilt das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

E i n e  Welt und  e i n e  Menschheit voller Probleme braucht diese Botschaft. Diese Botschaft der Welt zu verkünden und als sinnvoll anzubieten stellt die Aufgabe der Kirche dar. Diesem Auftrag kommt die Kirche seit 2000 Jahren trotz ihrer vielen Sünden und Verfehlungen und trotz aller Anfeindungen von außen nach. Dass Kirche nach wie vor existiert und immer existiert hat, zeigt, dass Gott sie will und sie in dieser Welt braucht. So bleibt auch in Zukunft dieser Auftrag bestehen. Mit den Worten des Herrn betet die Kirche täglich:

„Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

So wie mich die Kirche mit meiner Sünde trägt und erträgt, werde auch ich die Kirche mit allen Makeln mit tragen und ertragen. Denn wir alle sind Kirche. Ich bin dankbar dieser Kirche angehören und dienen zu dürfen und ich weiß, dass die Kirche, die ich liebe nur liebenswert bleibt, wenn sie im Sinne Jesu geschehenes Unheil heilt. Das zu tun, lasst uns in der der rechten Gesinnung der Buße gemeinsam mit dem Heiligen Vater und unseren Bischöfen beginnen – zu Gunsten der Opfer und für einen innovativen Neuanfang.

Der Heiligenschein der Kirche verliert gegenwärtig an Glanz!

Schlimmer wiegt für mich, dass die Scheinheiligkeit einer teilweise verlogenen Gesellschaft zunimmt.

Wir alle benötigen moralischen Tiefgang, Halt, Nachhaltigkeit und spirituelle Verwurzelung.

Erneuerung tut Not, es bleibt viel zu tun. Genau darin besteht die Not- Wendigkeit unserer Mutter Kirche, in der es schon immer Heilige und Sünder zugleich gab.

 

 

 

 

 

 

Dekan Kilian Kemmer, Kirchplatz 5 91315 Höchstadt

Palmsonntag, 28.03.2010 – Oberköst 8.15

Saturday, March 27th, 2010

Der Herr sei mit Euch!

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Hosanna dem Sohne Davids!

Gepriesen, der kommt im Namen des Herrn, der König von Israel. Hosanna in der Höhe.In den Tagen der Fastenzeit haben wir uns auf Ostern vorbereitet; wir haben uns bemüht um die Bekehrung unseres Herzens und um tätige Nächstenliebe. Heute sind wir hier zusammengekommen, um mit der ganzen Kirche in die Feier der österlichen Geheimnisse unseres Herrn einzutreten.

Christus ist in seine Stadt Jerusalem eingezogen; dort wollte er Leiden und Tod auf sich nehmen, dort sollte er auch auferstehen. Mit Glauben und innerer Hingabe begehen wir das Gedächtnis seines Einzugs. Wir folgen dem Herrn auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, damit wir auch Anteil erhalten an seiner Auferstehung und seinem Leben.“(vgl. Messbuch)  

 

Homilie zum Evangelium für die Kinder

Der Esel, auf dem Jesus nach Jerusalem geritten ist, mag uns heute erzählen: Ich bin noch jung. Unter meinen Vorfahren soll es sogar einen sprechenden Esel gegeben haben, der mit dem Prophet Bileam unterwegs war. Schon oft habe ich beobachtet, wie ältere Tiere mit schweren Lasten beladen wurden. Bald werde ich das auch müssen. Und heute war es dann schon so weit. Zwei junge Männer kamen in unser Dorf und banden mich los. Am Rande des Dorfes waren viele Menschen zusammen gekommen. Die Männer führten mich zu ihrem Anführer, legten ihre Kleider auf meinen Rücken, und er stieg auf. Andere wiederum legten ihre Kleider auf den Boden, so dass ich mit meinen Hufen, wie über einen weichen Teppich ging. Es war für mich ein ungewohntes Gefühl. Er war nicht leicht, der Mann, den sie Jeshua nannten, aber ich konnte ihn dennoch gut tragen. Weil er den Menschen den Frieden bringen will, drum reitet er auf mir, einem jungen Esel, nicht wie ein König, der auf seinem Pferd stolz in den Krieg zieht. Kinder und die Leute aus der Stadt kamen ihm entgegen und trugen Zweige in den Händen und begrüßten ihn, indem sie ihm zuriefen „Hosanna!= Hilf doch Gott!“  Darüber war ich als Vorführtier recht  glücklich. Dabei dachte ich mir: „ Die Menschen könnten sich an uns Eseln ein Beispiel nehmen. Wir ziehen nicht in den Krieg, sondern helfen ihnen, ihre täglichen Lasten zu tragen. Wir sind genügsam und fressen auch mal Disteln, wenn es sein muss.“ – „Ich verstehe dich“ flüsterte mir Jesus ins Ohr: „Vielleicht verstehen es wenigstens meine Freunde, wenn ich ihnen bei unserem nächsten Mal die Füße wasche. „Ja. versuchs“, wicherte ihm der Esel zu. „Auch wenn nur wenige dich verstehen werden. Einige werden sich aber doch daran halten. Dabei wird dir Schweres bevorstehen.“ – „Ich weiߓ –  flüsterte mir Jesus zu: Und doch muss ich diesen Weg gehen. Gott wird denen, die mir nachfolgen den Rücken stärken und ihnen die Kraft dazu geben.    

 

 

ZUR EINFÜHRUNG IN DER KIRCHE

Die Spannung der heiligen Woche ist am Palmsonntag geradezu mit Händen zu greifen. Wie ein Bogen spannen sich die Rufe des Volkes vom „Hosanna“ bis zum „Kreuzige ihn“ am Karfreitag und bis zum „Halleluja“ der Osterfeier. Jubel und Trauer, Angst und Hoffnung prägen diese Woche, in der wir Christus im Glauben begleiten möchten. Dem Wechselbad der Gefühle untersteht  auch unsere Gesellschaft, wie auch unser persönliches Leben.   

 

Homilie zur Passion(Lukas 22,14-23,56):

Sondergut in der Leidensgeschichte nach Lukas ist die Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen, die wir bei der 8. Station des Kreuzweges stets bedenken. Auf die ehrliche Trauer der Frauen, reagiert Jesus mit aufrichtigem Mitleid. Er, der jetzt soviel leiden muss, kann  auch hier noch auf das Leid anderer schauen mit ihren Sorgen und Nöten. Es berührt ihn zutiefst. Ja, Jesus trägt das Leid der ganzen Welt auf seinen Schultern hinauf nach Golgota, auch das Leid und die Schuld der weinenden Frauen. Am Kreuz verwandelt er beides in Heil und Leben.

Bei Lukas finden wir des Weiteren drei der uns vertrauten Worte Jesu am Kreuz. Das erste: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (23,34) bittet um Vergebung für die, die Jesus ans Kreuz gebracht haben. Das zweite spricht Jesus zu dem reumütigen rechten Schächer: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (Lk 23,43)   Ein Verbrecher und Sünder ist der erste Mensch, der mit Jesus in der Ewigkeit bei Gott ist! Es gibt keine Sünde, wäre sie auch noch so groß, als dass man sie nicht bereuen könnte. Gott vergibt dem reumütigen Sünder.  Bin auch ich bereit mich loszulassen und mich mit all meiner Schuld in die Arme Gottes zu werfen, oder versuche ich mich zu rechtfertigen und zu beklagen?

Ein letztes wichtiges Wort ist das Sterbewort Jesu: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“(Lk 23,46) In seiner Ohnmacht und Machtlosigkeit und vor allem in seiner Schwäche ist uns Jesus nahe. So hat er auch uns das christliche Modell eines guten Sterbens vorgelebt. Wir wollen uns jetzt schon darauf einstellen, indem wir versuchen loszulassen und in den Willen Gottes einzuwilligen. Jesus hat uns gezeigt, wie wir leben sollen. Er zeigt uns auch, wie wir sterben sollen: im Vertrauen auf Gott, den Vater.

 

Das Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus bleiben ein Geheimnis der Liebe Gottes. Nur der, der liebt, kann etwas von der Macht erahnen, die von der Ohnmacht Gottes am Kreuz ausgeht.

 

C) Palmsonntag,  Oberköst,  28. 3. 2010 Allg.Gebet:

Jesus ist unser König. Auf ihn vertrauen wir und zu ihm beten wir:

 

1.- Für die Menschen im Heiligen Land, vor allem in Jerusalem, die auf einen Retter und Erlöser warten, weil Gewalt und Unterdrückung zu ihrem täglichen Brot geworden sind…

Christus, höre uns!

 

 

2.- Für die Menschen in großer persönlicher Not: für die Opfer  der Misshandlungen in Kirche und Gesellschaft, wie auch für die unschuldig Angeklagten, die schwer Kranken und Enttäuschten, für die Arbeitslosen und Hungernden und für alle, die nicht mehr weiter wissen…

Christus, höre uns!

 

 

3.- Für die Menschen, die in diesen Tagen dem Tode nahe sind, für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen, die über ihre Trauer nicht hinweg kommen…

Christus, höre uns!

 

 

Gott, unser Vater im Himmel. Deinen Sohn hast du durch Leiden und Tod zur Herrlichkeit geführt. Für ihn danken wir dir, und wir preisen dich, in dieser Zeit und in Ewigkeit. AMEN.

 

 

ZUR LITURGIE

AUFGABEN FÜR DIE HEILIGE WOCHE OBERKÖST 2010

 

PALMSONNTAG

 

1. Stimmungsbild: Die Szene am Ölberg spielt sich für uns vor dem Pfarrhaus oder am Dorfkreuz ab. Dort versammelt sich auch die Gemeinde, die Gehbehinderten mal abgesehen. Dort soll ein Tischchen mit einer schönen Decke aufgestellt werden. Bei schlechtem Wetter im Vorraum des Pfarrheimes bzw. im großen Saal. Nach der Segnung werden die Palmzweige an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Prozession ausgeteilt. Die Kommunionkinder tragen mit Bändern und Schleifen besonders schön geschmückte Palmkätzchen.

 

2. Stimmungsbild: Einzug Jesu in Jerusalem und in den Tempel- bei uns Einzug in die Kirche. Unterwegs 852 „Singt dem König Freudenpsalmen“

 

3. Stimmungsbild: im Tempel zu Jerusalem bei uns die Kirche:

Nach Einzug mit restlichen Strophen  von GL 852  oder mit Ergänzung von 107,5: „Macht hoch die Tür die Tor macht weit…Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf …“ oder auch 883: „Zum ewigen Hohenpriester“ , Nach  Beräucherung des Altares- Tagesgebet – 1. Lesung: Jesaja 50, 4- 7; Psalm 22, (bete ich vor) 2. Lesung: Philipper 2,6-11; Ruf vor der Passion: Christus war für uns gehorsam 176,3(singe ich vor) –  Dann Leidensgeschichte nach Lukas: Es stehen drei Texte zur Verfügung: im roten Lektionar für das Lesejahr C – beim Palmsonntag selbst, in den anderen beiden roten Lektionaren A und B: ist die Lukaspassion rückwärts im Anhang mit dabei.  Wir können eine Kurzfassung nehmen: Ab der Überschrift: „Das Verhör vor dem Hohen Rat.“ Ich bringe kleine Handzettel mit, auf denen die wichtigsten Antworten des Volkes stehen. Das hilft den Leuten aufzupassen. Wenn die betreffende Stelle kommt, dann soll der Lektor sie nochmals kurz antippen und sie wird von der ganzen Gemeinde wiederholt. Am liebsten täte ich das selber machen und zwar stehen die Antworten des Volkes, bei der Rolle der Sonstigen. Also wenn nur zwei da sind für die Passion lesen, übernehme ich die Rolle der Sonstigen!

 

Antworten des Volkes auf die Lukaspassion

1.       Wenn du der Messias bist, dann sag es uns!

2.       Du bist also der Sohn Gottes?

3.       Was brauchen wir noch Zeugenaussagen? Wir haben es selbst aus seinem eigenen Mund gehört.

4.       Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen und behauptet, er sei der Messias und König.

5.       Er wiegelt das Volk auf und verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land von Galiläa bis hierher.

6.       Weg mit ihm; lass den Barabbas frei! – 7. Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!

7.       Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.

8.       Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! 

 

Aufzuteilen sind dann die anderen Rollen in die des Evangelisten und die des Jesus)  Nach Glaubensbekenntnis und Fürbitten, nimmt der Gottesdienst seinen gewöhnlichen Verlauf. Als Lieder eignen sich gut:  zur Gabenbereitung 188 oder 855; Sanktus: 469; Agnus Dei: 470,1+2; Kommunion: 858 und Dankgesang 179; Schlusslied 584.    

 

Mesneraufgaben:

 – Wenn möglich in der Kirche zweites Pult aufstellen für die Passion. Wenn dies nicht geht, dann soll der JESUS zum Altarmikrophon treten und die anderen zwei zum Lesepult. Ich weiß es ist dort alles sehr eng.

 – Bücher für Lesungen und Passion(alle 3 Lektionare: C, aber auch A, B,) 

   1. und 2. Lesung schreibe ich auf ein Blatt ab, damit es keinen Durcheinander

  wegen der Passion gibt. Kleines grünes Messbuch für die Palmensegnung

(falls nicht vorhanden, bringe ich mein eigenes mit) + Großes rotes Messbuch (am Priestersitz, nicht mit Ständer auf den Altar stellen! Es kommt erst bei der Gabenbereitung zum Altar)

– Roter Chormantel

– Rotes Messgewand

– Prozessions- Kreuz enthüllen und nach der Weihe Palmzweig anstecken

– Tischchen für Palmenprozession

– Weihwasser und Weihrauch

– Evangelium- Buch oder Lektionar für die Prozession

– Kleines Messbuch für die Palmenweihe und großes für die Messe. Texte für die Lesungen bringe ich selber mit, damit die drei roten Lektionare gleich bei der Passion aufgeschlagen bleiben. 

– Handzettel mit Antworten des Volkes zur Passion austeilen(bringe ich mit)

– Birett, falls vorrätig.

– Nach dem Gottesdienst Prozessionskreuz wieder verhüllen.

 

Lektoreneinteilung

– 5 Lektoren: 2 für die Lesungen und 3 für Passion(notfalls übernehme ich die Rolle der Sonstigen!)

Eventuell zweites Pult für Passion (bzw. drei Mikrophone- dürfte in Oberköst kaum möglich sein?)

 

Organisten und Schola

– Zum Einzug feierliches Orgelspiel mit den  letzten  Strophen von 852 zum Einzug- Weitere Lieder: 883 oder 107,5; 176,3; 188 oder 855 ; 469;470; 858+ 179; 855.

 

Ministranten

– Wir ziehen zum Pfarrheim oder Dorfkreuz: Weihrauch voran, Kreuz mit zwei Leuchtern, bzw. Fahnen…

– Einer trägt das kleine grüne Messbuch, einer das Evangeliumbuch.

– Weihrauch und Weihwasser zur Palmensegnung und Beräucherung des Evangeliumbuches und unterwegs des Kreuzes- Nach Einzug Beräucherung des Altares. – In der Kirche ausnahmsweise kein Evangeliumszug- wegen Passion

 

Kommunionkinder

mit geschmückten Palmbuschen- ziehen mit den Ministranten ein

Beim Hosanna Buschen schwenken. Beim Vaterunser stellen sie sich um den Altar auf. Die Palmkätzchen können  mit Blumen, Grünem und Bändern angereichert und geschmückt werden. Vielleicht unternehmen die Kinder mit ihren Kommunionmüttern bzw. Vätern einen Streifzug in den Wald, sammeln die Palmkätzchen und können sie dann im Pfarrheim oder daheim mit den Bändern und Buschen schmücken. Wenn es sehr wenige Kommunionkinder sind, dürfen die vom Vorjahr ebenfalls mitmachen. (Die Nachbeichtler! )

 

 

 

GRÜNDONNERSTAG

A) Stimmungsbild: Die Kirche ist der Abendmahlsaal, in den die Jünger einziehen – bei uns sind es die Kommunionkinder – . Deshalb steht der Tabernakel offen – der Altar ist am Anfang noch ganz leer und wird dann erst nach dem Einzug mit der weißen Tischdecke geschmückt, die die Kommunionkinder in die Kirche hineintragen.  Dann erst werden die Kerzenleuchter drauf gestellt. Großer Einzug mit Weihrauch. Das Prozessionskreuz oder Vortragekreuz sollte mit einem Weißen Tuch verhüllt sein.

– Nach dem Glorialied verstummt die Orgel. Das heißt, dass jetzt die Lieder angestimmt werden müssen. Wer könnte diese Aufgabe übernehmen?

Eröffnung noch mit Orgel 828; Gloria 820; Psalm nach der 1. Lesung beten, nach der 2. Lesung stimme ich an: „Christus, war für uns gehorsam… (176,3) – Gabenbereitung 537; Sanktus 834; Agnus Dei 835, Kommunion: 871

Bei der Gabenbereitung und Wandlung anstelle der Altarglöckchen die Klappern betätigen.

 

B) Stimmungsbild: Übertragung des Allerheiligsten– biblisch gesehen begleiten wir Jesus auf seinem Gang vom Abendmahlsaal bis zum Ölberg(Getzemani).  Konkret machen wir dies in der Oberköster Kirche so, dass wir vom Altar aus in Prozession durch die Kirche ziehen bis zur Seitenkapelle, wo das Allerheiligste bis zur Osternacht aufbewahrt wird. Dabei singen wir Gl. 875

Unterwegs sollen die Ministranten klappern.

 

C) Stimmungsbild: Zerstörung der Altäre und Entfernung der Kreuze und Leuchter.  Erinnert an die Zerstörung Jerusalems und des Leibes Christi am Kreuz: Altardecken und Bücher werden durcheinander gewirbelt.- Die Entfernung der Kreuze und Leuchter meint die Gefangennahme Jesu Christi. Das Licht der Welt ist als Mensch am Kreuz erloschen. Bei der Handlung singen wir: 855 „Bei finster Nacht…“ Ganz am Schluss  stimmt Pfarrer den ersten Teil der Klagelieder des Propheten Jeremia an. (Siehe Werkheft zum Gotteslob!)

 

D) Stimmungsbild: Gebet mit Jesus auf dem Ölberg. Dieser Teil kann nach Ortsbrauch gestaltet werden oder auch entfallen. Wenn nicht anders vorgesehen,  kann man hier 855 oder 899 singen und dazu die Litanei vom Leiden Jesu 766 beten.

 

Mesneraufgaben

– Weißes Messgewand

– Weihwasser aus den Becken entfernen(wird erst nach der Osternacht wieder eingefüllt!)

– Altardecke in der Sakristei bereithalten für die Kommunionkinder.

– Weihrauch und Schiffchen vorbereiten für Einzug und Übertragung

– Klapper bzw. Raspeln bereithalten und auf die Plätze der Ministranten legen.

– Nach dem Gloria Kordel bei der Sakristeitüre hinaufziehen, damit nicht unwillkürlich daran

  gezogen wird.

– Ort für Leuchter und Kreuze in der Sakristei ausmachen

– Sämtliche Ziborien zum Konsekrieren der Hostien bereit machen. Sie stehen

  auf dem Kredenztischchen.

– Segens- Velum für Sakramentsübertragung am Ende des Gottesdienstes

– Violette Stola für die Zerstörung der Altäre bereithalten.

– Ewiges Licht zum Aufbewahrungsort stellen.

 

Lektoren

2 Lesungen

– Litanei vom Leiden Jesu am Schluss

– Fürbitten

 

Ministranten

– Großer Einzug mit

– Weihrauch und Schiffchen

– beteiligen sich bei der Zerstörung der Altäre und übernehmen Kreuze und Leuchter. Die Kerzen im Chorraum können nach der Kommunion bzw. bei der Übertragung gelöscht werden, damit das flüssige Wachs nicht alles vertropft.

 

Kommunionkinder

ziehen mit Tischdecke ein und kommen zum Altar und decken ihn.

 

KARFREITAG

 

09.00 Uhr Kreuzweg und Beichtgelegenheit (Letztere von 9.00- 11.00)

15.00 Uhr Liturgie vom Leiden und Sterben Christi

Trauer ob des Todes Christi. Deshalb brennen keine Kerzen und die Altäre sind entblößt. Auch die durcheinander gewirbelten Decken werden am besten gleich nach dem Gründonnerstagabendgottesdienst entfernt. Die  Tabernakeltüre ist geöffnet und der Vorhang hängt zur Hälfte heraus, d.h. über der Tabernakeltüre.

Mesneraufgaben

Aus Trauer feiert die Kirche heute keine Heilige Messe, sondern nur eine Liturgie mit Wortgottesdienst, Kreuzverehrung und in einer Kommunionfeier werden die am Gründonnerstag verwandelten Hostien den Gläubigen gereicht. Deshalb sind heute weder Kelch, noch Wein und Wasser vorzubereiten. Bitte, lediglich ein Korporale bereithalten am Aufbewahrungsort. Ich nehme es dann mit dem Speisekelch mit vor zum Altar. Falls vorhanden roten Chormantel und auch für die Ministranten die roten  Röcke und Kragen.

Ministranten ziehen in Stille ein und knien sich mit dem Priester vor dem Altar nieder. Falls das Niederfallen und Liegen brauch ist, die entsprechenden Polster richten.

Die drei Lektionare für die Johannespassion vorzubreiten. Ich bringe wieder die Zettel für die  Antwoten des Volkes 

 

1. Wortgottesdienst

1. Lesung: Jesaja 52

Antwortpsalm gebetet (Mache ich selber)

2. Lesung: Hebräerbrief 4

Ruf vor der Passion 176,3

Leidensgeschichte nach Johannes(vgl. an Palmsonntag) Bringe wieder Zettelchen mit für die Antworten des Volkes. Bitte, vorher an die Gottesdienstbesucher an der Kirchentüre austeilen, nicht auf die Bänke auflegen. 

Großen Karfreitags- F  ü r  b i t t en aus dem Messbuch. Hier wäre es gut, wenn sich ein Lektor beteiligen möchte für die Orationen, während ich die Einleitung singe.

2. Enthüllung und Verehrung des heiligen Kreuzes. (GL 204)

Wir ziehen mit einigen Ministranten von rückwärts ein, bleiben dreimal stehen bei der jeweilige Enthüllung. 2 Ministranten tragen die Leuchter. Sie werden dann auf den Altar gestellt und das Kreuz entweder ebenfalls auf den Altar gestellt oder davor angelehnt. Zur Kreuzverehrung Gl 858 singen. Wenn viele zur Kreuzverehrung vorkommen, dann auch 855 und 899. 

3. Kommunionfeier: Das Allerheiligste wird in einfacher Form auf den Altar gebracht.  Bei der Austeilung der Kommunion, wieder Lieder anstimmen: 179 und 187 oder andere Passionslieder. 

4. Aussetzung mit Monstranz zum Heiligen Grab oder nach Ortsbrauch. Auf dem Weg zur Aussetzung, könnten die Kommunionkinder mitgehen. In Oberköst singen wir „Pangue lingua“ GL 866. Mancherorts werden auch die  5 Wunden gesungen. Mancherorts ist auch ein Totenbrett brauch. Punkt 4 kann auch entfallen.   

18.00 Uhr Andacht zu den 7 Worten  GL 776 + 187

Am Schluss aus der Trauermette 3. Teil der Klagelieder des Propheten Jeremia(singe ich vor) 

Ostermontag, 9.30 Uhr Lieder:  859 Gloria: 909 – nach der 1. Lesung Psalm beten, nach der 2. Lesung Halleluja 530,7 Gabenbereitung: 863, Sanctus: 941, Agnus Dei 482; Kommunionlieder: 862; 860, 864 – Schlusslied: 576 oder 585