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Osternacht, Sambach, 4. April 2010 - 5.00 Uhr

Dieser Eintrag stammt von eduard Am 4.4.2010 @ 21:53 In Pfarrer Topits | 296 Kommentare


Lukas 24, 1-12; Genesis 1,1- 2,2; Exodus 14,15- 15,1; Ezechiel 36, 16- 28; Römer 6,3-11

 

Als ich kürzlich durch Sambach fuhr, entdeckte ich den schön geschmückten Osterbrunnen. Darauf las ich in der Zeitung, dass  viele Frauen vom Garten- und Verschönerungsverein mehrere Tage hindurch an die 2000 Kunst-Eier bemalt und damit die Girlanden gewunden haben, die ihn jetzt so schön herausputzen. In vielen Ortschaften trifft man zurzeit solche Osterbrunnen an, meistens vor Kirchen und Kapellen. Was ist der Sinn dieser Anlagen? Gibt es einem Zusammenhang mit Kirche und Glaubensleben?

 

1. Brunnen sind meistens durch eine gemauerte Umfriedung und Abdeckung, bei uns aus Beton, geschützt. Denn das Wasser ist ein kostbares Lebensmittel. Damit nicht Ungeziefer und Abfall in den Brunnen fallen konnten, waren sie geschlossen und das Wasser wurde mit einem Baum ähnlichem Gestell herausgepumpt. Als es bei uns  noch keine Wasserleitung und auch noch keine Eigenversorgung durch Hofbrunnen gab, standen in Sambach insgesamt nur 3 Dorfbrunnen zur Verfügung: Der eine bei Raschers, der zweite bei Krapps und der dritte bei Hofmanns und Steinmetz. Es war recht mühsam mit Bütten auf dem Rücken das Wasser für die vielen Tiere zu schleppen.

Von den biblischen Brunnen wissen wir sogar, dass sie mit einem Stein verschlossen waren. So der Brunnen in Paddan- Aram,  an dem Jakob seine spätere Frau Rachel kennen lernte. In Genesis 29, 3 wird eigens vermerkt: „Erst wenn sich alle Herden eingefunden hatten, schob man den Stein von der Brunnenöffnung und tränkte das Vieh“. Die Gefahr des Verdunstens in dem heißen Wüstenklima war sehr groß. Deshalb wartete man in der Regel bis zum Abend mit dem Tränken des Viehs. Ich wage hier einen Gedankensprung, der mir nicht all zu groß vorkommt. Erinnert der mit einem Stein verschlossene und mit Felsensteinen ummauerte Brunnen,  nicht an das hl. Grab Jesu? Zu diesem waren die Frauen in aller Frühe am ersten Tag der Woche unterwegs. Gemeint sind Maria aus Magdala, Johanna die Frau des Chuzas, der bei Herodes Verwalter war, Maria, die Mutter des Jakobus und auch die übrigen Frauen: Lukas 8,1 führt noch eine Susanne und Markus eine Salome an. Als sie zum Grabe kamen war der schwere Stein mit dem die Gräber nach der Beerdigung verschlossen wurden, schon weggewälzt und sie fanden das Grab leer. Als sie hineingingen erschienenen ihnen ganz plötzlich himmlische Boten und verkündeten ihnen die Botschaft von der Auferstehung des Herrn. Wenn wir also unseren Osterbrunnen betrachten, dann mögen wir auch an das leere Grab denken und an die Osterbotschaft der Auferstehung Jesu.

 

2. Die Wasserstrahlen des Antoniusbrunnen werden in Bälde die Steinfassung durchdringen und das Antoniuskreuz bespülen. In meinem ursprünglichen Entwurf zu dem Brunnen befand sich ein Deutewort aus  Psalm 35, 10 „Bei dir ist die Quelle des Lebens.“ Vom hl. Antonius wird berichtet, dass er unterwegs durch Ägyptens heiße Wüste um die Entstehung einer Quelle gebetet hat. Dort, wo er seine Hände zum Himmel erhob, ließ Gott unvermutet Wasser fließen. Nun wage ich einen zweiten Gedankensprung von der Brunnenquelle zum Taufbrunnen. Wir sagen gewöhnlich zum Ort der Taufe „Taufstein“, aber die eigentliche Bezeichnung ist „Taufbrunnen“. Bei der Taufwasserweihe wird gleich die Rede sein vom „Brunnen der Taufe“ : „Wir wollen die Gnade Gottes herab rufen, damit alle, die aus diesem Taufbrunnen das neue Leben empfangen, in Christus Kinder Gottes werden.“ Im Lied GL 245 „Komm, Schöpfer Geist…heißt es in der zweiten Strophe, dass er der „Lebensbrunn, Licht, Lieb und Glut “ ist.  Fast alle Lesungen in der Osternacht sind auf die Taufe ausgerichtet. Bei jeder Taufwasserweihe heißt es, dass am Anfang der Schöpfung  Gottes Geist über den Wassern der Urflut schwebte und in dem Chaos  ordnend wirkte durch die Scheidung von Licht und Finsternis, von dem Wasser oberhalb und unterhalb der Wölbung, durch die Trennung von Wasser und Festland. Im Wasser wimmelt es von Seetieren und Fischen, über die der Mensch herrschen solle. So schenkt das Taufwasser die Kraft zu retten und zu heiligen, indem der Mensch von der Erbsünde befreit und in das Reich Gottes, die Kirche aufgenommen wird. Die Hauptlesung, die sich im Alten Bund auf die Taufe bezieht, ist die des Auszugs aus Ägypten und des Durchzugs des Volkes Israel durchs Rote Meer. Wie die Israeliten dadurch der Verfolgung des Pharao und seiner Streitmacht und somit der Knechtschaft entkamen, so befreit uns die Taufe von der Knechtschaft des Bösen. Sie führt uns ans andere Ufer und lässt das Böse in Gestalt der ägyptischen Krieger  in den Fluten untergehen.  Der Prophet Ezechiel bittet, dass Gott in der babylonischen Gefangenschaft „reinigendes Wasser ausgieße, uns bei Anrufung des Heiligen Namen Gottes ein neues Herz schenke. Die schönste Deutung finden wir jedoch im Römerbrief: „Wir alle, die wir auf Jesus Christus getauft wurden,  sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod.“  Das kommt in der Liturgie der Osternacht durch das dreimalige Eintauchen der Osterkerze ins Wasser zum Ausdruck. Beim Hochkommen denken wir an die Auferweckung  Christi, die uns verpflichtet als neue Menschen zu leben.

 

So schließt sich der Kreis: Der Osterbrunnen draußen neben der Kirche erinnert uns an Tod und Auferstehung Jesu im heiligen Grab und an den Brunnen unserer Taufe, durch die uns das Leben der Gnade geschenkt worden ist. AMEN.   

 


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