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Archive für 27.6.2010

13. Sonntag im Jahreskreis, Emskirchen/NEA, 27.06.2010


1 Könige 19,16-21; Ps. 16,1-11; Galater 5,1-13-18 Lukas 9,51-62

 

ERÖFFNUNGSVERS

Ihr Völker alle, klatscht in die Hände, jauchzt Gott zu mit lautem Jubel.

 

HOMILIE

Nach meinem Abitur und  vor meinem Eintritt ins Priesterseminar las ich ein Buch über das Wirken von P. Damian de Veuster. Er ist erst letztes Jahr am 11. Oktober von Papst Benedikt im Petersdom heilig gesprochen worden. Er ist 1840 in Tremelo, Belgien als 7. Kind einer Bauernfamilie geboren worden. Sein Vater schickte ihn an die Handelsschule, er aber sehnte sich nach einem Leben in der kirchlichen Mission. Der Ruf war in ihm so stark, dass er mit  20 Jahren in das belgische Mutterhaus der Kongregation von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens in Löwen eintrat. Schon nach drei Jahren (1863) wurde er in die Mission auf die Hawaiiinseln  entsandt. Dort erbaute er mehrere Kapellen. Doch der Ruf wurde in ihm noch stärker und als es um die Seelsorge für die Leprakranken auf der Insel Molokai ging, meldete er sich freiwillig dorthin. Das bedeutete das? Wer einmal dort war, konnte nicht mehr zurück. Denn die Ansteckung war so gut wie sicher. Dort verband der Pater die Wunden der Kranken und tröstete ihre nicht weniger verwundeten Seelen. So wurde er zum Apostel der Leprakranken. Schließlich infizierte er sich mit der tödlichen Krankheit und starb 4 Jahre später. (15. April 1889 in Kalawao auf Molokai) Dieses Buch hat mich ungemein fasziniert.

 

1. Als ich nach Beispielen für die radikale Nachfolge Christi suchte, fiel mir Damian de Veuster fiel mir ein, im Sinne des Evangeliums: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes!“. Er hat tatsächlich nicht mehr zurück geblickt. Aus Gesprächen mit Landwirten erfuhr ich, dass das Pflügen in früheren Zeiten eine äußerst anstrengende Arbeit war. Man musste sich mit beiden Armen auf die Hörner des Pfluges stemmen. Ganz besonders schwierig wurde es beim umwenden. Da drohte die Pflugschar  aus der Furche zu springen. Wer also so pflügt, der muss sich voll und ganz auf den Pflug konzentrieren. Der palästinensische Pflug war schwer zu führen, noch dazu auf dem dortigen Ackerland, auf dem es viele Steine gab. Pflügen verlangt ganze Hingabe an das Werk. Die radikale Nachfolge für das Reich Gottes, verlangt zuweilen auch die Trennung von der eigenen Familie und von allem, was Heimat in dieser Welt bietet. Denn der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Selbst die unruhigsten Tiere wie Füchse und Vögel haben ihr Heim und verlangen danach. In dem Zusammenhang ist das unmenschlich anmutende Wort zu verstehen: „Lass die Toten, ihre Toten begraben!“ Wer Jesus radikal nachfolgt, muss bereit sein zu wandern, ausgewiesen zu werden. Er muss es in Kauf nehmen auf Ablehnung von feindseligen Samaritern zu stoßen. Entscheidend ist, dass er  wie sein Meister, sein Gesicht fest auf Jerusalem richtet. Nach Jerusalem gehen, bedeutete für Jesus Leiden, Kreuzestod und Verherrlichung.

 

2. Auch in der Lesung aus dem 1. Buch der Könige  ist von Nachfolge die Rede. Der Prophet Elischa wird von Elija beim Pflügen berufen. Die 12 Gespanne beziehen sich wohl auf die 12 Stämme Israels.  Dabei spielt der Mantel des Elija eine große Rolle. Es war das Zeichen für das Prophetenamt.“ Du gehörst jetzt zu meinem Mantel und teilst mein Los als Prophet.  Elischa bittet wie der Mann im Evangelium um Aufschub um sich von Vater und Mutter zu verabschieden. Darin scheint Elija nicht so radikal zu sein wie Jesus. Auf jeden Fall gab es ein Abschiedsessen.       

 

3. Wer es fertig bringt sich mit Gottes Hilfe von solchen Bindungen zu lösen und dem Herrn nachzufolgen, der erlangt eine unbeschreibliche innere Freiheit. Und dies sagt Paulus zu allen Christen: „Ihr seid zur Freiheit berufen!“ Was heißt das? Wir haben es in der Hand uns vom Geist leiten zu lassen  oder den niedrigen Begierden. Der Galaterbrief liefert uns eine Gebrauchsanweisung, wie sie als Packungsbeilage den Medikamenten beigefügt ist.  Zunächst geht es um die Zusammensetzung der Freiheit aus Zwanglosigkeit und der Möglichkeit auszuwählen und zu entscheiden und sich zu informieren.  Hersteller ist Gott selbst. Sein Sohn Jesus Christus hat diese Freiheit wieder hergestellt und der Heilige Geist schenkt sie uns immer wieder neu.  Überdosierung erfolgt dort, wo ich die Freiheit eines anderen verletze. Dann gilt es sich der Erste-Hilfe- Maßnahmen des Heiligen Geistes zu unterwerfen: einsehen, bereuen, entschuldigen, neu anfangen, wieder gut machen. Gegenanzeigen bestehen in den Scheinfreiheiten, denen wir zuweilen erliegen. In dem Zusammenhang ist das Kleingedruckte unbedingt zu beachten. Es enthält nämlich alles, an dem unser Herz krankhaft hängt.  Das kann u. U. zu Nebenwirkungen führen, wie von den anderen missverstanden zu werden. Trotz dieses Risikos wirkt die eigene innere Freiheit ansteckend auf andere. So eingenommen ist die christliche Freiheit unbegrenzt haltbar.

Psalm 16 fasst die Gedanken zusammen:

„Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr: mein ganzes Glück bist du allein.“ AMEN.

 

Liedvorschläge: 520, 1-3; 457;528,3; 530,6;622;459;461;558,1+4+5; 894

Kyrierufe:
Herr Jesus Christus, du erfüllst den Willen des Vaters. Kyrie, eleison!

du hast uns zur Freiheit berufen. Kyrie, eleison. Christe, eleison!

Du bist die Erfüllung und das Glück derer, die dir nachfolgen! Kyrie, eleison!

 

C) 13. Sonntag im Jahreskreis, Emskirchen/NEA, 27.Juni 2010

Lasst uns unser Herz auf Gott hin ausrichten. Er kommt denen entgegen, die es wagen, ihm nachzufolgen:

 

1.       Wir bitten für alle, die in einem kirchlichen Beruf arbeiten und Verantwortung tragen: Schenke ihnen das Licht des Heiligen Geistes für ihre Aufgaben und bewahre sie vor Enttäuschung…

ALLE: Du zeigst den Pfad zum Leben!

 

2. Wir bitten für alle, die in Politik, Wirtschaft, Industrie, Handel und Landwirtschaft tätig sind, um Erschließung neuer Lebensmöglichkeiten…

ALLE: Du zeigst den Pfad zum Leben!

 

3. Wir bitten für die 12 jungen Menschen, die in Spanien vom Zug überfahren wurden, wie auch für die 14 Schwerverletzten, die lebenslange Schäden davon tragen…

ALLE: Du zeigst den Pfad zum Leben!

 

4. Wir bitten für alle, die schwer krank sind und dem Tod entgegen gehen: Schenke ihnen die Gewissheit, dass sie mit dir den Weg gehen…

ALLE: Du zeigst den Pfad zum Leben!

 

5.       Wir bitten für alle unsere Verstorbenen: Schenke ihnen die Fülle der Auferstehung…

ALLE: Du zeigst den Pfad zum Leben!

 

Gott, du schenkst uns deinen Geist, der uns wagen lässt, deinem Ruf zu folgen. So ermutigst Du uns, wo wir unsicher sind. Erhöre nun unsere Bitten, durch Christus unseren Herrn. AMEN.  

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