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15. Sonntag im Jahreskreis, Zinnowitz, 11. 07.2010
Dieser Eintrag stammt von eduard Am 11.7.2010 @ 07:25 In Pfarrer Topits | 79 Kommentare
Deuteronomium 30, 10-14: Psalm 69,14-37; Kolosser 1,15-20; Lukas 10, 25-37
Wir haben hier jeden Tag das Meer vor Augen mit seinem Wind und seinen Wellen, mit Wasser und Strömungen. Soweit das Auge reicht bis zum Horizont nichts als Wasser. Das Meer hat seine Gesetzmäßigkeiten aber auch seine Überraschungen, die sich in Wetterkapriolen bemerkbar machen. Um die Kurgäste zu schützen sind Sicherheitsbojen angebracht an den Stellen, wo es plötzlich tiefer und gefährlich wird.
Auch in der Lesung aus dem Buch Deuteronomium ist die Rede vom Meer. Die Gebote und Gesetze Gottes lassen sich mit den Sicherheitsbojen des Meeres vergleichen. Sie möchten unsere Freiheit keineswegs einschränken, sondern markieren Gefahrenstellen. Dazwischen befindet sich der große Raum der Freiheit. Das Halten der Gebote ist so gesehen nicht schwer und es liegt nahe auf der Hand, dass wir dies tun. Denn sie sind zu unserem Wohle da. Deswegen müssen wir nicht übers Meer schiffen, um es vom anderen Ufer zurück zu holen. Stellen wir uns vor, wir hätten etwas ganz wichtiges auf einem Ausflug am anderen Ufer zurück gelassen. Dann müssten wir noch mal die Reise dahin unternehmen, um es zu holen – wenn dies überhaupt möglich erscheint. Gottes Wort und seine Weisung sind uns jeder Zeit nahe und gegenwärtig, können auch nicht verloren gehen. Es ist in deinem Mund und deinem Herzen grundgelegt. So kannst du es halten.
Vom Meer geht es im Evangelium ins Gebirge. Wer von den Bergen Jerusalems hinab nach Jericho geht, sieht zur rechten das Tote Meer. Dabei muss er über enge Gebirgspässe hindurch. Da kann es schon mal vorkommen, dass Alleinreisende Pilger von Banden überfallen werden. Sie lauern im Hinterhalt und überfallen Einzelgänger. In diese Gegend verlegt Jesus seine Erzählung vom Barmherzigen Samariter. Indem er den verwundeten und verletzten Fremden entdeckt, ihn pflegt und in die Herberge bringt, erweist er sich als der Vollbringer des wichtigsten Gebotes der Gottes- und der Nächstenliebe. Ich wage den Vergleich: Was die Sonne für die Strandbesucher, dass ist für uns die Liebe zu Gott und was die Brise wohltuendes wirkt, das bewirkt die Nächstenliebe. Beides gehört zum Urlaub zusammen. Das Hauptgebot gab es schon im Alten Bund, jedoch an zwei verschiedenen Stellen. Erst Jesus zieht die beiden Aspekte zu einem einzigen Gebot zusammen und erweitert seine Gültigkeit auf alle Menschen.
Bei einem Ausflug nach Bad Ischl in Österreich, verlor ich den Anschluss an meine Gruppe und den Bus. Es war Sonntagabend und der letzte Bus nach Salzburg ging in 5 Minuten. Allerdings hatte ich nur noch 5 DM in der Tasche, die Fahrt kostete jedoch 12. Ich hatte in der Kaiservilla ein zu teures Buch über die „Sissi“ gekauft. Während ich mein Anliegen beim Busfahrer vorbrachte und mich schämte wie nie im Leben, sprangen 3 – 4 Fahrgäste auf und wollten für mich die Differenz erlegen. Wie ist die Sache ausgegangen? Bei der nächsten Kreuzung erblickte ich plötzlich am Parkplatz meinen eigenen Bus.
In Jesus Christus hat sich die Gottes- und Nächstenliebe dermaßen verdichtet, dass er gleichsam der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, der Erstgeborene der Toten geworden ist. „Gott wollte in seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen.“
Psalm 69: „Ich bin elend und voller Schmerzen, doch deine Hilfe, ob Gott, wird mich erhöhen… Ich bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade, erhöre mich in deiner großen Huld. Gott, hilf mir in deiner Treue.“ So wollen wir uns bemühen so zu leben und zu handeln, wie es unserem Glauben entspricht.
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