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17. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf- Anstalt, 24.07.2010

Genesis 18,20-32; Psalm 138,1-8 ; Kolosser 2,12-14, Lukas 11,1-13

Ist jemand unter Euch, der  noch nie gebetet hat? Um was beten wir gewöhnlich? Um Essen, Gesundheit, damit wir etwas zu tun haben und auch ausruhen können, damit wir mit unserem Leben zu Recht kommen. Für wen beten wir alles? Für unsere  Eltern, Geschwister, für die Menschen, die wir gern haben, für unsere Verstorbenen.

Meistens beten wir nur, wenn wir etwas brauchen. Jesus aber sagt, dass wir auch dann beten sollen, wenn es uns gut geht. Dann sollen wir ihn loben und preisen und mit dem Vaterunser sagen: „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme!“ Das Vaterunser kommt im Evangelium zweimal vor: bei Matthäus nach der längeren Fassung, wie wir sie auch im Gottesdienst beten und bei Lukas in der kürzeren Fassung. Die erste Form steht bei der Bergpredigt, die zweite im Zusammenhang mit dem Beten überhaupt. Darin sollen die eher aus dem Heidentum kommenden Leser nicht nachlassen. Denn das Gebet ist die einzige Großmacht dieser Welt. Denn Jesus ist damit  gewiss, dass es Gott, den Vater gibt. Versuchen auch wir es, auch wenn wir nicht immer alle Zweifel beheben können.

 

 Wir sollen auch beten, dass Gott uns unsere Sünden verzeiht und dass auch wir die Kraft bekommen anderen zu erlassen, was sie uns schuldig geblieben sind. Er allein kann es. Im Bußsakrament der Beichte wird uns diese Vergebung zugesprochen. Der Apostel Paulus gebraucht im Brief an die Kolosser dazu ein Gleichnis aus der Welt der Banken. Es ist der Schuldschein. Wenn ich Geld ausleihe und aufnehme, dann wird ein Wechsel ausgestellt, den ich unterschreiben muss. In früheren Zeiten hat man beim Begleichen des Schuldscheines ihn totgemacht, d.h. nicht zerrissen, sondern einfach in Kreuzesform durchgestrichen. Das heißt auf die Sünden übertragen: Die Schulden werden nicht einfach geschenkt, sondern von jemand anderem bezahlt und der Schuldschein entwertet, indem er durchgestrichen wird. Dass er totgemacht ist, ist ein Zeichen dafür, dass jemand die Schuld beglichen hat. Die Kreuzigung Jesu ist dazu das sichtbare Zeichen.

 

Wie sollen wir beten? Wie Abraham, der in der Lesung mit Gott wie ein orientalischer Händler am Bazar handelt, um die Bewohner von Sodom zu schonen. Er ist dabei recht hartnäckig und strapaziert gleichsam die Geduld Gottes bis zum geht nicht mehr. Und Gott verspricht, falls er auch nur 10 Gerechte findet, der zehn willen die Stadt nicht zu vernichten. Das Evangelium verstärkt das Vertrauen mit dem wir beten sollen mit dem Gleichnis vom Freund in der Not, der Besuch bekommt. Um der Pflicht der Gastfreundschaft nachzukommen, nimmt er es in Kauf, dass er seinen Freund weckt, der mit seiner Familie schon zu Bett gegangen ist.

 

Eine besondere Form des intensiven Gebetes ist das Pilgern und Wallfahrten. Weil heuer das Fest des heiligen Jakobus auf Sonntag fällt, ist es ein Jubiläumsjahr. Viele Menschen sind zurzeit unterwegs nach Santiago des Compostella in Spanien, wo der Überlieferung nach die Gebeine des Apostels ruhen. Der Fränkische Tag bringt das Beispiel eines 81-jährigen Mannes, der den Endabschnitt des Jakobsweges, die fast 800 Km zurückgelegt hat. Dabei war er noch vor kurzem durch einen Schlaganfall gelähmt und beeinträchtigt. Auch war seine Frau gestorben. Als inneres Ziel hat er sich gesetzt: Gott zu suchen. Unter den 114.000 Pilgern, die seit Januar gezählt wurden, befanden sich auch 7.500 Deutsche. Als Heinrich Kämper sein äußeres Ziel erreichte und den Pilgerausweis ausgestellt bekam, brach er in Tränen aus. Er hätte mit niemanden auf der Welt getauscht. Der Weg der Gottsuche  ist damit allerdings noch nicht zu Ende. Er dauert ein Leben lang.

 

So wollen auch wir im Gebet anklopfen, bitten und suchen. Wer sein Leben liebt, macht es zum Gebet. Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief: Du gabst meiner Seele große Kraft.

 

Liedvorschläge: 270, 457, 698,1; 530,8; 911;427;428;503; 269,1+3; 884

 

C) 17. Sonntag im Jahreskreis,  Gremsdorf/Anstalt am    24. Juli 2010

Gott, unser Vater, du bist uns allezeit nahe und hörst auf uns, wenn wir zu dir rufen. Deshalb bitten wir dich voll Vertrauen:

 

1.       –Für deine Kirche, die als dein Volk zu dir pilgert:   Lass sie nicht aufhören zu beten und nach deinem Willen zu fragen…Wir bitten dich, erhöre uns!

 

2. - Für unseren Staat und alle, die ihn regieren oder verwalten, um

      neuen Mut und einen neuen Anfang…

 

3. - Für alle unsere Heimbewohnerinnen und Bewohner und ihre

      Betreuerinnen und Betreuer, um gute Verständigung…

 

4. – Für alle, denen das Beten schwer fällt, weil sie krank, enttäuscht

sind und ein schweres Kreuz zu tragen haben: damit sie Gott wieder neu bitten können…

 

5. - Für unsere Verstorbenen, Sei ihnen ein treuer Gott, der sie aus

      dem Dunkel ins Licht hinübergeleitet…

 

 

Darum bitten wir im Vertrauen auf das Wort deines Sohnes Jesus Christus, der für uns lebt und für uns bittet in alle Ewigkeit. AMEN.

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