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18. Sonntag im Jahreskreis, Kirchweihfest Ilmenau 01.08.2010

Dieser Eintrag stammt von eduard Am 1.8.2010 @ 18:48 In Pfarrer Topits | 227 Kommentare

Schwester Mechtild gehört zum Zisterzienserkloster in Helfta. Sie erzählt die Geschichte ihrer Berufung. Bis sie Anfang 40 war, hatte sie eine immer steilere Karriere hingelegt. Bei einem Modekonzern, bei BMW und McDonalds trat sie in schicken Kostümen auf. Doch je schicker und wichtiger ihre Auftritte, um größer wurde ihre innere  Leere. Beim Besuch der Kloster-Kirche  fand sie Ruhe und spürte den drängenden Wunsch zu bleiben. Natürlich vergoss sie manch Träne, als sie sich von ihren Luxusgegenständen und Kleidern trennte. Doch den Entschluss, ein Leben in Gebet und Arbeit zu führen, hat die Ordensschwester nicht bereut. Ihr Leben hat jetzt einen Sinn.

Wer irdische Schätze sammelt und Vorräte aufhäuft, lebt mehr in der Sorge um das Morgen als im Hier und Heute. Und in der gleichen Sorge sind wir mehr oder weniger alle, auch wenn es uns nicht bewusst ist. Wir sind da nicht unbedingt besser als der reiche Bauer aus dem Gleichnis.    

 

Er will die gesamte Ernte für sich behalten und muss darum neue große Scheunen bauen. Er will für viele Jahre Vorräte anlegen. An andere Menschen und ans Teilen mit Notleidenden denkt er nicht. Wer aber nur für sich selber Geld verdienen oder Schätzen sammeln möchte, der ist zwar in den Augen der Menschen reich, vor Gott aber arm. Obwohl sich unser Land zusammen mit vielen anderen weltweit in einer großen Wirtschaftskrise befindet, geht die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander. Das Profitdenken und die Gier nach schnellem Gewinn treibt viele um. Auf dem Lande schindet die Zahl der Landwirte. Das Höfesterben steht kurz vor seinem Abschluss.

 

Um ja die Love-Parade nach Duisburg zu bekommen und sie anderen Standorten weg zu schnappen, haben die Verantwortlichen die Sicherheitsvorkehrungen missachtet und so kamen vor einer Woche 21 junge Menschen zu Tode. Im Golf von Mexiko kam es zur schwersten Umweltkatastrophe unserer Zeit, indem nach Explosion der Bohrinsel Millionen Liter Rohöl täglich ins Meer flossen. Auch hier hatte man im Hinblick auf schnellen und großen Gewinn, unterlassen Sicherungen einzubauen, die eigentlich möglich gewesen wären.  

 

Wer teilt, wird dadurch nicht arm. Teilen bringt Segen und bewahrt vor  Habgier und Geiz. Jesus versucht so ein Gegengewicht aufzubauen. Denn die Güter dieser Welt sind vergänglich und sie machen niemanden restlos glücklich. Es ist die Erfahrung die der Weisheitslehrer Kohelet in die Worte kleidet: „Windhauch, Windhauch, das alles ist Windhauch!“ So ein leichter Windhauch hinterlässt keine nachhaltigen Spuren. Er ist schnell wieder vergessen. Psalm 90 gebraucht den Vergleich vom schnell sprossenden und bald verdorrenden Gras. Das einzige was uns in die Ewigkeit und vor Gottes Gericht begleitet und für uns sprechen wird, sind unsere guten Taten. Das letzte Hemd kennt keine Taschen.

 

Deshalb fordert der hl. Apostel Paulus uns im Brief an die Kolosser auf: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische, nicht auf das Irdische…Tötet an euch, was irdisch ist: die bösen Begierden und die Habsucht!“ Kirchen sind Fingerzeige zum Himmel. Wo das geschieht nimmt Christus Gestalt an. Er ist alles und in allen. Dem scheint unser ganzes  Wirtschaftsmodell zu widersprechen. Geht es doch um Gewinnmaximierung und Profitsicherung.  Aber gerade dann, wenn diese Ziele absolut gesetzt und der Mensch und das Menschliche auf der Strecke bleiben, geht auch der schnell errungene Gewinn flöten.  Fairer Wettbewerb muss auch dem anderen eine Chance lassen und geben.

Leben und Leben lassen, kann durchaus einen christlichen Anstrich haben. Denn Gott ist unser aller Schöpfer und der Lenker unseres Lebens. Er schenke uns auch seine Liebe. Amen.

 

Kirchweihfest: 639; 906; 946,4; 530,7 642;823;482;503;257,1-3

Liedvorschläge: 657 Ach wie flüchtig - passt zur 1. Lesung  und zum Evangelium. Gloria 457 oder 906; Antwortpsalm 712,2 oder 529, 5 oder nach Vorschlag Eichstätt

Gabenbereitung: 916: Sanktus: 459; Agnus Dei 461: Kommunion: 558 oder 503; Dankgesang 261 oder 257

 

FÜRBITTEN ZUM KIRCHWEIHFEST ILMENAU, 1. 08. 2010

 

Herr, unser Gott! Auf diesem Haus ruht der Geist des Herrn. Denn er hat es gesalbt und zu eigen genommen. Deshalb bitten wir:

 

 

1.       Für unsere Laurentii-Kirche in Ilmenau und ihre Bewohner, die  heute von nah und fern hierher kommen, um zu beten…

Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

2.       Für die Kirche mit Haupt und Gliedern: um Erneuerung und Versöhnung mit allen Christen …

Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

3. Für unsere Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich

    immer mehr auseinander geht: um einen gerechten Ausgleich…,

    Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

4. Für die Opfer der Love-Parade in Duisburg und des

   Flugzeugabsturzes und der Überschwemmungen in Pakistan, damit    

   wir unserer Grenzen eingedenk werden… 

   Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

5. Für die Erntearbeiten auf unseren Feldern und Fluren, die bald

abgeschlossen sind und die Landwirte, die sich nach einem gerechtem Lohn sehnen…

   Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

6. Für unsere Gemeindemitglieder: Alte und Junge, Kranke und

Gesunde, Arbeiter und Landwirte, Lebende und Verstorbene; damit sie deine Herrlichkeit schauen…

   Wir bitten, dich, erhöre uns!

 

 

Gott, unser Vater, wir vertrauen darauf, dass du dich als Freund des Lebens erweist, indem du unsere Bitten in deinem Hause hörst und erhörst. So danken wir dir durch Christus unseren Herrn. AMEN.

 


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