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21. Sonntag im Jahreskreis, Emskirchen/NEA, 22.08.2010
Dieser Eintrag stammt von eduard Am 21.8.2010 @ 18:35 In Pfarrer Topits | 582 Kommentare
Jesaja 66,18-21; Psalm 117,1-2; Hebräer 12,5-13; Lukas 13,22-30
Wir Menschen haben ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit. Deshalb verschließen wir abends unsere Wohnungen. Deshalb schließen wir Versicherungen ab: von der Haftpflichtversicherung, Krankenversicherung und Lebensversicherung bis zur Hausratsversicherung und Reiseversicherung. Zuweilen merken wir jedoch, dass all diese Sicherungen an ihre Grenzen stoßen. Wenn etwa Massen wie in Duisburg zusammenströmen und Menschen erdrücken oder wenn plötzlich der Damm eines Stausees bricht und eine Flutwelle hervorruft, die sich über ganze Städte und Landschaften ergießt wie in der Lausitz oder in Pakistan oder wenn sich eine Feuerwalze über die riesigen Entfernungen Russlands wälzt. Dann kommen wir uns ohnmächtig und klein vor und wir merken, dass es keine letzte irdische Sicherung gibt.
Ähnliches meint wohl der Fragesteller im heutige Evangelium: werden nur wenige gerettet? Eigentlich wollte er im Grunde seines Herzens fragen: Bin ich bei den wenigen dabei? Oder anders ausgedrückt: Welche Grenzen gibt es für die Verheißung Gottes von der Teilhabe an der künftigen Welt? Welche Bedingungen muss ein glaubender Mensch erfüllen, wenn er Zugang zum Reich Gottes erlangen will? Jesus gibt darauf keine Antwort, wie wir sie von den normalen Versicherungsgesellschaften gewohnt sind: Wenn du regelmäßig deinen Beitrag entrichtest, dann bekommst du im Fall des Falles die Entschädigung oder Begünstigung. Lukas antwortet recht differenziert: Manche oder einige von den Letzten und manche von den Ersten werden dabei sein. Er warnt also vor jeglicher religiöser Selbstsicherheit. Weder die Zugehörigkeit zu einem Volk, noch die Essens- Gemeinschaft mit Jesus nutzt etwas, wenn wir nicht gerecht handeln. Man kann sich das Himmelreich nicht erkaufen. Es kommt vielmehr auf das persönliche Bemühen an, wobei sich Gott das letzte Urteil vorbehält. Der griechischen Urtext betont dies noch viel stärker mit dem Zeitwort: „agoonisesthe!“ d.h. kämpft darum bis zur Erschöpfung.
Es gibt freilich auch die Versuchung den Glauben zu „sichern“ und uns gleichsam einen Platz im Himmel reservieren zu lassen. So sind auch manche Auswüchse der Ablasspraxis in der Geschichte der Kirche erwachsen. Fromme Stiftungen mancher Herrscher können nicht gegen das Unrecht aufkommen, das sie begangen haben. Aber Glaube liefert keine Gewissheit, er setzt aber Vertrauen voraus und fordert zum Wagnis heraus.
Ist das für uns nicht eigentlich enttäuschend? Wir fragen uns zuweilen: „Herr, gehst Du so mit deinen Freunden um, die zu dir stehen, die zu dir beten und dir nachfolgen?“ Wenn ich zu einem Verein gehöre, dann erwarte ich auch dessen Leistungen, aber hier geht es um mehr. Darauf antwortet der Hebräerbrief mit einem Vergleich, der sich in unserer Zeit recht anstößig anhört: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er!“ Selbstverständlich ist das im übertragenen Sinn zu verstehen: Es sind Schicksalsschläge, Krankheiten und Leiden, Herausforderungen. Im letzten bleibt es aber unbegreiflich. Ich habe gestern die Mutter eines Pfarrers besucht, den ich gekannt habe und der in verhältnismäßig jungen Jahren verstorben ist. Seine alte Mutter ist schon hoch über 90. Ich bewundere sie mit wie viel Glauben und Ergebenheit sie das alles trägt. Unlängst hat mir eine junge Frau gesagt: Es hat meinen Glauben erschüttert, dass mein Vater mit 42 Jahren sterben und uns 4 Kinder zurücklassen musste. Dann fragt man sich Warum? Ich weiß darauf auch keine Antwort.
Einmal werden wir es wohl wissen und erfahren. Es ist dann, wenn der Herr auch uns zu seinem heiligen Berg ruft mit den vielen Vertretern der Völker aus Ost und West. Bis dahin wollen wir mit dem Psalmsänger beten: „Wende dein Ohr mir zu, o Herr…Hilf deinem Knecht, der dir vertraut, sei mir gnädig.“ AMEN.
Liedvorschläge: 914,1+2; 456; Zum Antwortpsalm schlage ich GL 282 vor, weil dieser Kanon am besten dem sehr kurzen Psalm 117,1-2 entspricht. Denkbar sind aber auch die Kehrverse: 646,5 oder 529,6 ; Halleluja 530,8; 489; 939;940,2; 960,1-3; 825; 573 (Salve Regina - wegen des 22. August. Der Sonntag verdrängt den Gedenktag Maria Königin, aber in einem Schlusslied, kann man die Erinnerung daran wachhalten.
Gott will denen, die sich ernsthaft bemühen aus der ganzen Menschheit das Tor zum ewigen Leben öffnen. Deshalb wollen auch wir ihn bitten:
1.- Für alle Christen und alle Glieder der Kirche, die müde und schwach geworden sind, um neuen Mut und frische Glaubenskraft…
2.- Für alle, die den christlichen Glauben noch nicht kennen, damit sie glaubwürdigen Zeugen begegnen…
3.- Für die Opfer der Terroranschläge im Irak und weltweit, damit die Menschen aufhören ihre Auseinandersetzungen mit Waffengewalt auszutragen…
4.- Für die Leidenden und Kranken, die keinen Ausweg mehr sehen in ihrer Not und Krankheit, damit sie im Glauben die Tür finden, die sich öffnet…
5.- Für unsere Verstorbenen um Einlass durch die enge Tür und Aufnahme in deine ewige Liebe…
Guter Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, du liebst alle Menschen und willst, dass alle gerettet werden. Darum preisen wir dich und danken dir durch deinen Sohn im Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. AMEN.
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