Archive for September, 2010

Kirchweihfest, Sterpersdorf, Sonntag, den 26. September 2010

Sunday, September 26th, 2010

Ezechiel 43,1-2.4-7a; 1 Korinther 3,9c-11.16-17; Matthäus 16,13-19

 

Wir denken heute an den denkwürdigen Tag, an dem die Kirche von Sterpersdorf eingeweiht worden ist. Damals ist auch der erste Gottesdienst hier gefeiert worden. Damit begann die Kirche zu leben. Der Weihetag einer Kirche, ist ihr Geburtstag. Und heute hat unsere Sterpersdorfer Kirche Geburtstag.

 

Nach meinen Recherchen in der Pfarrchronik dürfte die Kirche zweimal geweiht worden sein. 1801 erwähnen die Urkunden nur eine Kapelle bei den 12 Häusern des Ortes. Lange Zeit befand sich Sterpersdorf im Schatten der großen Wallfahrtskirche auf dem Lauberberg. Als es 1882 zur Pfarrgründung kam, zählte die Bevölkerung bereits 210 Seelen. Damals ist der Turm erhöht und sind Altäre und Kanzel angeschafft worden. Die Inneneinrichtung der neuen Pfarrkirche zog sich vermutlich bis in die 90-er Jahre hin. Jedenfalls ist vermerkt, dass 1897 Erzbischof Schork zur kanonischen Visitation hierher kam. Ich vermute, dass damals die erste Kirchweihe stattgefunden hat. Nach der Erweiterung ist die Kirche zum zweiten Mal am 28. September 1924 von Erzbischof Jakobus von Hauck „konsekriert“ worden d.h. feierlich geweiht worden. Was das bedeutet, möchte ich mit Euch anschließend bedenken.   

 

Damals dürfte der Bischof mit Pfarrern, Ministranten und mit viel Volk über den Kirchenplatz gewallt sein und hat vor der Kirchentüre erstmals halt eingelegt. Man stolpert ja nicht gleich in die Kirche hinein, sondern besinnt sich am Eingang. Es gibt viele Wege im Leben… mit der wichtigste ist der Kirchenweg und es gibt viele wichtige Türen und Tore, aber ganz besonders wichtig ist die Kirchentür, denn sie erinnert uns an die Himmelstür. „Da sah ich, wie die Herrlichkeit des Gottes Israels aus dem Ostern herankam… Die Herrlichkeit des Herrn zog in den Tempel ein durch das Tor, das im Osten lag… und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte den Tempel. “ Die meisten Kirchen sind mit dem Altar geostet, nach Jerusalem ausgerichtet.

 

Nach dem Betreten der Kirche zeichnete der Bischof mit seinem Stab in ein großes Kreuz mit Asche auf dem Boden der Kirche das griechische und lateinische Alphabet. Christus ist eben das Alpha  und das Omega, Anfang und Ende. Gott ergreift Besitz  von seinem Hause, in dem sein Sohn hier unter uns Menschen gegenwärtig wird und sein Zelt aufschlägt. Es gibt verschiedene Gegenwartsweisen des Herrn. Die erste ist seine Gegenwart in der Gemeinde, die sich zum Gottesdienst versammelt. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Deshalb wendet sich der Priester dem Volk zu und begrüßt es mit dem dreifaltigen Gruß: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch! Es könnte logischer Weise auch heißen: ist mit Euch. Das heißt der Herr ist schon in der Mitte der seinen. Das II. Vatikanische Konzil wollte diese verschiedene Gegenwartsweisen durch verschiedene Orte zum Ausdruck bringen. Deshalb soll die Eröffnung nicht am Lesepult und auch nicht am Altar stattfinden, sondern an einem eigenen Ort, den wir mit Priestersitz oder Vorstehersitz nennen. Hier soll auch das Tagesgebet stattfinden. Ich nehme an, dass er sich damals dort befand, wo der Traghimmel im Chorraum aufgestellt war.   

 

Danach folgte der Wortgottesdienst mit der ersten Predigt des Bischofs von der Kanzel aus. Um die Einheit des Wortgottesdienstes mit der Eucharistiefeier hervorzuheben und seitdem es Mikrophone gibt, findet auch die Predigt vom Lesepult aus statt, das wir „Ambo“ nennen, den erhöhten Platz, der im Mittelalter dann in das Kirchenschiff verlegt worden ist. Von den Chorschranken „Cancellae“ genannt, entstand dann das Wort Kanzel. Es war ein Grundanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Liturgiereform, dass der Tisch des Wortes Gottes reichlicher gedeckt wird. Deshalb sind für Sonn- und Feiertage zwei Lesungen vorgesehen. Die Schriftlesungen sind auf einen Zyklus von drei Jahren aufgeteilt. Das heißt, dass sich diese und  die Evangelien erst in drei Jahren wiederholen. In den Lesungen spricht Gott zu uns und vor allem im Evangelium wird das Wort Christi unter uns Gegenwart.  

 

Jetzt schreitet der Bischof zur Weihe des Altares. Er salbt die ganze Altarplatte  mit Chrisam, firmt sozusagen den Altar bzw. damals die Altäre. Danach werden an fünf Stellen Kerzen angezündet. Zum ersten Mal haben dann unsere Vorfahren den Altar gedeckt. Auch salbt der Bischof die Wände der Kirche an 12 Stellen, gewöhnlich an den Apostelkreuzen. Der Altar ist das Zeichen für Christus. Hier wird er im Sakrament beim Hochgebet der Eucharistiefeier gegenwärtig: mit Leib und Blut, Gottheit und Menschheit. Hier erfolgt Gottesbegegnung. Mit Petrus bekannten unsere Vorfahren und bekennen auch wir in jeder Eucharistiefeier sinngemäß: „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes!“ Und die  Apostelkreuze erinnern an die lebendige Kirche, die auf dem Fundament der Apostel und dem Fels erbaut ist, mit dem Petrus – Christus als Eckstein und Schlussstein sichtbar macht. Der Gemeinschaft der Getauften, die sich mit dem Wort Gottes ernährt und das Opfer Christi feiert, die Sakramente spendet unter Leitung von Papst und Bischöfen- sind die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut.   

 

Gesalbt wird auch der Taufstein. Hier sind wir Christen geworden. Während der maoistischen Kulturrevolution hatten die Kommunisten vielerorts Kirchen und Klöster zerstört und in Brand gesteckt. So kam eines Tages ein chinesischer Junge zur Missionsstation. Er bereitete sich nämlich mit seinen Altersgenossen auf die Firmung vor. Die Revolutionssoldaten versperrten ihm den Weg und fragten ihn, was er denn hier wolle: „Ich möchte zum Pater zur Firmvorbereitung!“ – „Den gibt´s nicht mehr.“ antworteten diese- „den haben wir erschossen!“ – „Dann möchte ich in die Kirche gehen und beten.“ – Darauf die Soldaten:“ Die Kirche gibt es auch nicht mehr, die haben wir gerade angezündet.  Bald wird nur noch ein Trümmerhaufen davon übrig bleiben.“ Der Junge denkt ein wenig nach und kontert dann: „Ich bin getauft, dann bin ich jetzt die Kirche!“ Und darum geht es jedes Mal, wenn wir Kirchweihe feiern. Es geht nicht so sehr um das Haus aus toten Steinen, sondern um das Haus der lebendigen Steine. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? ……Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.“  

 

In der Kommunion empfangen wir den Leib Christi auf die Hand, den   „kostbaren Fisch“ von dem das Grabmal des Pektorios in Burgund spricht. Die übrig gebliebenen Hostien werden  im Tabernakel  aufbewahrt für die Krankenkommunion und für die Anbetung. Tabernakel heißt wortwörtlich übersetzt: Zelt. Hier wohnt der Herrgott. „Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm dem lebendigen Gott!“

 

Unsere Gedanken fasst der Korintherbrief (1 Kor 3,9c-11.16-17)

so zusammen: „Ihr seid Gottes Bau“…einer hat den Grund gelegt, ein anderer baut weiter.“ Unsere Vorfahren haben den Grund dieser Kirche gelegt Auch wir sollen mutig darauf und daran weiter bauen. Aber jede und jeder  soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. AMEN.            

 

FÜRBITTEN ZUM KIRCHWEIHFEST STERPERSDORF,  26.09.2010

 

Herr, unser Gott! Auf diesem Haus ruht der Geist des Herrn. Denn er hat es gesalbt und zu eigen genommen. Deshalb beten wir:

 

1.       Für unsere Pfarrgemeinde Sterpersdorf und ihre Bewohner, wie auch für alle, die heute von nah und fern hierher gekommen sind um Gott zu begegnen…

Wir singen: Christus, höre uns!

 

2.       Für die weltweite Kirche : um Erneuerung nach den Missbrauchsskandalen  und Versöhnung mit allen Christen …

Wir singen: Christus, höre uns!

 

3.       Für unsere Kinder und Jugendliche, die Aufgaben in unseren Gottesdiensten als Ministrantinnen und Ministranten übernehmen, für die Kärwasburschen, wie auch für alle, die das Kirchweihfest vorbereitet haben oder daran mitwirken…  

Wir singen: Christus, höre uns!

 

4.       Für alle lebenden und verstorbenen Priester- und Ordensleute, die hier gewirkt oder von hier ihre Berufung erhalten haben, damit der Herr auch in unserer Zeit Menschen in seine Nachfolge ruft…

Wir singen: Christus, höre uns!

 

5.       Für gedeihliche Witterung: um einen warmen Herbst, damit die Ernte gut eingebracht werden und die Herbstausaat erfolgen kann…

Wir singen: Christus, höre uns!

 

6.       Für unsere Gemeindemitglieder: Alte und Junge, Kranke und Gesunde, Arbeiter und Landwirte, Lebende und Verstorbene; damit sie deine Herrlichkeit schauen…

Wir singen: Christus, höre uns!

 

Gütiger Vater, in deinem Sohn hast du dich aller erbarmt. In ihm sagen wir dir Lob, Ehre und Dank, heute am Jahrestag der Kirchweihe, jeden Tag bis in Ewigkeit. AMEN. 

 

26. Sonntag im Jahreskreis, Uehlfeld, 26. September 2010

Sunday, September 26th, 2010

Amos 6, 1a.4-7; Ps. 146, 6-10; 1 Timotheus 6,11-16; Lukas 16,23-31

 

Im Bamberger Dom befindet sich im nördlichen Seitenschiff nahe zur Adamspforte eine liebliche  Darstellung. Ein Mann sitzt auf einem Pfeilervorsprung und hält auf seinem Schoß 4 Kinder mit Gesichtern von Erwachsenen. Sie freuen sich und strahlen vor Glück.  Entzückt klatschen sie in die Hände und lächeln. Denn sie hören den Herzschlag des Vaters. So stellten sich die Menschen früher den Himmel vor. Der hier dargestellte Vater ist Abraham. Mit den Kindern sind wohl die Seelen der Geretteten gemeint.

 

Eine der geretteten Seelen dürfte Lazarus aus dem heutigen Evangelium sein. Sein Name bedeutet „Gotthelf“ Abraham ist für ihn und für alle 4 wie eine liebende Mutter, die sich um ihre Kinder kümmert, wie ein Vogel, unter dessen Flügeln sich die Kücken bergen. Ihnen kann das Jüngste Gericht nichts mehr anhaben. Der Vater bringt sie durch.

 

Wer unter der Plastik steht, nimmt die Rolle der Reichen ein, dem der Herr ins Gewissen redet, der sich in Selbstsicherheit wiegt und laut Prophet Amos Augen und Ohren verschließt vor denen, die seine Hilfe brauchen.(vgl Amos  6)  Abraham ist dann für ihn zwar noch in Rufnähe, aber dennoch  liegt zwischen ihm und uns ein beachtlicher ohne Leiter nicht zu bewältigen Höhenunterschied vor.

 

Auch uns sind die Worte des dreimaligen Gespräches gesagt. Auch wir haben Mose und die Propheten und sie müssten uns zur Umkehr genügen. Wir alle sind zeit unseres Lebens gefährdet, wie der Reiche. Denn schieben wir unsere Bekehrung nicht vor uns her? Verschließen nicht auch wir Augen und Ohren vor der Not in unserer Familie, unserer Nachbarschaft und in der weiten Welt. Gewiss können wir nicht groß helfen, aber es geht um die Richtung, um ein Zeichen und um das Gebet. So leicht ist der Lebensraum im Schoße Gottes nicht zu haben. Es ist kein billiger Platz.

 

Gewiss ist dieses Leben ein harter Kampf. Es gilt laut 1. Timotheus 6, 11-16 unentwegt nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Glauben zu streben, gepaart mit Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut. Im guten Kampf des Glaubens erfüllen wir unseren Auftrag. Hier im Krankenhaus sind es die Schmerzen und Müdigkeit, Traurigkeit und Resignation, die uns anfallen. Eine Frau erzählte mir mal: die Schmerzen des Vormittags, die opfere ich für meine Familie auf. Jede und jeder hat seine Stunde. Die des Nachmittags gehören anderen Menschen.

 

Die Plastik Abraham mit den Kindern im Schoß, zeigt aber auch Trostvolles. Es erinnert an das letzte Gottesbild, das die Bibel malt: „Der, der auf dem Thron sitzt, wird alle Tränen von den Augen abwischen – wie ein Mutter, die uns auf ihre Arme nimmt. Und er mag mich in Gewänder des Heils hüllen. Uns ist ein Platz am Herzen Gottes verheißen. Beginnen wir daher mit wachen Augen unter Gottes Augen zu leben.  Der Herr „liebt den Gerechten“ (Psalm 146) Er hält ewig die Treue…Recht verschafft er den Unterdrückten…öffnet den Blinden die Augen…und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht.

 

E-Mail Pfarrer Topits 25.09.2010

Saturday, September 25th, 2010
Liebe Freunde,
anbei eine Meditation zum 26. Sonntag im Jahreskreis und eine mehr
lokalgeschichtliche Predigt zum Kirchweihfest in Sterpersdorf. 

Die Liedvorschläge nehmen Rücksicht auf die beiden Feste der kommenden
Woche: der hl. Erzengel Michael, Gabriel und Raphael, wie auch auf das
Ottofest am 30. September: 290; 457, 527,3; 530,8; 903,1+4; 434;435; 967,
606. 

Somit wünsche ich Euch(Ihnen) einen gesegneten Predigtdienst und auch ein
vertieftes Meditationserlebnis.

Euer(Ihr)Internetpfarrer

25. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf/Sterpersdorf, 18./19. September 2010

Sunday, September 19th, 2010

Amos 8, 4 -7; Psalm 113, 1-2.4-5.6-7.8-9 ;  1.Timotheusbrief 2,1-8; Lukas 16,1-13

Vor einigen Wochen ging ich in den Supermarkt, um für eine bedürftige Familie einen Gutschein zu erwerben. Ich steuerte zu der Kasse hin, wo gerade keine Kunden anstanden, um ihn zu bezahlen.  Die Verkäuferin sagte mir, dass ich mir den Gutschein vom Stapel nebenan holen müsste. Inzwischen war schon eine Hausfrau mit ihrem Einkauf angerollt gekommen, war aber nach meinem Eindruck noch nicht so ganz fertig mit dem herauslegen der Waren aus dem Korb auf das Förder- Band. Deshalb preschte ich mit meinem Gutschein schnell vor und wollte ihn gleich bezahlen. Darauf bemerkte die Kassiererin, ich müsse doch wohl eher die Kundin fragen, ob sie damit einverstanden sei, dass ich vor ihr dran komme. Das gehöre eben zum guten Ton. Erst nachdem ich die Dame gefragt und ihre Einwilligung eingeholt hatte, nahm mir die Kassiererin das Geld für den Gutschein ab. Das war mir zwar zunächst peinlich, aber ich habe gleichzeitig eine sehr hohe Achtung  vor der Kassiererin bekommen.

1. Gewiss ist das eine Kleinigkeit- werden Sie alle denken.

Aber es stimmte mich schon nachdenklich, als ich im heutigen Evangelium die Worte las: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.“ An der Art und Weise, wie wir mit Geld und dem Mammon dieser Welt umgehen, entscheidet sich viel auch im Reich Gottes.

2. Im Vorspann des heutigen Evangeliums hörten wir vom unehrlichen Verwalter. Bei ihm muss es wohl auch zunächst mit kleinen Bagatelldelikten begonnen haben, bis er dann zu den großen Dingen griff und dann auch eigenmächtig sich mit den Schuldnern seines Herrn arrangierte. Nach einigen Bibelauslegern, wäre es gerade der Wucherzinns gewesen, den der Verwalter nachgelassen und ansonsten für sich behalten hätte. Wie dem auch sei, der Verwalter setzt auf die Liebe und Dankbarkeit der Menschen, mit denen er es zu tun hat d.h. auf etwas, was er nicht einfordern kann. Er handelt vorausschauend und lässt sich dabei auch diese tolle Manipulation einfallen. Im Grunde genommen erfolgt sie zum Vorteil der weniger Bemittelten und Armen. Und deshalb lobt Jesus sein Verhalten und nicht weil er etwa sein unehrliches Verhalten gebilligt hätte. Mit dem ungerechten Mammon meint Jesus, wohl das nur auf eigene Gewinnmaximierung und Profit ausgerichtete Bestreben, das die Schere zwischen Reich und Arm immer  weiter auseinanderdrückt.

3. Die Habgier der sich ungerecht Bereichernden prangert auch der Prophet Amos im Alten Bund an. In jeder Gier steckt Maßlosigkeit. Es ging um Wucherpreise beim Getreide, um Fälschen der Gewichte und um Billiglohn für die Ärmsten der Armen. Während der Neumondszeit und des Sabbats waren solche Geschäfte nicht gestattet. Deshalb konnten sie es kaum erwarten, bis diese vorbei waren. Wir brauchen uns nur in unserer Welt umsehen und stellen fest, dass sich seit der Biblischen Zeit vor dreitausend Jahren kaum etwas an unserer Welt mit ihrer Finanzkrise und Betrügereien geändert hat. Der Apostel Paulus fordert in seinem ersten Brief an Timotheus die Christen auf „zu Gebeten, Bitten und Fürbitten für die Herrscher und für alle die Macht ausüben“, damit es rechtschaffen in unserer Welt zugeht und sie der Versuchung des Geldes und der Raffgier nicht erliegen.

Dazu braucht der Mensch zuweilen göttlichen Beistand. Wer es fertig bringt, der gleicht darin dem Herrn und Gott, der in der Höhe thront – wie es der Antwortpsalm 113, 6-7 auf den Punkt bringt. Es ist nicht der, der „den Schwachen aus dem Staub emporhebt und den Armen erhöht, der im Schmutz liegt?“  

Liedvorschläge:

291; 820;  Nach der ersten Lesung Psalm nach Eichstätter Melodie, nach der zweiten Halleluja 530,7;  822; 823;482; 547; 594,1- 3

 

C) 25. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf/Sterpersdorf

18/19. September 2010: 

 

Herr unser Gott, du hörst unser Rufen. Auf unsere Anliegen und Bitten antworten wir mit dem Satz: Du bist das Heil des Volkes. Darum bitten wir dich:

 

1.       – Begleite unseren Heiligen Vater mit guten Eingebungen auf seiner Schwierigen Reise nach England: lass dadurch die Einheit der Christen wachsen…

Vorbeter: Du bist das Heil des Volkes!

ALLE: Du bist das Heil des Volkes!

 

 

2. – Segne Schüler und Lehrer, die ein neues Schuljahr begonnen haben: mit Freude am Lernen und bei der Erziehung zur Wertegemeinschaft…

Vorbeter: Du bist das Heil des Volkes!

ALLE: Du bist das Heil des Volkes!

 

 

3. – Bewahre die Menschheit vor neuen Kriegen und dass sie durch die Mächtigen ausgebeutet werde in deren Gier nach      Bereicherung auf Kosten ihrer Völker…

 Vorbeter: Du bist das Heil des Volkes!

ALLE: Du bist das Heil des Volkes!

 

 

4. – Lass uns dankbar sein für alles, was uns anvertraut wurde: hilf uns klug und ehrlich damit umzugehen…

Vorbeter: Du bist das Heil des Volkes!

ALLE: Du bist das Heil des Volkes!

 

 

5. – Vergilt unseren Verstorbenen das Gute, das sie getan haben und nimm sie in den Himmel auf…

ALLE: Du bist das Heil des Volkes!

Denn du bist ein Gott des Erbarmens, der Gerechtigkeit und der Liebe. Dich preisen wir jetzt und in Ewigkeit. AMEN. 

Bamberger Seelsorgerwoche in der Oberlausitz, 1.-7. August 2010

Saturday, September 18th, 2010

Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse und Erkenntnisse

Auf dem Weg in die Lausitz sahen wir in der Holzausstellung in Daetz eine Kugel, die noch weitere 16 kleinere Sphären hatte, die man bewegen konnte. In Bautzen war es wohl das Simultanäum des Petri-Domes, eine gemeinsame Kirche der beiden Bekenntnisse, die seit Jahrhunderten friedlich unter einem Dach und im gleichen Raum, nur durch eine Chorschranke getrennt, Gottesdienst feiern. Unvergesslich bleiben uns die Besichtigungen der Zisterzienserinnen- Klöster Marienstern und Marienthal und die Begegnungen mit den Schwestern. Am Tag der Heimreise wurde letzteres Kloster von der Überschwemmung heimgesucht und die Aufbauarbeit mehrerer Jahrzehnte  zunichte gemacht. Die Schwestern kamen mit dem blanken Leben davon. Das intensivste Erlebnis hatten wir  zweifellos  angesichts der Fastentücher in Zittau mit den 90 Bildern aus dem AT und NT. An dem einzigen schönen Tag durften wir auf dem Berg Oybin  von der Kirchenruine der Cölestiner aus einen herrlichen Ausblick über das Land genießen. Ergreifend war auch die Begegnung mit der Herrenhuter Brüdergemeinde und vor allem mit deren Friedhof, auf dem die Grabplatten alle gleich sind. Wir besichtigten nicht nur den großen Kirchensaal, sondern bekamen auch den Korb zu Gesicht, in dem die Herrenhuter Losungen Jahr für Jahr gezogen werden.  Auf der Heimfahrt beeindruckte uns in Dresden die Hofkirche und mich persönlich die Gemäldegalerie der „Alten Meister“ mit der weltberühmten „Sixtinischen Madonna“ von Rafael. Die Frauenkirche blieb uns leider wegen einer Trauung verschlossen.  Spannend war die Begegnung mit Land und Leuten der Sorben, einer slawischen Minderheit, die seit 1000 Jahren in Deutschland lebt. Um ihre Kultur zu erhalten, haben sie ein stark ausgeprägtes Brauchtum entwickelt. Solche oder ähnliche Minderheiten gibt es in fast allen unseren Pfarrgemeinden auch hierzulande: ob es sich nun um Italiener, Kroaten, Ungarn oder Griechen handelt. Die Schlussfolgerung für uns war, dass Integration nie deren völkische Wurzel zerstören dürfe.  Integration ja, aber Assimilation nein! Andererseits werden wir als Christen in der Welt von heute immer mehr in die Rolle einer Minderheit gedrängt. Was können wir da von der sorbischen Minderheit lernen? Was tun, um einerseits zu überleben und trotzdem Profil zu bewahren, um Salz und Licht für unsere Welt zu sein? 

Im Einzelnen

 Meine Schwester brachte mich und Pfarrer Werner Fortuna bis zum Priesterseminar, wo wir auf den Bus warteten. Die Abfahrt in Bamberg war etwas knapp nach 14.00 Uhr. Dann gab es einen ziemlichen Stau wegen einer Baustelle zwischen Kunigunden- Damm und Nürnberger Straße. Sonst ging es zügig voran. An der Autobahnkirche Himmelkron stiegen noch einige Mitbrüder hinzu. In Lichtenstein vor Zwickau legten wir ein Zwischenprogramm ein durch die Besichtigung der internationalen Dauerausstellung Daetz in Holzbildhauerkunst. Zwickau selbst hat drei katholische Pfarreien. Der Dom birgt einen geschnitzten Holzaltar und wertvolle Gemälde von Michael Wohlgemut, dem Lehrer Alfred Dürrer´s. Da wir uns in der Stadt etwas verfahren hatten, lotste uns die Polizei recht freundlich bis zum Parkplatz der Ausstellung. So fuhren wir dem Wagen einfach nach. Der schaltete Blaulicht ein und ein  Leuchtstreifen  auf dem Autodach forderte uns auf: „Bitte, folgen!“ Das war lustig anzusehen.   

Was wir dann im Daetzzentrum  zu sehen bekamen, übertraf alle unsere Erwartungen und wir waren zutiefst beeindruckt von der Schönheit der Exponate. Wir erfuhren, dass es nur drei solcher Ausstellungen gäbe: in Oberammergau und in Südtirol und eben hier im Erzgebirge. Das Daetzmuseum sei auf die Schnitzkunst spezialisiert. Schon im Vorraum empfing uns die   riesengroße Gestalt des Auferstandenen, dessen Tücher sich mit ihm verwoben. Erwähnenswert sind dann die 150 Jahre alten und aus einem einzigen Baumstamm geschnitzten Tempeltüren aus Asien. Dann folgte die Schöpfungsgeschichte der Maori. Die Muttergottheit war so fest mit der Vatergottheit verschlungen, dass kein Licht auf die Erde durchdringen konnte. Dazwischen waren dann 7 Kinder als Naturphänomene. Sie setzten sich die Aufgabe, Licht auf die Erde zu bringen. Das eine Kind vollführte einen Kopfstand. So drückte sie die Mutter nach unten und den Vater nach oben. So entstand der Spalt, durch den das Licht auf die Erde dringen konnte. 

 

AFRIKA

Ein ganzes Stockwerk präsentierte Arbeiten aus Afrika. Schon im Vorraum erweckte das Sklavenboot unsere Aufmerksamkeit. Es ist aus Ebenholz gearbeitet. Außen, der Rinde zu ist es weiß, nach innen jedoch schwarz und hart wie Stein. Um nicht auszutrocknen bei den Temperaturen über 40 Grad verhärtet sich das Holz. Es gibt über 400 verschiedene solcher Holzarten. Es gibt auch verschiedene Bezeichnungen dafür. Meistens gebrauchen wir die Bezeichnung „Mahagoni“ oder „Makonde“. Das Boot erzählt die traurige Geschichte vieler Schwarzafrikaner, die gefangen und als Sklaven verkauft wurden. Das taten oftmals die eigenen Stammesführer oder Herrscher. Viele starben unterwegs. Die es bis an die Küste schafften, kettete man an die Ruder an. Vorne und rückwärts saß jeweils ein Aufseher und zerrte an den Ketten. Unter den Sklaven im Boot befanden sich auch zwei stillende Mütter.

Danach schritten wir durch einen Triumphbogen mit guten Wünschen auf die von Oben der Ahnengott wachte.

Ein Kanu, erbaut aus einem einzigen Baumstamm, wird zusammengehalten durch Schnüre, die mit dem Holz im Salzwasser aufquellen und wasserdicht schließen. 

OZEANIEN vor allem Papua- Neuguinea

Hier begegneten mir Masken, die mir von P. Matthäus Raschers Missionsarbeit auf der Insel „Neu Britannien“ schon bekannt waren. Der Kopfjäger stellt Mann und Frau mit gleichberechtigter Kriegsmalerei dar. Auf seiner Lanze sind die Gesichter von 8 Gegnern sichtbar, die er verspeist hatte und deren Kraft in ihm weiter lebt. Sie sind in seinen Körper übergegangen. Bei den Volkstämmen in PNG überwog das Matriarchat. Die Frauen bestimmten alles und wählten auch den Häuptling, der ihnen unterordnet war.

Interessant waren dann noch die Sanduhren und die Himmelstrommeln. Auf das untere Ende schlug man drauf und oben kam dann der Ton verstärkt heraus. Ein Kanu wirkte wie ein Resonanzkasten. Auffallend war ein Gebilde mit einem Schlitz, durch das die Gebeine der Ahnen eingefügt werden. Denn bei den Maori bewahrt man sie in den Wohnungen auf.

 

TANSANIA (ehemaliges Deutsch-Ost –Afrika) Die Exponate hier sind über Münsterschwarzach der Ausstellung hier zugeführt worden. Die Familie (Ugamara) ist alles und alles wird als Familie gesehen, das Volk und auch die Kirche und Weltkirche. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen in eins. Bei der Säule mit der Schöpfungsgeschichte, ruht sich die Gottheit nach den 6 Tagen unten aus. 

Das Abendmahl zeigte in schwarzer Holzfarbe die Haut der Schwarzafrikaner.

Es gibt zwei Spiralen: die eine zeigt den Familienbaum, bei dem alle mithelfen und gemeinsam die Lasten tragen. Bei der zweiten trägt nur noch einer die Lasten für alle.

Der Museumsleiter wies auf einen besonders kunstvoll gearbeiteten sitzenden Menschen hin.

Eine weitere Gruppe zeigte die Szene mit dem Zinsgroschen aus Lindenholz.  Die Schnitzereien sind hier in Daetz 1998 entstanden. 

In bunten Farben gefasst traten uns die HOPE- INDIANER entgegen. Sie kämpfen mit ihren Cachicha- Geistern.

 

HIMMALAIA

Aus Zähnen von Flusspferden ist die Szene geschnitzt, die von der Taoistischen Muttergottheit handelt. Sie war im Paradies und ist bestrebt, dessen Früchte nun den Menschen zu bringen.

Beeindruckend war eine Abteilung mit Dufthölzern, wie z.B. Kampferholz. Waldhölzer sorgen für Gesundheit. Sie geben in den Wohnungen ihre Düfte ab.

 

Einmalig schön war die Göttin der Barmherzigkeit. (Kuanyn)

Ein Aha-Erlebnis waren für uns die Kugeln, die aus 30 Schichten bestanden, die man mit ihren Löchern bewegen konnte. Sie sind aus Sandelholz bzw. Rosenholzbäumen gefertigt.

Eine Vitrine zeigte uns den Lebenskreislauf nach buddhistischer Vorstellung. Beängstigend und herrschaftlich muteten die Marionettenpuppen an. Sie stellen Heldenfiguren dar.

 

THAILAND

 Auf dem Stockwerk steht eine sehr alte Säule vom Palast eines Schamanen. (1250!) Sie stellt eigentlich eine Wasserleitung dar. Auch hier gehen die Schichten von Außen nach Innen. Es sind insgesamt 7 Schichten. Sie künden vom Kampf im Urwald. Der Künstler hieß Sombat.

Als letztes durch schritten wir den Raum einer kleinen Moschee unter der kunstvoll geschnitzten Kuppel. Die Gebetsnische öffnete sich zur Linken.

 

Ung. 20.30 trafen wir im Priesterseminar und Bildungshaus:  

„Bischof Beno-Haus“ Schmochtitz ein und wurden im Landhaus untergebracht. (Zimmer 228)1764 Bautzener Kirchenmann – an der „via regia“ gelegen, die über Bautzen nach Breslau führt. 1763 unter Peter August von Schönberg –ist der ehemals französische Garten in einen englischen umgewandelt worden. In ihm bewunderten wir heute noch eine Stein- Palme und eine Sphinx.

1921 ist das Bistum Meißen wieder errichtet worden mit dem Bischofssitz in Bautzen. Deshalb erkor man das nahe gelegene Schmochtitz 1925 als Priesterseminar. Es wurde am 10 Mai 1927 von Bischof Schreiber eingeweiht. Hier bereiteten sich dann 95 Alumnen auf den Priesterberuf vor.  Nach der Beschlagnahmung 1945 ist das Gebäude durch einen Brand zerstört worden. Hinreichend vorhandenes Land und intensive Forstwirtschaft kamen weiterhin dem Bistum zugute. Denn es standen gute Maschinen zur Verfügung. So setzte man den Hof zwischen 1946 – 53 wieder in Stand. Bald nach der Wende entschloss man sich zum Wiederaufbau, 1990 konnte der Grundstein gelegt und der Kuhstall umgebaut werden.  Damit war der erste Bauabschnitt fertig. Ein Jahr später musste die Hofbewirtschaftung aufgegeben, die Äcker und Flächen verpachtet und das Vieh abgeschafft werden. Auch sollte Schmochtitz als Bildungs- und Exerzitienhaus im Sinne von Bischof Joachim Reinelt  für viele Sinn suchende Menschen nach der Wende eine geistige Heimat bieten. Es verfügt über 108 Betten und verschiedene Räumlichkeiten.

Im Jahre 2000 erfolgte der Umbau der nicht mehr genutzten Scheune zu zwei Räumen: einem Gottesdienstraum und einem geselligen Raum für Tagungen und Seminare. Der Altar des Gottesdienstraumes zeigt eine Plastik aus Gusseisen mit Christus dem Auferstanden am Kreuz. In seiner Herzgegend ist ein Trichter offen gelassen. Der ohne Tabernakel gestaltete Kirchenraum eignet sich auch für andere Veranstaltungen, wie z. B. Singspiele und Festivals. Während unseres Aufenthaltes probten viele Chöre und bereiteten ein solches Singspiel vor. Einige von uns nahmen sogar an den Vorbereitungen teil.

 

BAUTZEN

Montag, 2. August 2010

Über die Autobahn näherten wir uns Bautzen.  Als wir über die Friedensbrücke fuhren, erschloss sich uns trotz des Regens das Panorama der Stadt mit Wasserturm, Michaeliskirche, Schloss, Dom und Rathaus. Im Zentrum stieg Frau Peters für die Stadtführung zu. Wir erfuhren, dass die 1000-jährige Stadt auf einem Granitfelsen erbaut wurde, der von drei Seiten von der Spree mit ihren steilen Ufern begrenzt wird. Sie bieten zusätzlich Schutz für die Stadtmauern, die sich darauf noch 9, 70 m hoch erheben. Es gab derer sogar drei. Bautzen erreichte seine Blütezeit vom 12- 15. Jh. Danach wurde es von Görlitz überflügelt. Vor 200 Jahren beschloss man die Mauern zu verkaufen und im Nu waren sie verschwunden. Denn man verwendete die Steine als Bruchstelle für Baumaterialien. Nur noch stellenweise z. B. von der Friedensbrücke aus kann man sie heute noch sehen. Wir parkten am Schützenplatz vor der Senke mit dem Ausblick auf die Ruine der Nikolai- Kirche, die in die Stadtmauer integriert, im 15. Jh. der Zerstörung anheim fiel. Der Friedhof daneben besteht heute noch. In der Talsenke verläuft die schon erwähnte „via regia“. Der höchste Turm ist der Kirchturm des St. Peter- Domes mit 84 m. Von der Stadtmauer sind in der Altstadt insgesamt 17 Türme und Bastionen erhalten geblieben. Deshalb nennt man B. auch die „Stadt der Türme.“ Das Schloss heißt „Ortenburg“, der „Ort am Fels.“ Im 30-jährigen Krieg ist B. von Wallenstein belagert und dreimal zerstört, aber nie erobert worden. Zunächst hielt es B. mit dem Kaiserlichen Heer, danach mit den Schweden. Bis 1635 gehörte die Lausitz zum Habsburgischen Böhmen. Erst danach kam sie an Sachsen. Die Lausitz war also immer schon Übergangsland zwischen Böhmen, Sachsen und Brandenburg-Preußen.

 

In Bautzen(Budysin) selbst sind 10 % der Bevölkerung Sorben, auf dem Lande bis zu 70%. Auf jeden Fall ist die Oberlausitz ein zweisprachiges Gebiet. Die Zahl der Sorben schätzte man vor der Wende auf 100.000, jetzt dürften es kaum noch 60.000 sein, infolge der Arbeitssuche und der allgemeinen Abwanderung. Viele Dörfer verschwanden auch infolge des Tagesabbaus der Braunkohle. (130 an der Zahl!)

 

Berüchtigt ist B. wegen seiner Gefängnisse geworden. Fast in jedem Turm war eins, dann aber entstanden zwei große Gefängnisse. 1904 erhielt die Stadt und Region ein erstes großes Gefängnis vor der Stadt, das im Volksmund wegen seiner gelben Mauern aus gelben Backsteinen bald den Namen „Gelbes Elend“ erhielt. In der NS – Zeit diente es als Internierungslager, nebst Sachsenhausen und Hoheneck. Auch nannte man es etwas ironisch schönstes Gefängnis Deutschlands. In den Garten- anlagen ringsherum blühten tatsächlich viele schöne Blumen unter anderem auch Rosen.

 

Von hier ging´s zum „Ziegendorf“, ein Stadtteil so benannt wegen seiner Tierhaltung. Typisches Gericht  hier ist der Rindertafelspitz mit Meerrettich. Den „Gesundbrunnen“ schrieb man einem vermeintlich heilwirksamen Bächlein zu.

Heute wohnen in den Plattenbauten  8.000 der 41.000 Einwohner Bautzens. Die heutige Wasserversorgung kommt von einem Stausee der Spree mit 600 ha Wasserfläche.

Zu der ersten Gefängnisanlage kam Bautzen II. hinzu. Es diente zunächst als Untersuchungsanstalt für das Gerichtsgebäude. Beim Herannahen der Front kam es am 20. April 1945 zur Räumung.

 

Bis Anfang Mai wurde hier noch hart gekämpft. General Schöller hatte  B. wieder zurück erobert.  Als die Stadt den Sowjets schließlich übergeben wurde, waren keine Häftlinge mehr da. 70% der Altstadt fiel in den Kämpfen der Zerstörung anheim. An vielen Stellen blieben nur noch die 200- jährigen Bäume stehen, bzw. schlugen sie wieder aus. Sie bilden bis heute einen „Grünen Ring“ um die Altstadt.  Der KGB entdeckte Bautzen II. recht bald für seine vielen politischen Häftlinge, danach übernahm es die DDR zum gleichen Zweck. 80% – 85 % der Einsitzenden waren politische Häftlinge. Hier saßen berühmte Häftlinge wie Rudolf Baro… 

Die Bebauung der modernen Vorstädte begann im 19. Jh. Es waren meistens Arbeits- und Berufssuchende aus Ost-Sachsen, die sich hier niederließen. Deshalb kam B. auch nach Sachsen.

 

Anschließend fuhren wir an zwei Kirchen vorbei: an der Taucherkirche, die als Begräbniskirche dient und so benannt ist nach der sorbischen Ortschaft Tucho 15 Km von hier entfernt – und die Gefängniskirche „Maria und Marta“.

Das Postamt galt vor 45 Jahren als das mordernste der DDR. In der Villa Weigand wohnten die Besitzer der Zigarrenfabrik. Die Liebfrauenkirche ist 700 Jahr alt. 

Nun wandten wir unsere Aufmerksamkeit den zwei wichtigsten Türmen zu: dem Reichenturm und dem Wendischen Turm. Der Reichenturm neigt sich leicht und wäre vor 60 Jahren beinahe eingestürzt, hätte man nicht massiv Stützbeton ins Fundament gegossen. Was war geschehen? Obwohl die ganze Stadt auf einem Granitfels gebaut wurde, übersah man beim Bau aus dem Jahre 1449, dass der Fels an der Stelle drei Meter tiefer liegt. Der Reichenturm, mit seinen 56 Metern,  ist 1,45 m höher als der Wendische Turm. Der obere Teil ist vor 250 Jahren barockisiert und mit den Wappen der Stadt und des Königreiches Sachsen versehen worden. Das Stadtwappen zeigt genau die zwei Türme.  Hier haben die Türmer Sommer wie Winter über Stadt und Land gewacht. Bei Gefahr blies er in sein Horn und läutete die Sturmglocke. War Feuer ausgebrochen, so schwenkte er die rote Fahne in die Richtung und zu dem Stadtteil, wo es brannte. Bei Ausbruch eines Feuers, war die Gefahr sehr groß, dass es auf weite Stadtteile übergreifen würde, weil B. sämtliche Winde von Böhmen herüber bekommt. Deshalb heißt es auch, dass von den 365 Tagen des Jahres an 360 Tagen der Wind bläst. Und oben auf dem Turm bläst er dreimal stärker als unten. Ein weiterer Grund, weshalb so viele Häuser abbrannten, war das Problem mit dem Herbeischaffen des Löschwassers. Denn die Brunnen sind unter dem Felsen noch 45 m tief. Nur wenige Häuser verfügten über einen eigenen Brunnen. Das Feuer war stets schneller. Vor 500 Jahren gelang es den ersten Wasserturm zu errichten, der das Wasser von der Spree durch Schaufelhebung nach oben brachte. So entstand eine erste Wasserleitung bis zum Brunnen vor der Dom-Kirche  Dennoch liegt der letzte Brand erst 34 Jahre zurück.

Die Stadt erließ auch Instruktionen für den Türmer. Unter den 10 Punkten der Regularien heißt es im 4. „Dem Wachmann ist bei Strafe verboten sich voll zu saufen!“

Neben dem Wendischen Turm befindet sich ein sog. „Schuldturm“ von Kamenz, dem Erbauer der Semperoper errichtet. Jetzt hat sich dort symbolträchtig das Finanzamt eingenistet.

Vom Reichenturm beschritten wir die gleichnamige Straße. Hier sind sternförmig zueinander die Richtung der verschiedenen Türme im Pflaster mit Messingtafeln und Namen eingelassen.

Der Marktplatz besitzt seit 1213 ein Rathaus mit 3 verschiedenen Uhren: Sonnenuhr, Zifferblattuhr mit römischen und eine Uhr mit arabischen Zahlen. Daneben hat ein Spaßvogel nach dem Sieg über die Türken bei Wien 1683 einen Turban gemeißelt und in luftiger Höhe angebracht.  Neben dem Rathaus gibt es ein Gewandhaus, in dem Tuch und Webwahren vertrieben wurden. Im Eckhaus soll Napoleon 1813 inkognito übernachtet haben. Er hatte zwar die  Schlacht bei B. gewonnen, aber mit so hohen Verlusten, dass er um sein Leben bangen musste. Bereits 1230 trat B. der „Weltkappe“ bei. Das war ein Handelsabkommen mit Meißen. So erhielt B. den Beinamen „Sächsisches Nürnberg“. Nicht zuletzt trugen dazu die zahlreichen Gold- und Silberschmiede bei. 1405 kam es zum Aufstand der Zünfte gegen den Stadtrat. Man verhaftete die Ratsherren kurzerhand und auch den Bürgermeister. Um was ging es? Der König hatte erlassen, dass die Bürgerschaft im Stadtrat vertreten sein müsste, was jedoch nicht geschah. Nur die Zunft der Fleischer machte beim Aufstand nicht mit, sondern hielt zum Bürgermeister. Als dann der König zu Gericht kam, ließ er über 100 Todesurteile vollstrecken. Es war der grausame Wenzel IV. von Böhmen.  

Der ungarische König Mathias- Korvin vereinigte durch die Heirat der böhmischen Königstochter sein Reich mit der Böhmischen Krone. Die Wahlmänner hatten ihn dann auch zum neuen König von Böhmen gewählt. Das brachte eine erhebliche Verbesserung und Erleichterung für den Handel ein. Der erfolgreiche und umsichtige König strebte danach auch nach der Kaiserkrone. Deshalb zeigt ihn ein Stadttor, wie er sich auf zwei Löwen stützt. Auf jeden Fall soll er als einer der Kandidaten für den Kaiser gehandelt worden sein. Die Legende weiß zu erzählen, er hätte hier eine Geliebte gehabt, wobei natürlich zu fragen ist, ob er überhaupt jemals nach B. gekommen sei.

 

1424 kamen die Hussiten und belagerten die Stadt, zogen jedoch nach Entrichten eines Schongeldes  wieder ab. Vom Marktplatz ging es zum Fleischermarkt nebenan, dem Platz vor dem Dom. In dessen höchster Etage befindet sich ebenfalls eine Türmerwohnung, die heute noch bewohnt ist, kenntlich durch den Blumenschmuck an den Fenstern. Heute gibt es dorthinauf sogar Wasserleitung und Strom. 

 

Der Petri Dom ist eine der 64 Simultankirchen Deutschlands und davon die am längsten genutzte. Vor dem Bau steht ein Brunnen mit dem Bildnis von Johann  Georg I. Er war der Urgroßvater des späteren Königs August des Starken. Er kämpfte im 30-jährigen Krieg zunächst an Seite Kaiser Ferdinands II. gegen die Schweden. Dafür erhielt er die Lausitz 1620 als Pfand. Deshalb hält er in der einen Hand die Pergamentrolle, auf der er sich dies beurkunden ließ. Später wechselte er die Fronten und ging zu den Sachsen über.

Wie funktioniert so eine Simultankirche, in der jeweils die Altäre im Blickkontakt stehen, und die Kirche lediglich durch einen Lettner und dann zunächst durch ein hohes Gitter, aber jetzt durch eine gewöhnliche Chorschranke getrennt sind und wo man sich gegenseitig gut sehen und hören kann? Die Gottesdienste sind  zu verschiedenen Uhrzeiten angesetzt: 9.00 Uhr katholisch; 10.30 evangelisch. Die Aufsicht wechselt alle zwei Wochen von einem zum anderen Bekenntnis. Der protestantische Teil ist vierschiffig und hatte den Altar ursprünglich an der Seitenwand.  Die gemeinsame Nutzung geht bereits auf das Jahr 1530 zurück, als das Domkapitel eigene lutherische Gottesdienste erlaubte. Dem Verhandlungsgeschick des Domdekans Johannes Leisentritt (1559-1586) ist es zu verdanken, dass der Bautzener Dom auch für die katholischen Gottesdienste erhalten blieb. Die jetzige Innenausstattung kam erst nach dem 30-jährigen Krieg hinein. Ursprünglich gab es nur einen Eingang von der katholischen Seite her. Dafür dürfen die Katholiken bei besonderen Festen wie Fronleichnam den ganzen Dom benutzen. Mittlerweile gibt es auch einen protestantischen Ausgang. Das Nutzungsrecht besteht jedoch nach wie vor. Die Tür in der Chorschranke steht offen.

 

Der Katholische Teil macht nur ein drittel der Fläche aus und stellt den ehemaligen Chor der Kirche dar, der zwischen dem 3. und 4. Joch einen Knick aufweist und sich somit optisch abgrenzt. Titelheiliger der ersten Kirche unter dem dritten Meißener Bischof Eido(992-1015) vor dem Dombau war Johannes der Täufer. Durch Errichtung des neuen Chores des Domes 1221 trat ein Wechsel bzw. Ergänzung des Patronates auf Apostel Petrus und Johannes den Täufer. Dies wird sichtbar im Altarbild, das die Übergabe der Schlüssel durch Jesus an Petrus darstellt. Es  flankieren die   Gestalten von Johannes dem Täufer mit dem Lamm und Fell und Johannes der Evangelist mit Adler und Kelch.  Oben stehen die Gestalten von Bischof Benno mit dem Schlüssel und von Bischof Donatus, ebenfalls mit Mitra.  Beide gelten als die Patrone des alten Bistums Meißen. Die Sage erzählt, dass der Bischof mit seinen Meißener Untertanen so unzufrieden war, dass er vor Zorn den Domschlüssel in die Elbe geworfen habe. Kurz darauf entdeckte man ihn jedoch wieder im Magen eines Fisches. Wie uns Altregens Dr. Michael Hofmann in einer Homilie später darlegte, war Benno ein Mensch, der den Frieden suchte und nur eines wollte, Missionar zu sein. Der Fisch ist sein Wahrzeichen für seine Berufung und sein Bemühen Menschenfischer zu sein. Heinrich der IV. verbannte ihn nach dem Aufstand des sächsischen Adels ein ganzes Jahr lang. 1085 musste er nochmals in eine dreijährige Verbannung. Bis ans Ende seines Lebens 1106 saß er immer wieder zwischen zwei Stühlen. 1539 ist sein Grab geschändet worden, aber zu dem Zeitpunkt waren seine Gebeine bereits unterwegs nach Bayern und fanden unter Herzog Albrecht V. in München ihre letzte Ruhestätte. Als Apostel der Wenden ist er in die Kirchengeschichte eingegangen.

Ganz oben auf dem Auszug des Altares thront der  heilige Erzengel Michael, der als Schutzpatron der Stadt gilt. Der Überlieferung nach soll er Bautzen vor den Hussiten bewahrt haben. 

Zwei italienische Künstler waren im katholischen Teil am Werk. Giovanni Maria Fossati führte den Aufbau des Hochaltares aus sächsischem Marmor aus  oHound der  aus Venedig stammende Hofmaler Giovanni Antonio Pellegrini malte die beiden Altarbilder: die schon erwähnte Schlüsselübergabe an Petrus und im oberen Stück Gott Vater, der die Weltkugel an sich drückt. Pellegrini war zunächst Hofmaler in Würzburg und dann in Dresden.1885 wurde das barocke Altarbild von Franz Wenzel Schwarz durch ein ähnliches  Gemälde  ersetzt. Benjamin Thomae, ein Schüler von Balthasar Permoser schuf die Sandsteinplastiken zum Hochaltar.  Der Meister selber schenkte der Kirche ein beieindruckendes Kruzifix, das im Seitenschiff an der Wand hängt. Daneben steht die Schmerzensmutter, ebenfalls  von einem süddeutschen Meister, der aber unbekannt ist.  Der Volksaltar trägt die Inschrift: „honorI  TrIVnIVs D ei, SanCtI PetrI aLtare saCratVM est“. Zur Ehre des dreieinigen Gottes und des heiligen Petrus  ist der Altar geweiht. An dem Sakramentsaltar im nördlichen Umgang lehnen sich zwei Beichtstühle an: der eine für die Männer mit dem hl. Petrus, der andere für die Frauen mit der hl. Magdalena. Im südlichen Teil des Chorumgangs  befindet sich noch ein spätgotischer Flügelaltar. (1450) Er zeigt die Muttergottes mit Krone und Jesuskind, flankiert von Bischof Nikolaus und dem Apostel Bartholomäus mit dem Schabmesser, an dem seine Kopfhaut hängt.

 

Der alte Altar des größeren  evangelischen Kirchenteiles zeigt in der Prädella das Letzte Abendmahl mit den entsprechenden Schriftstellen.1 Kor 11,24 und 11,26; 1 Johannes 1,8 und Psalm 26, 6: „Ich habe meinen Halt zu deinem Altare.“ Darüber betont das Mittelstück die Kreuzigungsgruppe, und das obere Stück die Auferstehung. Ganz oben auf dem Regenbogen thront der wiederkommende Christus als Weltenrichter.  Die kunstvoll mit Ranken und Reben geschnitzte  Fürstenloge im Südwestlichen Teil birgt das Archiv fürs Notenmaterial. Die Kanzel ist aus gestrichenem und verziertem Holz. Am östlichen Teil des evangelischen Teils vor der Chorschranke befindet sich jetzt ein Tischaltar.  Seit dem  19. Jh. haben die evangelischen Christen auch das Schlüsselrecht erworben. Im Gegenzug dafür läuten die Glocken, die dem  evangelischen Teil gehören auch zu den katholischen Gottesdiensten. Die hatten bis dahin nur ein kleines Glöckchen, das danach in die Kapelle des Nikolaifriedhofes kam.

 

Es gibt in der Simultankirche auch zwei verschiedene Orgel. Die katholische ist etwas kleiner, aber dafür älter. Die evangelische ist 100 Jahre jünger und größer(ung. 85 Register) Zuweilen finden gemeinsame Konzerte statt, bei denen beide Orgel zusammen klingen.

 

Nach der Wiedererrichtung des Bistums Meißen 1921 war der Petri- Dom  zunächst Kathedralkirche, nach Umzug des Bischofssitzes nach Dresden ist sie immer noch Kokathedrale. Der letzte Bischof von Meißen war in der Reformation Protestant geworden. Für den Rest des Bistums bestellte der Papst einen Administrator, der in der Lausitz residierte bis 1980 oder 90 die Verlegung nach Dresden in die Hofkirche stattfand. Immer noch kommt der Bischof jedes zweite Jahr zum Fronleichnamsfest nach B.

 

Nach  Verlassen des Domes fiel uns das Pfarrhaus in den Blick mit der Aufschrift:

 

MoDo

HoC

CoeLo

FaVente sto

(Aus des Himmels Gunst stehe ich hier!)

 

Danach kamen wir zur zweiten Stadtruine, dem ehemaligen Franziskanerkloster, in dem bei einem Treffen 405 Mönche zusammen gekommen sein sollen. Der Stadtteil heißt auch Budenstadt wegen der vielen Holzprovisorien, die hier aufgeschlagen wurden. Sie gibt den Blick auf den neuen Wasserturm frei, der seit 1878 die Wasserversorgung ermöglicht durch Hochpumpen des Spreewassers, die bis vor 45 Jahren in Betrieb war. Heute erfolgt sie über den gestauten Wassersee.

„Wollen wir die Berliner foppen,

brauchen wir nur die Spree stoppen!“

 

In der Nähe entdeckte Mitbruder Reinhard Stauch eine Inschrift und bat mich diese aufzuzeichnen:

 

DEMITZ THOMITZ  Bautzen – Dresden

 

Das Mittagessen nahmen wir in der Gaststätte des aus Böhmen stammenden Räuberhauptmannes Kasarek ein.

Danach unternahmen wir einen Spaziergang zur Friedensbrücke. Die Michaelskirche stellt  das Gotteshaus dar für die evangelische Christen und die evangelischen Sorben, die es ebenfalls hier gibt.

 

BESUCH IN BAUTZEN II – GEFÄNGNIS

Im Gegensatz zu Bautzen I auch „Gelbes Elend“ genannt, in dem Schwerverbrecher einsaßen, galt Bautzen II als Spezialanstalt für politische Häftlinge. (Stasiknast)

1906 waren hier als Häftlinge lediglich 130 Gerichtsgefangene. In der NS- Zeit kamen die ersten politischen Häftlinge hierher, unter denen die prominentesten Ruppert Peschke, Ernst Thälmann, Rudi Hell, Julius Putschin zählten. Im Februar 1945 wurde es geräumt und als Speziallager gebraucht, doch der KGB erkannte recht bald, dass sich die Haftanstalt für politische Gefangene gut eignete, die zwischen 1945 – 1950 ohne Prozess einsaßen. Man pferchte nicht selten 85 Personen in einen Raum, so dass jeder nur 30-40 cm für die Schlafstelle zur Verfügung hatte. Recht bald wuchs die Zahl der Häftlinge auf 3.000. Es hat hier zahlreiche Erschießungen gegeben. Die Toten verscharrte man einfach. Nach der Wende fand man bis jetzt 248 Skelette. Hier schmachtete auch der Schriftsteller und spätere Moderator von XY- Aktenzeichen:  Eduard Zimmermann. Die DDR übernahm dann 1950 das Gefängnis vom  KGB. Darin befanden sich im Schnitt 2000 Personen. 1956 wurde es zum Stasi-Gefängnis. Die Verhöre fanden meistens nachts statt. Die Offiziere stellten sich nie vor. Sie erhielten nur von  den Gefangenen verschiedene Namen. Deshalb ist es zurzeit nicht möglich sie zu identifizieren. Es leben vermutlich viele von ihnen von ihrer Rente, an der Blut klebt. 95 % der Volkspolizisten sind bei der Wiedervereinigung einfach übernommen worden. Unter den Gefangenen selbst gab es 20% Spitzel. Ja, selbst die Offiziere bespitzelten sich gegenseitig, das Aufsichtspersonal nicht ausgenommen. So hat jeder jeden überwacht.  In den Verhörzimmern wurden Schlaf- und Prügelfolter nicht nur angedroht, sondern auch vollzogen.

 

Die Versorgung  war denkbar schlecht. Schlechtes Essen und Kälte waren an der Tagesordnung. Anstelle von Matratzen gab es Strohsäcke. Morgens gab es Appell, dann Arbeitsgruppen von 20-30; um 11.30 Mittagessen, 16.30 schon Abendessen, um 20 Uhr gingen überall die Lichter aus. In der Nacht wurde stündlich kontrolliert, ob auf dem Rücken geschlafen wurde, die Hände oberhalb der Decke haltend. Einmal im Monat durften die Häftlinge einen Brief DINA 4 schreiben. Einmal am Tag durften die Häftlinge unter Aufsicht in  den Freigangshof. Die Arbeitsnorm lag sehr hoch, bei 700 Stück pro Tag. Wer diese nicht schaffte oder andere Vergehen begangen hatte, der kam ins sog. „Arrest“. Das bedeutete, zusätzliche Einschränkungen und Schikanen über sich ergehen zu lassen. Sie bestanden in Toilettenent                   zug, Platzmangel zum Stehen oder Sitzen bis zur Zwangsjacke. Nachts bekamen sie keine Decken und bei all dem nur halbe Verpflegung. Einige mussten jahrelang in die Isolierhaft. Untersagt war hier auch der Hofgang. 34.000 Häftlinge sind von der Bundesrepublik frei gekauft worden für die Summe von 4,3 Milliarden DM. Ein Häftling kostete zwischen 30.000 – 90.000 DM. Am Anfang musste diese Summe in Bar entrichtet werden, danach genügte Überweisung oder Güteraustausch.    Einmal im Monat durfte man einen Film ansehen. 1989 kam es durch Einwirkung der Presse zur Befreiung der Politischen, 1992 zur Auflösung von  Bautzen II. und Umfunktionierung zur Gedenkstätte.

 

Die Anstalt besteht aus 5 Etagen, mit je 1000 qm. Während der Weimarer Republik war sogar Seelsorger zugelassen, die in der Anstaltskapelle Gottesdienste feiern durften. Die Stasi wandelte letztere in einen Kinosaal um. Ab 1978 durfte wieder etwas Seelsorge betrieben werden durch Pfr. Giecheder, der aber ein Mitarbeiter der Stasi war. Mielke wählte Bautzen als Standort, weil es weit weg von den großen Stadtzentren lag. In den 80-er Jahren tauchten immer häufiger Probleme auf, weshalb man überlegte, das Haus zu schließen und nach Berlin zu verlegen. Man wollte 3.350 Gefangene dahin bringen. Man trennte auch Eheleute. Einmal pro Quartal durften sie Besuche empfangen. Der sog. „Grotewohl-Express“ ein Fahrzeug, das als Obsttransporter ohne Fenster getarnt war, brachte jeweils 13 hierher. Die Namen verschwanden hier, der einzelne galt nur noch als Nummer. Für ihre Arbeit erhielten sie 30 DDR- Mark zum privaten Gebrauch, der Rest wurde einbehalten. Gegen Ende erhöhte man die Summe auf 90 DDR- Mark. Hier war auch die Kreisdienststelle der Polizei untergebracht. Es gab 8 verwanzte Zellen. Hier saß auch Thomas Luca, der aus einem kommunistischen Elternhaus kam und einen Fluchtversuch in den Westen unternommen hatte. Im Eingangbereich befindet sich eine Plastik von Julius Fucik. Es waren meistens Intellektuelle, Professoren, Lehrer und Studenten. Die einzige Umschlagstelle für Nachrichten war die Küche, in der Häftlinge kochten oder beim Friseur. Außerdem verständigte man sich über Klopfzeichen. Wir gingen in die Zelle 103, die besonders belastend aussah.

 

Marienstern

 ist ein Kloster der Zisterzienserinnen, das vor 750 Jahren gegründet wurde. (1248) In seiner Blütezeit erreichte es im 14. Jh. 70- 90 Schwestern, im 19./20 Jh. schrumpfte ihre Zahl auf 25-35  Der Stifter war Bernhard III. von Kamenz.   Die Legende erzählt, dass er auf der Jagd in einen Sumpf geraten sei und den Boden verloren hätte. In seiner Not hätte er um die Fürsprache der Gottesmutter angesucht. Darauf sei ihm Maria im aufgehenden Morgenstern erschienen  und recht bald faste das Ross wieder festen Tritt. Wie dem auch war, kam es bei dem Edelmann zu einer Bekehrung aus den seelischen Sümpfen und durch den Glauben zur sicheren Orientierung, wofür früher die Sterne standen.  Aus Dankbarkeit gründete er an der Stelle das Kloster „Marienstern“ und erwirkte für dieses dank seiner vielfachen Verbindungen nach Paris und Rom Ablässe und Spenden. Das heißt: das ganze Abendland beteiligte sich am Klosterbau. Trotzdem kam es 1270 zu einer Finanzierungskrise, infolge derer, das geplante rechte Seitenschiff als Kreuzgang Verwendung fand, abgetrennt von der Kirche durch eine Wand, die Brüstungen aufweist, auf der jetzt heilige Gestalten stehen. Eine große Heimsuchung bedeutete der Einfall der Hussiten 1424, die das Kloster plünderten und brandschatzten. Die Schwestern konnten  gerade noch nach Bautzen flüchten. Aus der allgemeinen Zerstörung konnten nur wenige Glasfenster erhalten bleiben. Sie wurden zu einem einzigen Fenster im Chor zusammengestellt, das die Bezeichnung „Hussitenfenster“ bekam.   

Die Reformation führte nicht zur Auflösung des Klosters hier, aber wohl zu großer Sorge wegen des fehlenden Nachwuchses. Der rekrutierte sich stets aus sächsischem Adel. In Neuzelle musste deshalb das Kloster 1541 schließen. Nach dem Wechsel 1635 von Böhmen nach Sachsen, blieb die katholische Konfession im Kloster erhalten. Es kam zu einem „Modus vivendi“ zwischen Katholiken und Protestanten. Die Dörfer bei Görlitz sind protestantisch geworden, das Gebiet um das Kloster – das Klosterland – blieb katholisch. Die Äbtissin hatte das Recht die Pfarrer einzusetzen, die bereit waren mit dem Kloster zu kooperieren. 1639 mussten die Schwestern vor den Schweden nach Gnesen fliehen. Dort vermittelte ihnen der aus Gnesen stammende Probst eine vorübergehende Bleibe. Äbtissin Rosita Schubert starb auf der Flucht. Äbtissin Irene Margarete Dorn führte sie – sobald es möglich war – wieder zurück.   Äbtissin Cordula Sommer ließ einen neuen Konventtrakt errichten, Wasserleitung einziehen und Heizung. 2- 3 Häuser konnten mit Kalfaktoren beheizt werden. Danach kam ein dritter Einfall der Schweden.

Die größte Schwächung des Ordens erfolgte jedoch nicht in der Reformation, sondern in der Französischen Revolution.

 

 Zu DDR- Zeiten hatte man das Kloster offiziell zugelassen, aber doch sehr eingeengt. So kam es zur Schließung der Bäckerei und weiterer Klosterbetriebe. Nur die Brauerei hat überlebt zusammen mit der Waldwirtschaft. Durch die Einrichtung eines Heimes für geistig Behinderte und Pflege alter Menschen, bekam die Klostergemeinschaft ihre Existenzberechtigung. Denn damit sah sich der DDR- Staat überfordert. Andererseits flossen dafür auch Fördergelder. Heute ist das, trotz der erlangten Freiheit-  alles wesentlich schwieriger geworden. Die Schwestern leben heute von den Pilgern, die hier übernachten und essen, wie auch von den Seminaren und Tagungen, Einkehrtagen und Exerzitien, die hier stattfinden.

Die Zisterzienserinnen folgen dem benediktinischen Tagesablauf von „Bete und Arbeite“, wobei der hl. Bernhard von Clairvoix die Verinnerlichung und Betrachtung intensiviert hat. Das zisterziensische Chorgebet, dem wir bei der Vesper beigewohnt hatten, entwickelte eigene Melodien und Singweisen, eben den Zisterzienser- Choral. Er übernahm Elemente aus der Stephansbibel, dem Ambrosianischen Gesang, maß- mäßig von Cluny und Judentum. Er ist niedergeschrieben in einem „Graduale triplex“.

Das Psalmenschema folgt einem zwei Wochenrhytmus. Die Horen sind um 4.30; 6.00  Uhr Kapitellesung; 7.00 hl. Messe; 11.30 Mittagshore; 15.00 Vesper; 17.00 Uhr Komplet.   

Der Zisterzienser-Kongregation steht ein Generalabt vor. Er wird aus der Gemeinschaft der Klöster gewählt.

 

DIE KIRCHE

Der im 18. Jh. gefertigte Hochaltar zeigt mit seinem Altarblatt die Aufnahme Mariens in den Himmel.  Das barocke Gemälde von 1751 ist infolge des Hochwassers 1897 verschwunden und durch ein anderes ersetzt worden.  Benedikt und Bernhard stehen rechts und links auf dem Hochaltar. Letzterer hält in der einen Hand  drei Nägel, in der anderen das Kreuz, flankiert von Lanze und Schwamm. Das Innere der Kirche ist durch eine Seitenempore zweistöckig. In den Arkaden stehen auf der Brüstung die Figuren aus dem Prager Barock von Ignaz Platzer aus Bautzen und aus dem Nachbarskloster Marienthal. Die einzelnen Heiligen in den Arkaden sind: 1. Wenzel;  2. Maria mit Katharina und Ursula 3. Ordensheiligen: Hl. Josef mit Benedikt und Bernhard; 4. Johannes der Täufer, Mauritius, Johannes Nepomuk als Brückenpatron. Ein Engel fährt vom Chor der Heiligen von der Empore bis zu dem der Sünder unten. Die Kirche erschließt sich von Oben.  Dem Heiligen Leonhard, einem der 14 Nothelfer,  ist ein eigener Altar gewidmet. Desgleichen der hl. Katharina und der hl. Margareta.

 

Mariental

Besuch im Zisterzienser Kloster Mariental. Es erinnerte mich stark an das Stift in Heilig-Kreuz bei Wien. Im Hof steht die Dreifaltigkeitssäule. Die Kirche bildet mit dem Kloster eine Einheit, insofern man sich dadurch eine Mauer spart. Wir wurden ins Sprechzimmer gebeten, wo uns Schwester Elisabeth in Vertretung der Mutter Äbtissin  mit mehreren ihrer Mitschwestern und einer jungen Kandidatin empfing. Die Gründung geht auf das Jahr 1234 zurück. Der Legende nach hätte Kunigunde, die Tochter Philipp von Schwaben, der 1208  in Bamberg ermordet wurde, hier ein Sühnekloster eingerichtet. Das Kloster erhielt neben Grundbesitz auch die Gerichtsbarkeit. Die Äbtissin musste also in den 25 Dörfern, die hierher gehörten auch Recht sprechen. Dazu gehörte auch das Städtchen Ossritz.  Auch gab es ein Gefängnis.

 

Vor 6 Jahren(2004) feierte das älteste Zisterzienserinnen- Kloster in Deutschland sein 750-jähriges Jubiläum. In der Zeit war es immer schon ein Ort des Glaubens. Große Heimsuchungen brachen über das Kloster herein während des 30-jährigen Krieges, als die Kirche vollständig nieder brannte. Die Folgen der französischen Revolution machten sich infolge der Zerschlagung der französischen Erstgründungen auch hier  bemerkbar. Unter Joseph II. und in der Säkularisation hieß es: „Wer katholisch ist, darf weiterhin katholisch bleiben. Die Klöster der Zisterzienserinnen wurden nicht aufgelöst.“   Während der NS- Zeit durften sie keine Novizinnen aufnehmen. Auch verschickte man die Schülerinnen 1938 in die Stadt und brachte die HJ hierher. Bis 1945 gab es noch das katholische Hinterland, das danach durch den Bevölkerungstausch immer mehr weg gebrochen ist. Während des Krieges gab es hier ein Lazarett mit über 400  Verwundeten, welche die Schwestern pflegten. Nachher kamen die Russen und verwüsteten alles. Es war eine schreckliche Zeit. So drohten sie eine Schwester zu erschießen. In der DDR konnten die Nonnen  überleben und ihre Existenz dank Übernahme eines Heimes für behinderte Mädchen rechtfertigen. Es war das Gebiet, auf dem der kommunistische Staat völlig versagte. Im Gegenzug durften sie fortbestehen und wurden auch weitgehend in Ruhe gelassen. Man tolerierte sie einfach  um den Preis des Totschweigens. Wer dazumal nach ihrem Stift gefragt hätte, hätte kaum eine Antwort in der Öffentlichkeit erhalten.

Nach staatlicher Anweisung hätten sie die behinderten Schülerinnen nur auf dem „Status quo“  halten sollen. Die Schwestern taten jedoch mehr. Sie versorgten die Jugendlichen nicht nur mit Essen und Kleidung, sondern hielten mit ihnen auch Schule, brachten ihnen das Kochen und den Weinbau bei, das Wirtschaften, wie auch verschiedene Textilberufe und so manches Handwerk. Sofort nach der Wende mussten zwei ihrer Fabriken und Manufakturen schließen: der Textilbetrieb und die Lederverarbeitung.

Zum Hauptproblem wird immer mehr der mangelnde Nachwuchs. Waren es ehedem 50-80 Schwestern, sind es jetzt nur noch 14. Eine Schwester kommt aus Ungarn. Es dürfte jedoch eine Landsmännin von mir gewesen sein, denn als ich sie ungarisch anredete, meinte sie, sie hätten daheim nur deutsch gesprochen. Und das konnten nur Donauschwaben gewesen sein.  Der Konvent ist somit überaltert und musste verschiedene Tätigkeiten abgeben, wie Landwirtschaft, Garten,  Stall, Webereien.  Die Ländereien sind mittlerweile alle verpachtet.  Von diesen Einnahmen und ihren bescheidenen Renten leben die alten Schwestern. Die Krankenversicherung ist auch ausreichend. Lediglich interne Bereiche wie Kirche schmücken und Sauber halten, Hostienbäckerei, Klosterpforte  gehen noch und können von den Schwestern allein abgedeckt werden. Inzwischen führt das Kloster 40 Angestellte. Auch hat man einen Förderverein gegründet, zu dem bereits über 200 Mitglieder gehören.

 

Als besonderen Schwerpunkt pflegt die Gemeinschaft die Sehnsucht nach Gott wach halten auch im Verdruss und wenn man schlecht drauf ist, also in der Realität des Alltags. Es gilt also Gott zu suchen im gemeinsamen Gebet, in der Gemeinschaft, aber auch im Schweigen, in der Versenkung und Kontemplation. Deshalb bauen die Zisterzienser ihre Klöster in den Tälern und an Wasserläufen, in der Einsamkeit, weit weg von den Behausungen der Menschen. Die Schwestern sind zu strenger Klausur verpflichtet und dürfen nur mit Erlaubnis der Äbtissin hinter Gitter ins Sprechzimmer kommen. Von den drei klösterlichen Gelübden heben sie besonders dir Armut hervor. Eine Schwester nennt nur eine Handtasche ihr Eigen und ihren Regenschirm. Seit dem II. Vatikanischem Konzil gab es und wird es auch in Zukunft  gewisse Öffnungen geben, aber der Gehorsam muss bleiben.

Eine Kandidatin muss während eines Probejahres das ganze Kloster von Innen her kennen lernen. Die Schwestern wählen ihre Äbtissin, die ihrerseits eine Stellvertreterin bestimmt.

 

Der Tagesablauf beginnt mit der Vigil um 4.30! Das Stundengebet spielt eine große Rolle. Die Zisterzienser sind ja reformierte Benediktiner. Ursprünglich wollten sie gar keinen neuen Orden gründen. Bernhard war der dritte Generalobere nach Robert von Molesme und Stefan.  Hinzu kommt der  Gedanke der Versöhnung zwischen Deutschen, Tschechen und Polen. Deshalb rief man hier das Zentrum für Begegnung ins Leben. Es trägt die schöne Aufschrift: „Dieses Haus möge erhalten bleiben bis die Ameise die Neiße ausgetrunken und die Schildkröte die ganze Welt umrundet hat.“  Die Werke der Nächstenliebe fasst die „cartula caritatis“ zusammen. Zur 750- Jahrfeier kamen mit der Diözesanwallfahrt über 20.000 Pilger hierher. Zu diesem Anlass kamen mehrere ausländische Äbte aus Österreich,  Westdeutschland und die Schweiz. Damit die einen möglichst guten Eindruck von der Religionspolitik der DDR bekämen, ließ man das Kloster von Grund auf restaurieren.

 

G Ö R L I T Z

Führung durch Herr Bambenick, der einen Priestersohn in unserer Erzdiözese hat. Er kam zu unserem Bus und bei strömenden Regen begaben wir uns in die

Hoffnungskirche, wo uns Pfarrer Hans Hirschmann erwartete und willkommen hieß. Die Kirche ist buchstäblich hier her versetzt worden. Denn ihr ursprünglicher Standort befand sich 80 Km von hier entfernt in Deutsch-Ossig, einem Dorf, das dem Tageabbau der Braunkohle weichen musste. In dem Vorort „Königshufen“  lebten von den 80.000 Einwohnern Görlitz´s  30.000 Menschen. Nach der Wende schrumpfte ihre Zahl auf 8.000 und die der Gesamtbevölkerung auf 50.000. Eine Kirche also mitten in einem sozialistischen Vorort! Das war spannend und aufregend.  Die ursprüngliche Kirche ist 1750 erbaut worden. Zum Teil hat man einen Neubau aufgezogen, die Gemälde und Malerei hat man abgenommen und wieder aufgesetzt. Es ist eine Dreifaltigkeitskirche. In dem Vorort hatte man 6.000 Plattenbauten für Bergarbeiter errichtet. Nunmehr stehen viele Häuser und Wohnungen leer. Der Stadtteil entstand 1884 als Gauklersitz für die Zirkuswagen der Oberlausitz.

Der Baustil der Kirche zeichnet den Übergang vom Barock zum Rokoko. Die  drei Personen der hl. Dreifaltigkeit finden ihre Darstellung am Altar: Gott Vater thront von Engeln umgeben auf dem Auszug des Altares: für Jesus Christus steht das Lamm oberhalb des Altars mit dem Buch des Lebens, und die Heilig-Geist-Darstellung verbirgt sich hinter dem Altar. Auf dem Altar befinden sich weitere Engel mit dem Zeichen für Liebe(Herz) und Glaube(Kreuz) Das Altarkreuz befindet sich hinter dem Kanzelkorb und erteilt den Segen. Den Altar flankieren Petrus(Schlüssel) und Paulus(Buch).  Ein Verkün

digungsengel hängt an einem Seil herunter und hält die Taufschale mit einem Spruchband.  Über dem Beichtstuhl, am Ende der Loge für die Gutsherren,  sehen wir die Schlüssel als Symbole des Lösens und Bindens. Der Beichtstuhl trägt den Spruch: „Ach, Herr ich habe gesündigt“.  Die 10 Gebote künden die Tafeln unter der Kanzel. Die Kirchenbänke sind vermietet und mit Namen und Nummern versehen.

 

Mittlerweile hat man 1997 den Tagabbau der Braunkohle eingestellt, weil man die Kohle wesentlich günstiger aus Polen bezieht. Görlitz ist im Krieg nicht zerstört worden, deshalb sind hier auch Originale erhalten geblieben, wie man sie anderswo nicht mehr antrifft.

 

Görlitz ist das kleinste Bistum Deutschlands. Warum? Man wollte bewusst die Erinnerung an das Erzbistum Breslau wach halten, deren Rest es diesseits der Neiße darstellt. Erster Bischof war Rudolf Müller, gefolgt von Josef Zsarda, dem neu ernannten Bischof von Augsburg. Die Dompfarrei ist St. Jakob. Außerdem gibt es noch die  Franziskanerkirche St. Hedwig. Die erste katholische Kirche entstand 1853. Bis dahin mussten die Katholiken in den Nachbarort nach Jauernick. Die Bistumsverwaltung befindet sich im St. Otto- Stift. Infolge Ansiedlung schlesischer Bauarbeiter, die katholisch waren,  entstanden hier auch zwei katholische Gotteshäuser.

 

DAS Hl. GRAB und KREUZWEG

In Görlitz gibt es unter den insgesamt 17 Heiligen Gräbern in Deutschland den  wertvollsten Nachbau des hl. Grabes und des Kreuzweges von Jerusalem in ganz Deutschland.  Im 15. Jh. gab es in Görlitz zwei Gemeinden: die der Rechtgläubigen und die der Ketzer(Hussiten) Im Jahre 1464 unternahm der Sohn des Bürgermeisters Georg Emmerich eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Ausgelöst hatte diese eine tragisch verlaufene Liebe zu der jüngsten Tochter des Hussitenführers in der Stadt(Romeo und Julia). Als diese ein Kind von ihm erwartete und er sie heiraten wollte, kam es zu Unruhen mit einer Bürgerverschwörung. Als Buße ward dem unglücklichen Liebhaber eine Pilgerreise nach Jerusalem auferlegt worden. 1465 kam er dort an und ließ sich zum Ritter des hl. Grabes schlagen und erhielt somit die Lossprechung.  1581 als er selber Bürgermeister von Görlitz geworden war, entschloss er sich das Hl. Grab mit seinen Kappellen und Symbolen maßstabgetreu hier nach zu bauen. Vorher stand auf dem Hügel außerhalb der Stadtmauern nur ein schlichtes Holzkreuz. Der Kreuzweg wurde auch in der Zeit nach der Reformation weiter gegangen. Am Karfreitag wurden hier jeweils 7 Stationen gebetet und das Abendmahl ausgesetzt. Man begann den Kreuzweg jedoch in umgekehrter Richtung zu gehen: Vom hl. Grab bis zur Verurteilung durch Pontius Pilatus. Das ist die ursprüngliche Reihenfolge, wie sie im heiligen Land während der Kreuzzüge aufgekommen war. 

 

FÜHRUNG

Die Führung übernahm hier Herr Michael Schmuck von der ev. Kirche, in deren Besitz sich auch die Heiligtümer befinden.  Der Leidensweg beginnt mit der Kapelle zum Heiligen Kreuz. Die Führung begann in deren unteren Teil, in der  1.) Adamskapelle, zu der 33 Stufen hinaufführen, eingedenk der 33 Lebensjahre Jesu. Sie führt uns gleichsam die Unterwelt vor Augen führt. Hinter dem Altar fällt sofort ein großer Sprung in der Wand auf, der daran erinnert, dass beim Tode Jesu, der Vorhang des Tempels mitten in zwei riss. Im gleichen Raum befindet sich auch das Grabmahl des Stiftes Georg Emmerich mit seinen Kindern. Die Grabinschrift auf dem Wappenschild zitiert Psalm 18: „Der Herr führt mich…  Er reißt mich wieder heraus, denn er hatte Lust zu mir.“  Das Schild zeigt auch Nixen, die ihn von seiner langen Seereise ablenken wollten. Er aber hatte all diese Prüfungen durch gestanden und den Ritterschlag erhalten. Von hier gingen wir dann hinauf zur

2) Golgatha- Kapelle: In den Raum strahlt durch große Fenster viel Licht herein, besonders abends. Im Boden fallen uns drei große Löcher auf – sie sind für die Baumstämme der drei Kreuze gedacht. Das mittlere Loch umgibt eine Dornenkrone mit 13 Dornen auf. (12 Dornen für die 12 Stämme Israels und der 13. für Jesus)  Außerdem gibt es 11 Stufen für die 11 Apostel nach dem Verrat des Judas. Lukas berichtet, dass einer der Schächer den Herrn verhöhnt und der andere ihn um Vergebung geben hat. Dem wendet sich Jesus zu. Auf dem Altar führt eine Blutrinne über den Riss der Adamskapelle, um die ganze Menschheit zu versöhnen. Im Altar befindet sich eine Kreuzreliquie, die als Würfelbehälter gestaltet ist. ( mit 4 Klee- und 4 Eichenblättern..) Wer sich auf die Buchstaben INRI am Boden vor dem Kreuz stellt, erblickt durch eine Luke in der Decke den Himmel. Die Leiter  ist rückwärts angelehnt. Weitere Kapellen waren die Salbungskapelle und  das Heilige Grab selber. In letzteres mit seiner Vorkammer bin ich eingetreten. Es war schon ein eigenartiges Gefühl.    

Wegen des strömenden Regens konnten wir die Gesamtanlage nicht durchschreiten und in Augenschein nehmen.

 

St. Peter und Paul Kirche

Auf dem Vorgängerbau der dreischiffigen Pfeilerbasilika aus den Jahren 1225- 1235 entstand Anfang des 15. Jh. ein Neubau, dessen Grundstein auf dem Felsen 1434 gelegt wurde. Erst 1497 unter Leitung des Baumeisters Konrad Pflüger konnte der fünfschiffige Bau vollendet und geweiht werden. Nach den Zerstörungen durch den Großbrand 1691 erfolgte der Wiederaufbau mit barocken Elementen. Der Innenraum misst in der Längenachse 72 m. Im Chorraum ist der Altar hervorzuheben, 1695 von Georg Heermann in Sandstein und Stuckmarmor gefertigt. Das Altarbild zeigt die Himmelfahrt Christi. Den Altar flankieren zwei Beichtstühle. Im Auszug erscheinen Engel mit den Symbolen von Glaube, Hoffnung und Liebe.  Die weiß und gold geschaffene Kanzel stiftete 1693 ein begüterter Kaufmann aus Görlitz. Sie steht auf einer Engelsgestalt.  Besondere Erwähnung aber verdient die Sonnen- Orgel von Eugenio Casparini mit einem Prospekt von Johann Conrad Buchau. Der Orgelbau erfolgte 1701- 1703 und ist mit 56 Registern ausgestattet. Wegen der strahlenförmig angeordneten zwölfstimmigen Pedalmixtur erhielt sie die Bezeichnung „Sonnenorgel“. Mit ihren wellenartigen Tönen lassen sich Vogelstimmen nachahmen, vor allem hört man Nachtigallen schlagen und den Kuckuck rufen. Die kleinste Pfeife misst 6,2 mm und wiegt 15 g, die größte 2,8 m. Summiert man die Längen der 1700  Pfeifen zusammen ergibt das 152 km! Die Restaurierungsarbeiten der letzten Jahrzehnte fanden mit der Einweihung 2006 ihren Abschluss. Die Kosten belaufen sich auf 4,6 Millionen €.  

 

Stadtführung Görlitz nach dem Mittagessen im „Himmelreich“

Die Stadtgeschichte begann um das Jahr 1000. Namen gebend war das sorbische Dorf Gorelic, das 1071 erstmals in einer Urkunde Heinrichs IV. Erwähnung findet. Die Lage am Schnittpunkt zweier Handelsstraße:  von Ost nach West(via regia) und von Nord nach Süd,  begünstigte die Entwicklung des Ortes.  1220 gründeten Kolonisten aus Franken, Thüringen und Meißen hier eine Siedlung, die von den böhmischen Königen gefördert wurde. Schon 1303 bekam G. die Stadtrechte verliehen. Danach Münzrecht,  Zollfreiheit, Stapelrecht für Salz und Waid(Blaufarbstoff).  Bald besaß G. auch die Privilegien des Tuchgroßhandels und des Bierbrauens.  Einen Meilenstein in seiner Entwicklung bedeutete die Gründung des 6 Städtebundes im Jahre 1346: Görlitz, Bautzen, Löbau, Zittau, Kamenz und Lauben(heure in Polen). Die Händler gelangten zu außergewöhnlichem Reichtum, wovon die Häuser rund um Unter- und Obermarkt zeugen. G. wurde zur reichsten Stadt Deutschlands und konkurrierte mit Nürnberg. Sie besaß 35.000 ha eigenes Land. Täglich erreichten bis zu 1000 Fuhrwerke die Stadt. 1525 kam es zur Einführung der Reformation. Im 16 . Jh. entstanden bereits die ersten Tuch- Manufakturen  Im Schmalkadischen Krieg 1547 geriet der Bund in Konflikt mit Kaiser Ferdinand I., was zu einer Strafaktion führte (Pönfall) von dem sich die Städte nur schwer erholten. Der 6- Städte-Bund bestand bis 1815. Laut Beschluss des Wiener Kongresses fielen Görlitz und Lauben  von Sachsen an Preußen. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung eröffnete  Christoph Lüders eine Wagenbauanstalt für den aufkommenden Schienenverkehr. (1847)Im Jahre 1900 zählte G. bereits 81.000 Einwohner. Das Gas für die Straßenbeleuchtung stellten die städtischen Betriebe selber her. Im II. Weltkrieg hat die Stadt nur 30 Treffer abbekommen.  Nach der Wende schrumpfte sie auf 57.500 Einwohner.

 

Unsere Führung begann am Untermarkt. Hier gibt es viele Häuser, die älter als 500 Jahre sind. Der Führer lenkte unsere Aufmerksamkeit auf das Flüstertor(Hs-Nr. 22) mit dem Flüsterbogen. Was man auf der einen Seite hinein flüstert, hört man ganz deutlich auf der anderen Seite.  Eine Sängerin kam gerade des Weges und sang  uns ein Ave Maria vor.  Auf der Südseite drängen sich die „Langen Laugen“ mit hohen Lichthöfen und spätgotischen Gewölben. Zur Seite steht der Neptunbrunnen. Dahinter erstreckt sich die Zeile bis zum spätgotisch-renaissancen  Eck- Haus mit der Waage. Es folgt die Börse und an der Ecke die Rathausapotheke mit einer Sonnenuhr von Zacharias Sculteltus. An der Ostseite säumen die Hirschlauben den Untermarkt.

G. verfügte über 4 Stadttore. An der erhöhten Westseite des Untermarktes steht das Rathaus. Es geht im Kern auf das 14. Jh. zurück, im 16. Jh. von Wendel Roskopf  den Älteren umgebaut, und von dessen Sohn Wendel Roskopf des Jüngeren vollendet. Hinzu kam der neue Rathauskomplex mit seiner Neorainnessance- Fassade 1902, geschmückt von den Wappen des 6-Städtebundes. Eine leicht geschwungene Freitreppe führt zum Portal hinauf zu einer Verkündigungskanzel. Aus der Schwingung erhebt sich eine schlanke Säule mit der römischen Göttin der Gerechtigkeit  „Justitia“ (1571) Über der Pforte am Turm überrascht das Wappen des Ungarn- Königs Matthias Korvin. (1488). Auf dem Turm gibt es zwei astronomische Uhren. Von der unteren schaut ein behelmter Kopf herunter, dessen Kinnlade zu jeder vollen Minute herunterklappt. Die Jahreszahl 1584 erinnert an die Einführung der heutigen Zwölfteilung des Zifferblattes durch den Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Sculteltus, der als Mathematiker und Astronom den gregorianischen Kalender hier einführte. Der Zeiger der oberen Uhr dreht sich im Laufe eines Monats herum. Er bestimmt dabei Tag, Stunde und Mondphase. Aus einer Nische des Turmes lugt um 12.00 Uhr ein goldener Löwe hervor und lässt sein weithin vernehmbares Brüllen hören. Auf den Balkonen trockneten die Färber ihre blau gefärbten Tücher von Sonntag auf Montag. Von hier kommt dann die Bezeichnung: „Blauer Montag“.  Am  Obermarkt steht die Dreifaltigkeitskirche, ehemalige Klosterkirche der Franziskaner mit der goldenen Maria(1515) und der Grablegungsgruppe von Hans Olmützer(1492) Die Turmuhr der Kirche schlägt in der Regel 7 Minuten früher, um so die Angestellten des unweiten Rathauses nicht verspäten zu lassen. Die älteste Kirche ist die Nikolaikirche geht auf das Jahr 1100 zurück. In ihr befindet sich zurzeit die Ausstellung über Wagonbau und Schienennetz.

In der Nähe befindet sich das Haus in dem Napoleon während seines Aufenthaltes hier wohnte. Erwähnenswert ist auch das Salzhaus.    

Der Reichenbacher Turm ist der schönste der Türme, der in 7 Stockwerken wertvolle Sammlungen zeigt. 12 Wappen schmücken seine Außenseite. Vom Gerichtssaal zwang eine „Arme- Sünder- Treppe“ zum Verlassen der Stadt. Mit ihm in Verbindung steht die sog. Kaisertrutz, ein wehrhafter Ausbau von 19 m Durchmesser und mit Wänden die bis zu 4,5 m stark sind, wobei die westlichen Wehrmauern doppelt so stark sind. Hier verteidigten sich die Schweden gegen dem Ansturm des kaiserlichen Heeres. Südlich davon befindet sich das Theater. (1851) Über den Deminani- und Marienplatz kommt man zum Postplatz. Dazwischen steht die Frauenkirche mit Frauenhaus. Danach folgt der Kaiser- Wilhelm- Platz.

Im jetzt polnischen Teil der Stadt gibt es nicht weniger als 24 Tankstellen, die davon profitieren, dass in Polen das Benzin um 10 Cent billiger ist. In der Emmerichstraße befindet sich eine Seniorenresidenz mit Dichterviertel.

 

 

ZITTAU

Auf dem Weg dahin kamen wir an zahlreichen Häusern vorbei, die die sog. „Umbinden“ aufwiesen. Es sind Arkaden, die nach Außen hin die Wände stabilisieren. Vor den Häusern im Hausgarten steht jeweils ein Kreuz, das vergoldet ist. Es ist Deutschland kleinstes Mittelgebirge, 50 qkm, dessen höchster Gipfel 793 m erreicht.

Führung durch Frau Charlotte Lehmann.

Z. zählt heute ung. 27.000 Einwohner. Im 14. Jh. war es die reichste Stadt innerhalb des Lausitzer Städtebundes. (Görlitz, Bautzen, Kamenz, Löbau, Lauben) und gehörte 400 Jahre hindurch zu Böhmen. Von dort aus erfolgte auch die Stadtgründung 1255 durch Kunigunde, die Tochter  König Ottokar Pzemisl II. Kirchlich war es bei der Diözese Meißen. Bekannt ist Z. geworden wegen seiner zwei Fastentücher. Das kleine Fastentuch stiftete 1553 der Kaufmann Lorenz Heidenreicher für die nunmehr evangelisch gewordene Johanniskirche, das große entstand 1472.

 

Im Rathaus und in den Häusern der Patrizier gab es mehrere Etagen unter der Erde, wo Bier gebraut und bei 6 Grad gelagert wurde. Die Brauerlaubnis erteilte ihnen ebenfalls der König. Bei den vielen Stadtbränden konnte dann das Gewerbe in der Tiefe überlegen.  Insgesamt soll es 200 Bierhöfe(Keller)  gegeben haben. Verheerend wirkte sich der Siebenjährige Krieg aus.  Österreichische Truppen schossen einen Großteil der Stadt in Brand, so auch das Rathaus. Erst 1845 bekam es wieder einen Turm im Neo-Renaissance- Stile. Vor dem Tor des Rathauses wachen zwei Göttinnen: Themis, die Göttin der Gerechtigkeit mit der Wage und Sophia, die Göttin der Weisheit mit der Eule. Der Marktplatz vor dem Rathaus  75  m lang, mit seinem Rolandbrunnen, neigt sich zum anderen Ende. Auch damit wurde Rücksicht auf die Bierkeller genommen. Die Steinplastik des Roland hält Schwert und Geldsack in den Händen.

 

Die Johanniskirche ist im Siebenjährigen Krieg ebenfalls zerstört worden. Beim Wiederaufbau der Türme gab es Probleme mit der Statik. Der eine Turm neigte sich und verursachte Risse in der Kirchenwand. Deshalb rief man den Berliner Architekten Schinkel zur Hilfe. Er trug den einen Turm um ein Stockwerk ab, aber die Risse verschwanden trotzdem nicht ganz. Der niedrigere Turm diente ab jetzt als Aussichtsturm. Die neue Innenausstattung hat bereits den Wechsel zum Klassizismus vollzogen. Über dem Alter, der über viele Stufen zu erreichen ist, steht die Losung aus dem Johannesevangelium: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, der du allein wahrer Gott bist und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.“  1837 fertigte Meister Schwarz von Dresden die über 2 Meter hohe Skulptur des Erlösers an mit der Losung auf dem Sockel: „Kommet alle zu mir“ Mt 11,28.

In der Nähe der Kirche befindet sich das Dernpacher Haus. Hier soll der König einkehrt sein. Deshalb trägt es die etwas humorvolle Aufschrift: „Regium est benefacere et male audire.“ Es ist den Königen eigen Gutes zu tun und schlecht zu hören. Auf einem weiteren Platz steht der große Salzstadel mit Brauhaus. Bereits 1586 hatte die Stadt ein Gymnasium mit anschließender Lehrerwohnung. Anbetracht der vielfachen Versuchungen, denen die Schüler durch den Bierkonsum ausgeliefert waren, mahnten die Lehrer mit einem Spruch von Cicero, der auf dem Fries des Gebäudes steht: „Nullum munus melius majusque rei publicae offere possum, quam si doceamus atque  institumeamus  juventutem, his praesertim  moribus ac temporibus, quibus prolapsa est, ad omnium opulum refrenanda atque coercenda sit.“

 

Im 30-jährigen Krieg hatten die Schweden die Franziskanerkirche Hl. Kreuz zum Stall zweckentfremdet. Danach wurde sie Begräbniskirche. Den Paradiesesgarten legte Bischof Johann von Karlowitz von Bolowitz an, als er 20 Jahre lang hier als Bischof hier residierte. Er hatte sich mit den Hussiten verbündet. (?) Der Siebenjährige Krieg zerstörte mit dem Stadtbrand auch diesen. Die Kreuzkirche war eine vierschiffige Hallenkirche. Weitere Kirchen sind: Weberskirche mit der Weberstadt. Die Liebfrauenkirche ist die älteste aus dem 13. Jh. als romanische Basilika gebaut.  Hinzu kommt St. Jakob, die Hospizkirche. Die einzige katholische Kirche ist die jüngste und ist erst im 19. Jh. als Neogotischer Bau entstanden. Nach der Reformation wurden sämtliche Kirchen außerhalb der Stadtmauern zu Begräbniskirchen.

 

Das Kleine Fastentuch mit den Ausmaßen 4,30 x 3,40 m, ist relativ gut erhalten. Unter dem Kreuz stehen links, den Stamm umfassend Maria Magdalena mit ihrem üppigen Haarschmuck, auf der anderen Seite Johannes der Evangelist mit Maria, die uns den Rücken zuwendet. Die Schuhe der Damen haben sich durch Oxidation schwarz verfärbt, bei Johannes sind sie weiß geblieben. Links vom Kreuz der Totenschädel, ein Hinweis auf Adam. In der Mitte des Bildes, Rechst vom Kreuz abgesägter Baumstumpf, aus dem der junge Reis der Hoffnung hervorsprießt. Vorlage für das kleine Hungertuch war ein flämischer Kupferstich und Aufzeichnungen von Albrecht Dürrer.

 

Das Große Fastentuch.

Beide Fastentücher waren für die Johanniskirche gestiftet. Das große hat der Franziskaner-  Mönch Vincentius gemalt. (1472) Im 30-jährigen Krieg fiel auch das Franziskanerkloster den Flammen zum Opfer. Es gelang einem unbekannt gebliebenen Bürger den „Schmachtlappen“ zu retten. Der Wiederaufbau stützte sich auf eine einzige Säule, was so ziemlich einmalig ist. Deshalb erhielt das Gotteshaus die Bezeichnung „Einstütz- Kirche“.

Das Zittauer Fastentuch stiftete der Gewürzhändler Jakob Gütler 1472. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat es der Franziskanermönch Vincentius gemalt. Dazu nahm er Zittauer Leinen. 6 Bahnen klebte er auf einer Leimgrundlage zusammen und malte darauf mit einer Art „Tempera“ Farben: d.h. Wasserfarben, die eine unlöschbare Einheit mit dem Leinen- Grund bildeten. So hing es 200 Jahre hindurch in der Johanniskirche. Deshalb auch seine gewaltigen Dimensionen. Beim großen Stadtbrand im  Siebenjährigen Krieg 1757 hatte es ein unbekannter Bürger in Sicherheit gebracht und versteckte es hinter einem Regal des Heffnerhauses, wo jetzt das kleine Fastentuch zu sehen ist.  Hier fand man es 1847  

1840 findet man das Fastentuch hinter einem Regal. Nach der Restaurierung geht es für 34 Jahre als Leihgabe nach Dresden, wo es im „Großen Garten“ ausgestellt wurde. Man befestigte es auf zwei runden Holzbalken und rollte es ab wie die Thora-Rollen. In Dresden fand es  keine besondere Beachtung erfuhr. Danach kehrte das nur 34 Kg schwere Tuch wieder nach Zittau heim. Hier ist es 1933 zum letzten Mal gezeigt worden.  Während des II. Weltkrieges lagerte man es mit vielen anderen Kisten des Museums auf den Oybinberg aus, um es vor Bombenangriffen zu schützen.  Das gelang denn auch, aber danach kamen die Sowjets und besetzten die Burg- und Kirchenruine. Zunächst verwendeten sie das Tuch zum Abdecken ihres Panzers. Danach kam ihnen für ihre Waldsauna kam ihnen das große Fastentuch gerade recht. Sie unterteilten es in 4. Nach Abzug der Russen fand es ein Mann im Wald und erkannte es. Zusammen mit dem Pfarrer barg er es und brachte es ins Museum nach Z. zurück. Noch im Wald oder später durch Restaurierungsversuche war es in 7 Teile zerrissen worden. Es war ein außerordentlicher Glücksfall, dass nichts verloren ging und alles wieder zusammen passte. Dennoch war eine Restaurierung in der ehemaligen DDR schwierig, weil eine solche Geschichte die sowjetisch-deutsche Freundschaft belastet hätte.

Erst nach der Wende nahm das Museum Kontakt auf mit einem Museum in Innsbruck, wo man die Restaurierung durch eine Schweizer Firma empfahl. Die Abbeg -Stiftung in Riggisberg, deren Gründerin die 90-jährige Margarete Abbeg noch lebte. Die Stiftung übernahm sämtliche Kosten, nur für Transport und Versicherung Dahin musste die Stadt aufkommen.

 

Das Zittauer Fastentuch stiftete der Gewürzhändler Jakob Gütler 1472. Der Stifter ist links unten am Rand abgebildet. Verschwommen sieht man ihn neben einem Tisch mit Gewürzsäcken. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat es der Franziskanermönch Vincentius gemalt. Dazu nahm er Zittauer Leinen. 6 Bahnen klebte er auf einer Leimgrundlage zusammen und malte darauf mit einer Art „Tempera“ Farben: d.h. Wasserfarben, die eine unlöschbare Einheit mit dem Leinen- Grund bildeten. So hing es 200 Jahre hindurch in der Johanniskirche. Deshalb auch seine gewaltigen Dimensionen. Beim großen Stadtbrand im  Siebenjährigen Krieg 1757 hatte es ein unbekannter Bürger in Sicherheit gebracht und versteckte es hinter einem Regal des Heffnerhauses, wo jetzt das kleine Fastentuch zu sehen ist.  Hier fand man es 1847  

 

Im 15. Jh. kam es in Brauch, dass man Fastentücher in Felder teilte, um darauf verschiedene biblische Szenen zu malen. Insgesamt sind aus der Zeit nur 7 solche Tücher erhalten.

 

Es wird auch als „Große Zittauer Bibel“ genannt. In Z. setzte sich die Reformation nur langsam durch und ging verschiedene Kompromisse ein. So z.B. sprach man die Einsetzungsworte beim Abendmahl bis ins Jahr 1700 lateinisch und die Kirchenglocken läuteten „zur Wandlung!“.

 

Das Tuch wurde schon in der Vorfastenzeit im Triumphbogen des Chorraumes von oben her aufgehängt, so dass die Gläubigen weder den Altar, noch das Geschehen am Altar sehen konnten. Erst an Ostern kam es weg und der Blick frei. Sünde ist ja Trennung von Gott. Das Wort Sünde kommt von „Sund“ – „absondern“.

Besteht aus 90 Feldbildern, die 60 x 60 cm Fläche aufweisen. Die Gesamtfläche beträgt 350 qm Leinen. 

 

Meditation: auf den Flächen der ersten Reihe, auf der die Schöpfung dargestellt ist, scheint sich der Schöpfer wie bei einem  Zeichentrickfilm zu bewegen. Er wird als verhältnismäßig junger Mann dargestellt. Denn die Schöpfung ist trotz allem Schlimmen und Argen gut und jungendfrisch. Bei der Schöpfung Adams erhebt Gott seine segnende Hand über ihn. Er ist so dargestellt, dass man ihn ob des starken Brustansatzes auch als Frau gut vorstellen kann.  Auch an den Genitalien ist der Mensch weder als Mann noch als Frau einwandfrei zu identifizieren. Damit ist die Menschheit als solche gemeint(adamah = Erde), wie auch die Einheit von Mann und Frau. Erst ab Erschaffung der Frau nehmen die Geschlechter verschiedene Züge an, wodurch die beiden sich gegenseitig ergänzen. Die Vertreibung aus dem Paradies führt uns die Trennung von Gott vor Augen. Durch die Sünde produziert der Mensch nicht mehr Kosmos, sondern Chaos. Das zeigt sich im Brudermord, Sintflut und Turmbau von Babel. Besonders beeindruckend ist die Szene mit Jakobs Himmelsleiter gemalt. Die Darstellungen des Alten Bundes enden mit der Mosegeschichte, die Weisheitsbücher und Propheten finden keine Berücksichtigung. 5 Felder behandeln die Marienlegende mit ihrer Geburt aus Anna und Joachim und ihrer Kindheit. Bei der Kindheitsgeschichte Jesu sind zwei Bilder vertauscht. Zuerst sehen wir Christi Geburt und dann erst die Heimsuchung Mariens zur Elisabeth, die wie sie selbst guter Hoffnung ist. Der Maler hat hier offensichtlich die Szenen vertauscht.  Weil man die Farbe nicht mehr löschen konnte, verbesserte er die Reihenfolge so, dass er auf das erste Bild ein „b“ und auf das zweite ein „a“ malte.  Bei der Versuchungsgeschichte nach der Taufe Jesu, lässt der Maler den Teufel in Mönchskutte auftreten.  Vermutlich hat dabei der Maler Vincentius seine eigenen Gesichtszüge festgehalten.

Jede Versuchung beginnt mit etwas Richtigem, dem man nur zustimmen kann. Dann aber lockt es uns Schritt für Schritt auf einen Weg, den man eigentlich nicht beschreiten möchte und wo man nicht hin wollte. Nicht selten ist damit der Drang nach Sensation und Aufsehen verbunden. Somit baut sich eine neue Beziehung zum Satan auf, die von Gott ablenkt und letztlich von ihm trennt. Und das alles geschieht schleichend, kaum merklich. Deshalb müssen wir stets auf der Hut sein. Denn sonst müsste auch unsere Geschichte wieder oben beim Sündenfall anfangen. Der Teufel kann sich auch in und hinter den heiligsten Dingen und Verrichtungen verstecken, wie z.B. auch mal in einer Mönchskutte. Diese Einsicht des Malers drückt Demut aber auch Mut aus. Ist es damit wohl nicht auch eine Kritik an der verweltlichten Kirche seiner Zeit gemeint, gut 50 Jahre vor der Reformation.

Auf Grablegung und Auferstehung folgt das große Weltgericht am Jüngsten Tag mit der Trennung der Erlösten von den Unerlösten. Die eigentliche Entscheidung fiel ja schon beim persönlichen Gericht im Tod. Nun aber geht auch der Leib,  also der ganze Mensch in das Paradies wieder ein, das er hier auf Erden vergeblich gesucht hat, d. h. in Gottes Verherrlichung oder auch Gottesferne. Die Unerlösten werden von einem Höllentier verschlungen. Die Seligen gehen durch die gleiche Pforte des Paradieses ein, durch die ihre Vorfahren einstens vertrieben wurden. 

 

Oybin

Am Nachmittag fuhren wir ins Zittauer Gebirge auf den Berg Oybin. Hier besichtigten wir die Bergkirche, die als Hochzeitskirche bekannt geworden ist. In der Prädella des Altares tritt das Letzte Abendmahl in erhabener Plastik hervor. Um die Emporen ranken sich grau gehaltene Gemälde: an den Wangen der Seitenempore sind die einzelnen Sätze des Vaterunsers mit den 7 Bitten des Vaterunsers und der Abschlussformel „Denn dein ist das Reich…“ Das Amen ist nochmals in einem eigenen Feld hervorgehoben. Die vier Buchstaben sind in den 4 Ecken des Feldes gesetzt. Auf den Wangen der zweiten Empore sehen wir die 8 Seligkeiten und oben auf der Decke kunstvoll gearbeitet die einzelnen Sätze des Glaubensbekenntnisses.

 

Von hier geht es dann ziemlich steil hinauf zu einer Kirchenruine mit Kloster, in der ehemals Cölestiner Mönche beteten und arbeiteten. Die Gemeinschaft wuchs von zwei bis auf zwölf, ist dann aber von Joseph II. aufgelöst worden. Die von Papst Cölestin gegründete Gemeinschaft der Cölestiner gibt es auch in Italien nicht mehr. Der Orden ist somit ausgestorben.  Es stehen noch die Wände des gotischen Kirchenschiffes und des Chores, mit den Öffnungen für die Fenster. Nebenan befindet sich die Sakristei und beim Ausgang bzw. Eingang kann man die vielen Stufen zum Turm hinauf steigen und genießt aus luftiger Höhe einen einmalig schönen Ausblick auf die ganze Landschaft. Die Felsen bilden bizarre Formationen, z. B. auch die Form eines Kelches…Neben oder hinter der Kirche befindet sich der offensichtlich später angelegte Friedhof. Auf einem Grabstein des Bergfriedhofes auf dem Oybin fand ich den sinnreichen Spruch:

„Was wir lieben ist geblieben,

bleibt in Ewigkeit.“

 

Und wiederum:

1Kor 15,20: „Christus ist auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“ 

In unmittelbarer Nachbarschaft mit der Kirche steht die Burgruine, in der ein Museum eingerichtet ist mit der soeben beschriebenen Geschichte.

 

S    O    R    B    E    N

Herr Kaminsky führte uns durch das Land der Sorben. Die Lausitz ist deren letztes Refugium. Im 10. Jh. siedelten 20 slawische Stämme von der Oder bis zum Main. Man bezeichnete sie mit dem Sammelnamen „Wendenland“. Die Bezeichnung geht auf die Römer zurück, die damit die „veneta (vineta)“, die untergegangene und versunkene Stadt an der Ostsee meinten und sie auf alle slawischen Völker anwandten. Dazu gebrauchten sie den Sammelnamen „veneti“ oder nach Wörterbuch „venedi“(orum).

– Die einzelnen Stämme hießen diesseits der Elbe von N nach S und W nach O: Drevani, Belczem, Wolauki, Scitizi, Daleminzer, Nisanen; – jenseits der Elbe:  Polaben, Linonen, Neletici, Morizani und  Ploni. –

– Diesseits der Havel: Stodoranen, Zamzici – an den Quellen der der Havel: Redarier und Tollenser;

– zwischen Elbe und Oder im heutigen Mecklenburg/Vorpommern: Wagrier, Obodriten, Warnower, Ranen Zirzipanen.

– Diesseits der Oder von N nach S: Uranen, Rezanen, Selpoli; –

 an der Spree: Sprewanen, Lusizer und Milzener, – an der Neiße: die Besunzanen.

Diesseits der Saale die  Colodici und Weta  auch am jenseitigen Ufer der Saale nochmals die Colodici, die Puonzowa  und die Plisni.(bei Hof)  

 

Speziell in der Lausitz, nördlich des Lausitzer Gebirges, des Erzgebirges wie auch des Fichtelgebirges, zwischen Spree und Neiße lebten zwei slawische Stämme: die Lusizer  und Milzener. Die Untersorben sind die Nachfahren der Lusizer, die Obersorben deren von Milzener. Die Luisizer gaben dem Gebiet den Namen „Lausitz“ (luzica= sumpfiges Land) Heute schätzt man die Zahl der Obersorben auf 40.000 und die der Untersorben auf lediglich 20.000.   Die Bezeichnung „Sorben“ kommt vom Eigennamen „Serbja“ oder „Serby“, was mit dem SERBIEN auf dem Balkan nichts zu tun hat.

 

Im Sorbischen Kulturinformationshaus hatten wir Gespräche mit einem Prälaten, einem Berichterstatter vom Rundfunk und weiteren Vertretern der Sorben. Die Informationen versuche ich hier wie folgt zusammen zu fassen.

 

Schon Karl der Große versuche die Sorben zu unterwerfen. Er besiegte mit seinem Frankenheer 806 das sorbische Bauernheer unter dem Fürsten Miliduch auf dem Warnenfeld bei Gera. Die planmäßige Eroberung durch den deutschen Feudalstaat erfolgte unter Heinrich I. im Jahre 921. So verloren die Milzener in der Oberlausitz, die ihre 30 Burgbezirke verteidigten, bis 990 ihre Unabhängigkeit, während die Lusizer in der Niederlausitz bereits 963 tributpflichtig wurden. Mit der Gründung des Bistums Meißen 968 begann die Christianisierung der Sorgen. Ihr Volkstum verschwand danach nicht durch Ausrottung oder ethische Säuberung, sondern einfach durch Assimilation. Vielerorts sind von ihrer Kultur nur noch Reste in Ortsnamen verblieben. (Leipzig von lipa= Linde; Chemnitz von kamjen= Stein; Gera von gora= Berg.

Ab dem 13. Jh. setzte die massive deutsche Besiedlung  von Rhein-Franken ein, wie auch von Hessen, Baiern, Thüringen und Flandern.  Hinzu kamen ausgrenzende Maßnahmen wie Sprachverbot und Ausschluss aus den Zünften. Wie dem auch war, die Sorben wie jede Minderheit fühlen sich oft als die Opfer dieses Vorganges. Es gibt jetzt immer noch Dörfer mit 80%- 90% Anteil an Sorben. Sie siedelten bevorzugt mehr in offener Landschaft, also im Flachland und in kleinen Ackerbürgerstädten, wie: Kamenz, Hoyerswerda, Wittichau, Calau, Vetschau und Lübbenau und teilweise in den größeren Zentren wie etwa Bautzen, Luckau und Cottbus. Die deutschen Siedler hingegen bevorzugten die Städte und Berge.   

 

Obere-, Mittlere- und Untere Lausitz   bildeten kein Markgrafentum, sondern gehörten  nach Auflösung des Großmährischen Reiches ab 1178 als Nebenländer zur Böhmischen Krone. Erst während des 30-jährigen Krieges 1635 kamen sie an Sachsen, das viele Stadtgebiete aufwies, die das Sagen hatten. Beide Stämme waren in den Stadträten paritätisch vertreten, auch konfessionell, wobei das katholische Bekenntnis das Gemeinschaftsgefühl stärker zum Ausdruck brachte. Die Christianisierung übte eine Art Schutzfunktion aus. Die Sprachen blieben getrennt. Die Sprache der Obersorben ähnelt mehr dem Tschechischen, die der Untersorben dem Polnischen, bzw. Schlesischen. Es handelt sich jedoch nicht um einen Dialekt derselben, sondern um eine eigene Sprache. Die Reformation, der 90% der Sorben beitraten, förderte das Entstehen eines eigenen Schrifttums. Genauer gesagt gibt es zwei Schriftsprachen: Ober- und Untersorbisch. Die sorbische Sprache kennt 7 Fälle und außer Einzahl und Mehrzahl, den Dual d.h. die Zweizahl. Heute gibt es Wörterbücher(55 000 Stichwörtern), Grammatiken und terminologische Verzeichnisse. Das ist nicht wenig, denn im Vergleich dazu bringt der Deutsche Duden 2006 – 130.000 deutsche Wörter.

1815 kam die Lausitz an Preußen, wo es bis 1945 verblieb. Im III. Reich hat ihre Zahl nicht wesentlich abgenommen. Man bezeichnete sie als „Germanische Slawen, die in grauer Vorzeit vom Slawentum verführt worden sind“ – also als slawisch sprechende Germanen. Sie retteten sich durch Schutzbeitritt zur NSDP.

Nach dem Krieg wollte die sorbische Kommandantur an die Tschechoslowakei und nicht an Polen angeschlossen werden. Denn bis 1953 hatte die Oberlausitz unter den Polen sehr zu leiden. Das hätte jedoch eine weitere Vertreibung bedeutet. So kam die Lausitz   wieder zu Sachsen zurück und seit 1949 gehörte sie in der DDR- Zeit zum Bezirk Dresden. Ob die Sorben damals zur meist begünstigten Minderheit gehörten, wegen ihrer slawischen Verwandtschaft zu den Russen, muss differenziert gesehen werden. 

 

Die DDR hat sich an die Kirchen nicht herangewagt, wegen deren sozialer Arbeit, die der Staat nicht leisten konnte. Die Nationalfarben der Lausitz sind blau, rot, weiß. Das Symbol der Sorben ist das „Lindenblatt“ im  Unterschied zur „Deutschen Eiche“. Insgesamt schätzt man die Zahl der Sorben auf 60.000, während es im 19. Jh. noch 160.000 waren. Sorbisch ist Amtssprache in Sachsen und in Brandenburg. Nicht nur die Ortsschilder sind zweisprachig, sondern auch die Wahlformulare und Schulzeugnisse. Auch die Gesetze erscheinen auf Sorbisch Jeder Beamter in diesem Gebiet muss beide Sprachen beherrschen. Es darf die sorbische Fahne gehisst werden.

 

Nach dem Prinzip „cujus regio, eius religio“ ist auch die Lausitz bikonfessionell. König Ferdinand II. delegierte diese Entscheidung an die örtlichen Herren und Rittergüter. Generell hat man hier große Toleranz entwickelt. Obwohl Martin Luther die Fastentücher als Gesetzeswerk verboten hatte, haben die Lausitzer dieser Tradition bewahrt, wie auch die Beichtstühle. Bis 1890 bestand die Pflicht vor Empfang des Abendmahles zur Beichte zu gehen.  Hinzu kam, dass gleich drei Klöster als Refugium für das katholische Leben dienten. 

Konfessionell ist also der größere Teil der Sorben protestantisch, vor allem in der Unter-Lausitz, in der Oberlausitz gibt es ung. 8.000 katholische Sorben, die in 8 Pfarreien gegliedert sind. Zwei sorbische  Alumnen bereiten sich auf die Priesterweihe vor. Nach der Wende ist noch nicht alles Negative aus dem Westen hier angekommen. Der Kirchenbesuch ist noch überdurchschnittlich gut. Es kommen auch viele junge Eltern und Jugendliche. So bereiten sich in einer Pfarrei mit 600 Gläubigen gleich 30 Firmlinge vor. Allerdings reduziert sich die aktive Gemeinde wie überall auf einige glaubensstarke Familien. Sie machen ung. 3- 9% aus. Ungetaufte gibt es kaum welche. Es kommt selten vor, dass aus einer Schulklasse mal einer nicht getauft ist.

 

Es gibt vereinzelt  auch orthodoxe Christen. Für kath. Sorben  gibt es die Zeitung „Der katholische Bote“. Er beschränkt sich auf die religiöse Berichterstattung und hält sich bewusst aus der Politik heraus. In den Gottesdiensten ist das Angebot jeweils zweisprachig. Auch gibt es einen „Cyrill- und Methodius- Verein“. Die beiden Slawenapostel waren vermutlich nie in der Lausitz, aber ihre Auswirkungen fanden ihren Niederschlag in der Sprache. (Zerkwa=Kirche; Nacha= Gnade; Bog=Gott) Ihnen zur Ehre errichtete man bei Schmochtitz das Milleniumsdenkmal im Jahr 2000. Die liturgischen Bücher sind alle übersetzt und so gibt es auch das „Missale Romanum“ auf Sorbisch. In die Richtung hat Bischof Otto Spülbeck viel unternommen. Die Bibel selbst ist vor 20 Jahren neu übersetzt worden, wie auch die Grundgebete: Vaterunser und Gegrüßet seist du Maria. Die Zahl der praktizierenden katholischen Sorben ist doppelt so hoch als die der evangelischen Sorben. Letztere  haben keinen einzigen sorbischen Pfarrer mehr. Dies geht auch darauf zurück, dass es lange Zeit verboten war auf sorbisch zu Predigen. Die Begründung lautete: „Es lohnt sich nicht, in 100 Jahren gibt es keine Sorben mehr!“   Superintendent Richter von Cottbus hob dieses Verbot auf und bietet Gottesdienste in sorbischer Sprache an. Erste sorbische Kirchenschrift war eine Taufagenda aus dem Jahre 1543. Danach das „Wendische Gesangbuch mit dem Kleinen Katechismus 1574.  Erste Bibelübersetzungen waren evangelischerseits(Pfr. Miklaws Jakubica 1548, erst 1728 gedruckt). Ab 1848 gibt es auch katholisch-sorbische. 1966-1976 Gesamtausgabe in vier Bänden und 2006 in einem Band im Domowina -Verlag.

 

Im MDR gibt es täglich ein Sorbisches Programm von 5- 8 Uhr. Es besteht überwiegend aus Reportagen, die Leute vortragen, die interviewt werden, 3  Minuten sind für Kinder vorgesehen und nur 1,30 Minuten für das kirchliche Wort zum Tag. Für das Wort zum Sonntag stehen 15 Minuten zur Verfügung, dass dann auch ein Priester spricht. Zwei Wochen lang kommt das Wort zum Tag von katholischer Seite, eine Woche von evangelischer aus.  Die meisten Sorben sind kirchlich gebunden. 85% hören das Sorbische Programm im Rundfunk. Die Schwierigkeit besteht, darin, dass recht verschiedene Interessensgruppen angesprochen werden möchten.

Starke Einbrüche verursachten in jüngster Zeit die Abwanderung infolge Arbeitssuche. An die 130 Dörfer mussten dem Tageabbau der Braunkohle weichen. Das wiederum führte zur Zerschlagung der gewachsenen Gemeindestrukturen mit ihren kulturellen und religiösen Ausdrucksformen.  Hinzu kam und kommt noch der ungeheure Assimilationsdruck, dem sich die verschwindend kleine Minderheit ausgesetzt ist.  Es gibt 6 sorbische Regionalverbände. Die sorbische Bevölkerung befindet sich heute in zwei Bundesländer: in Sachsen und in Brandenburg.  

In jüngster Zeit hat man eine „sorbisch-wendische Partei“ gegründet, die aber ob ihrer extremistischen Einstellung wenig Anhänger fand.  

 

Um ihr Volkstum zu erhalten, haben die Sorben ein reiches Brauchtum entwickelt: von der Erntepforte bis zum Osterritt, wie auch beim Hochzeitsbrauch der Rotkäppchen- Braut. Röcke und Schürzen unterscheiden sich bei den noch ledigen und verheirateten. Außerdem tragen Mädchen rote Hauben, verheiratete Frauen blaue Hauben.

 

Aus dem Gespräch ging die wichtige Schlussfolgerung hervor: Einladungen an Minderheiten sich zu integrieren, bedeutet immer auch, dass sie einiges aus ihrer eigenen Kultur aufgeben müssten.  Deshalb beten sorbische Christen: „Lieber Gott, lass die Wurzel nicht zu stark ausschlagen!“ Mögliche Kooperation besteht bei Ministrantenwallfahrten und Fußballspielen. Man müsste bei all diesen Maßnahmen genauer zwischen Integration und Assimilation unterscheiden. Gut integriert ist jemand, der auch die Landessprache nebst seiner Muttersprache beherrscht. Durch Assimilation gibt er jedoch sein Volkstum weitgehend ab.   

Herr Kaminsky: „Die Werbung redet auch einem Eskimo ein, dass er drei Kühlschränke braucht.“

 

Friedhof von Ralbitz 

zeichnet sich durch weiße Holzkreuze aus, die alle gleich groß sind. Denn im Tod sind wir alle eins. Es gibt auch Kreuze mit deutscher Aufschrift. Die Belegung erfolgt nicht jeweils in ein Familiengrab, sondern in der Reihenfolge des Todes. 

Wir fuhren durch eine Heide- und Teichlandschaft. In Königswerda gibt es eine Fischereischule. Durch die Umweltschutzmaßnahmen kommen wieder Karpfen und Störche. In der Landwirtschaft gibt es Nachfolgeeinrichtungen der staatlichen LPG-s.

 

Rosenthaler Wallfahrtskirche ist Ziel für Dorfwallfahrten.-  Mit dem Bau hatte man in der zweiten Hälfte des 19. Jh. begonnen. Schon Karl der Große hat um das Jahr 800 hier sein Heerlager errichtet. In der Nacht habe er eine schleierhafte Frau gesehen. Deshalb ließ er eine Muttergottesstatue anfertigen. Nach dem 30-jährigen Krieg soll ein Pfarrer aus seiner Gemeinde das Gnadenbild mitgebracht haben.

Hier entstand eine Quelle, deren Wasser heil wirkend sei. Besonders viele Wallfahrten kommen aus dem Tschechischen. Historisch gesehen hatte sie Ludomirska, die Meträssin des Herzogs gefördert, wie auch Gräfin von Tetschen. 

 

 Die Sage erzählt, dass der Landesherr Johann Georg III. auf seinem Kreuzzug gegen die Türken in Lebensgefahr geriet, so hätte ihm ein Oberst der Kroaten das Leen gerettet. Aus Dankbarkeit schenkte er ihm ein Gut, das die Bezeichnung „Krabat“ erhielt. Bei Pferdeführung hatten sich die Kroaten ein rotes Tuch umgebunden. Daher kommt das Wort: „Krawatte“.  Irgendwo fand ich die Inschrift: „A porta inferi erue Domine, animas eorum.“

 

Kirche bei Schloss

Wir besuchten auch eine evangelisch-sorbische Kirche, in der es viele interessante Bibelsprüche gab.  So:

– Psalm 11: „Memoriam fecit mirabilium suorum misericors et miserator Dominus“.  Auf dem Altar las ich die Inschrift:

– 1 Korinther 11: “Sooft ihr von dem Brot esset und von dem Kelch trinket, sollt ihr des Herren Tod verkündigen bis ER kommt.”

– 1 Korinther 5: „Pascha nostrum immolatum est Christus“;

– 1 Korinther 10: „Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?“

 

Seitlich zur Kirche befindet sich das Grab eines Pfarrerdichters und Schriftstellers: Jurej Mjen. Er gilt als der Begründung der sorbischen gelehrten Dichtung und der weltlichen Prosa. Er war zeitlebens ein Verteidiger der sorbischen Sprache. 1841/43 erschien die zweisprachige Sammlung Volkslieder der Wenden.

Der sorbische Dichter und evangelische Pfarrer Handrij Zejler aus Lohsa(1804-1872) verfasste 1827 die sorbische Nationalhymne Rjana Luzica.

 

Die Sorbische Nationalhymne geht auf das Lied des evangelischen Theologiestudenten Handrij Zejler zurück, der ein Gedicht mit 6 Strophen „An die sorbische Lausitz“ dichtete. Es ist in der Vertonung von Korla Awgust Kocor beim sorbischen Sängerfest in Bautzen am 17. Oktober 1845 vorgetragen worden und hat sich recht bald zum Rang einer Hymne(Rjana Luzica) aufgeschwungen, die im sorbischen Gebet auch gesetzlich gestattet ist:

 

Schöne Lausitz,

ehrliche, freundliche,

Land meiner sorbischen Väter,

Paradies meiner glücklichen Träume,

heilig sind mir deine Fluren!

Zukunft,

erblühe froh,

ach, mögen aus deinem Schoß Männer hervorgehen,

die des ewigen Gedenkens würdig sind!

 

 

Ursprünglich gehörten noch weitere Strophen dazu:

 

Eine heiße,

eiserne Schlacht schlugen

einst die sorbischen Ahnen,

Kampflieder singend.

Wer erzählt uns eure Lieder?

Des schwarzen Gottes

altes Königreich

bewohnt jetzt ein Rabe.

Altes Moos grünt auf dem Felsen,

der einst Altar war.

 

Von der Hymne unterscheidet sich das sog. „Sorbische Bekenntnis“ vom katholischen Priester und Dichter Jakub Bart- Cilinski (1856-1909) verfasst:

 

„Unser Land ist wirklich klein, mein Freund,

klein auch unser Volk, das sorbische,

wie ein winzig Inselchen, vom Meer umspült.

Und doch, ich glaub es fest, niemals

werden seine Wogen überfluten

unsern Erdstrich, Dörfer nicht und Höfe.“ (1891)

 

Bei einem Sorbischen Abend am Donnerstag, 5. August in Bautzen kamen wir in den Genuss der sorbischen Küche in der Gastwirtschaft Wjelbik mit einem Hochzeitsessen und Liedvorträgen. Die Wirtin empfing uns mit ihrem Team an der Türe und mit dem Willkommensessen Brot und Salz. Sie hatte, wie auch ihr Personal die schmucken Trachten angelegt.

 

 

Fahrt zu den Bergdörfern der Oberlausitz

In Crostau befindet sich die östlichste Silbermannorgel.

Unterwegs erklärte uns Herr Kaminsky den Begriff des Erbgerichts. Die Slawen kannten das Prinzip der Rechtsprechung nicht. Der größte Gasthofbesitzer ist auch der erste Richter seines Gebietes, zuständig für die niedere Gerichtsbarkeit: d.h. für geringfügige Vergehen, wie Diebstahl usw. Dieses Amt konnte man zusammen mit dem Haus vererben oder auch verkaufen. Den Inhaber der Gerechtsame nannte man Kretschan. Der Gründer eines Ortes gab in der Regel dem Ort auch seinen Namen. So z. B. „Cunersdorf“ (Dorf des Konrad). So entstanden auch die Dörfer Eulowitz, Odewitz) Rundlingsdörfer lassen sich nicht vergrößern, während sich Hufendörfer erweitern lassen. Sie umfassen 16- 20 ha. Die Bewohner waren freie Bauern auf freie Scholle. Die Lausitz bildete somit ein Konglomerat von Richtern, die sich in einem Parlament trafen. Erster Grundbesitzer war auch Cunewalde, der Gründer des gleichnamigen Dorfes mit einer großen Hallenkirche und einer zweiten Kirche. Die Umwinden tragen das Dachwerk.

 

Schiringswalde mit seiner katholischen Barockkirche gehörte dem Domstift zu Bautzen. Hier war eine böhmische Enklave. Als dort alles protestantisch wurde, kam es auch hier zur Einführung der Reformation. Als man dort wieder alles rekatholisierte, ist auch hier alles wieder katholisch geworden. Das Gebiet besiedelten im 13. Jh. viele kinderreiche Familien aus Flandern, Franken, Hessen und Bayern. Sie folgten dem Ruf aus dem Osten. Unten an der Spree ist ein sorbisches Fischerdorf. Die dort nicht evangelisch werden wollten sind dann hier hergewandert (550 Einwohner) Die Kirche ist auf lausitzer Granit gebaut. Für das Gebälk ist ein ganzer Wald gefällt und hier heraufgeschafft worden. Das Holz des Kirchbaus vor 300 Jahren hält immer noch. Keinen einzigen Balken  musste man derzeit auswechseln (1738). Das Altarbild zeigt Maria Himmelfahrt, die Dreifaltigkeit und JHS umgeben von Engeln. Die Heiligen Böhmens: Veit und Wenzel stehen auf dem Altar. Desgleichen die hl. Sippe, Josef und Joachim, Johannes Nepomuk und hl. Veit im Chorraum. Die Kanzel ist schon im Rokokostil erbaut mit Darstellungen des NT(Kreuz) und Stab mit der Schlange(AT). Die vier Kirchenväter sind Kopien vom Breslauer Dom. Rechts und links von der Empore stehen die Figuren des hl. Benno und des hl. Bonifatius. Hierher kam auch die Madonna von der Marienapotheke. Es gibt drei Orgeln und ein Glockenspiel auf dem Turm. Das Einbauen kam wesentlich teurer als seine Anschaffung.

In einer weiteren Kirche finden die religiösen Kinderwochen in den großen Ferien statt. Die Gemeinde zählt über 1.000 Christen, davon sind ein drittel jung. Die Gottesdienste um 8.00 und 10.00 Uhr sind sehr gut besucht, vor allem auch von vielen Kinder und Jugendlichen. Auch werden einmal im Monat Kleinkindergottesdienste gefeiert. Daran nehmen im Schnitt 70 und mehr Kinder teil. Sie besuchen den kirchlichen Kindergarten. Erwachsenentaufen sind pro Jahr ung. 5- 7, die sich in eigenen Gruppen vorbereiten. Der Kreuzweg, der ursprünglich auf Holzstämmen rings um die Kirche angeordnet war, ist in die Außenkirchenwand verlegt  worden. Es gibt hier nur wenige evangelische Christen. Das Dorf ist zu 80 % katholisch. Das vermittelt ein starkes Heimatgefühl, das gepflegt wird im kath. Kindergarten, in einer christlichen Mittelschule. Sie zählt 92 Schüler, die in Klassen unterreichtet werden mit 24 Schülern. 80 % der jungen Leute lassen sich kirchlich trauen und sind dann voll dabei. Es kommt kaum vor, dass es Schüler gibt, die zur Jugendweihe gehen. Für den RU steht eine Gemeindereferentin zur Verfügung. Der RU ist konfessionell getrennt in katholisch und evangelisch, Ethik wird nicht angeboten. Letztes Jahr gab es 24 Kommunionkinder plus 9 in der Filiale. Fast alle gehen dann auch zur Firmung. In der Gemeinde gibt es auch zwei „Diakonatshelfer“ die Wortgottesfeiern mit Kommunionausteilung vorstehen.    

 

Wie an der Elbe hat sich der Fluss in das Sandsteingebirge buchstäblich hinein gefräst. So bietet die Landschaft optimale Bedingungen für Kletterer und Schiffer.

Der Herr von Salzach besaß ein Dorf, das so hieß. Die Häuser sind mit Schilf(Riedgras) gedeckt und verfügen über ein Gewölbe als Lebensmittellager.  An Stremberg und Fugau ging’s vorbei.

 

 

Unterwegs kamen wir dann nach Spreedorf mit der Spreequelle vorbei. Sie ist mit einem Gitter gefasst. Wegen des Regens konnten wir nicht aussteigen und in die Spree spucken. Hier gibt es noch sog. Bockwindmühlen(von 1860), den Gusseisernen  Turm von Löbau mit dem Spruch: „Je weiter der Blick, je freier das Herz!“. Von Unter- kamen wir nach Obercunersdorf, wo es ein Museum gibt. Eigentlich steht das ganze Dorf unter Denkmalschutz ob der schönen Umbinden. 

 

Herrenhuter Brüdergemeinde

Am Nachmittag besuchten wir die Herrenhuter Gemeinde. Bruder Klemens führte uns in den großen Gottesdienstsaal. Hier finden  Generalsynoden, Missions- und  Unitätssynoden statt. Er gab uns einen Einblick in die 600-jährige Brüdergeschichte. Vorläufer der Herrenhuter waren die Böhmischen Brüder, die aus der Bewegung von Jan Hus und den Taboriten 1775 hervorgegangen sind. Sie nennen sich auch Brüder vom Gesetz Christi. Ihr Symbol ist der Kelch. Denn das Abendmahl wird stets unter beiden Gestalten empfangen. Das Abendmahl ist Gemeinschaftsmahl. Dazu kniet die Gemeinde nieder. Zum Zeichen der Versöhnung brechen jeweils zwei Nachbarn die Oblate unter sich. Dabei werden beim Reichen des Kelches Einzelworte aus der Bibel gesprochen.  Der Gottesdienst wird jeweils in der Landessprache gefeiert. So haben Hus und Comenius,  auf Tschechisch gepredigt. Johann Amos Comenius(1592-1670), der große Pädagoge, der gesagt hat, dass die Erziehung die Kunst aller Künste sei(ars artium) Erzieher gilt als der eigentliche Gründer der Herrenhuter Gemeinde. In der Zeit bestimmte die Obrigkeit sämtliche Bereiche des Lebens. Schon der Besitz einer Bibel konnte gefährlich werden. Zu seinem  250. Todestag kam Bundespräsident Johannes Rauh zum Gottesdienst hierher. Comenius ist in Zinsendorf geboren. Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt, die Mutter Katharina zog zu ihrer Mutter und erzog ihn dort. Die pietistische Bewegung der Herrenhuter schwappte auch auf die Sorben über. Zurzeit gibt es eine Internetschule in Halle, wie auch Missionsgebiete in Indien, wo die Gemeinde Mädchenschulen betreibt. Teile der Bibel sind auch in das Tamilische übersetzt. Es gibt viele Bezüge zu den Lutheranern. Comenius soll gesagt haben: „Wer den Heiland lieb hat, mit dem habe ich Gemeinschaft.“ Es gibt weltweit 19 Unitätsgemeinschaften, die meisten wohl in Tansania. Auch gehören viele Ungarndeutsche dazu. In Tschechien ist sie 1722 bei Berthelsdorf gegründet worden, in Deutschland in Löbau und Zinsendorf.

Das Problem in Herrenhut sind die tiefen Brunnen von 80 m. Hier gibt es folgende Bauten:

1.) Kirchensaal; 2.) Brüderhaus mit Handwerk; 3.) Schwestern mit Hauswirtschaftschule( 200 Plätze)´; 4.)  Witwenbau. Die Gemeinde Herrenhut wurde nicht kommunal verwaltet, sondern verwaltete sich selbst. Ein Viertel des Ortes ist durch Brandstiftung zerstört worden. Dem Feuer fiel auch das Glockentürmchen zum Opfer. Der Wiederaufbau erfolgte 1953. Im Gottesdienst unterscheidet man eine Schwesternseite und eine Bruderseite. Auch auf den Friedhof werden Männlein und Weiblein getrennt beerdigt. Der Kirchensaal fast gut 300 Leute. Die Farbe weiß symbolisiert die Vergebung und der Freude. Sie ist die Farbe der Herrenhuter. Schon die Taufe im Erwachsenenalter wird in einem Taler von weißer Farbe gespendet. Alle Titel werden dabei weggelassen. Durch die Taufe wird man Mitglied der Herrenhuter Gemeinde. Seit 100 Jahren besteht die Möglichkeit auch einer doppelten Mitgliedschaft. Es gibt die Ordination zum Diakon und Presbyter. Darüber gibt es die Unitätsleitung und das Unitätsdirektorium. Am Samstag lädt die Gemeinschaft zu einer Gebetssingschule ein, jeweils um 19.00 Uhr. Eigentlich kann sich jeden Tag eine Gruppe treffen: von Montag bis Freitag. Entscheidungskompetenzen besitzt der Ältestenrat. Die Diakone kümmern sich um die Schule und um das betreute Wohnen in den Heimen. Vorne stehen rechts und links vom Gottesdiensttisch die Mitarbeiterbänke. Am Tisch nimmt der Vorsteher der Feier-   Platz. Weil er auch der Liturge ist, nennt man den Tisch auch  Liturgentisch. Zur Predigt tritt er an das Lesepult heran. Nur beim Vortrag der Leidensgeschichte in der Karwoche gibt es keine Predigt. Dir erfolgt ohne jegliche Wortverkündigung. Am Ostersonntagmorgen um 1/2- 5 Uhr wecken die Bläser die Gemeinde. Sie versammelt sich im Kirchensaal und vernimmt die Botschaft der Auferstehung. Der zweite Teil der Osternachtfeier vollzieht sich dann auf dem Gottesacker. Dort werden die Namen der Verstorbenen verlesen: „Wir haben den Bruder oder die Schwester NN in die obere Gemeinde begleitet. In weißen Gewändern gehen viele Gemeindemitglieder dann zum Abendmahl. Die Herrenhuter Gemeinde zählt zum Bund der EKD. Sie bildet so etwas wie einem Scharnier zwischen Landeskirchen und Freikirchen.  Die Taufe leben, heißt Jesus Christus als Herrn und Heiland anerkennen.

Die Herrenhuter Losungen

bestehen aus einer Sammlung von 1800 Sprüchen, zu denen jedes Jahr neue hinzukommen, um die gelosten zu ersetzen. 1731 fand die erste Losziehung in Zinsendorf. Bereits jetzt werden die Losungen für das Jahr 2013 gezogen und in alle Welt verschickt zur Übersetzung in andere Sprachen.

Bezüglich der Grabpflege erfolgt nach der Beerdigung zunächst eine Anpflanzung des Grabhügels. Später wird er eingeebnet und mit einer Steinplatte ersetzt, die bei allen gleich ist. Darauf stehen Namen mit den Lebensdaten und ein Bibelspruch.

 

Löbau

war die Konventstadt des Lausitzer Städtebundes, zu dem 6 Städte zählen. Hier trafen sich regelmäßig die Bürgermeister, um die anstehenden Fragen zu beraten. Wer zu spät gekommen ist, soll ein Protokoll aufsetzen und 3 Liter Bier sponsern. Die Stadtkirche ist eine Nikolaikirche, weil der hl. Nikolaus der Schutzpatron der Händler ist. Von hier stammte auch Konrad Kujau der Fälscher von Hitlers Tagebüchern. Sein Geburtshaus befindet sich in der Stadt. Von der Postmeilensäule erfolgt die Vermessung des Weges bis Warschau. Die Pferdefuhrwerke waren mit einem Zählgetriebe versehen.    In einer Wegstunde legte man zu Fuß 5 Km zurück, mit der Pferdekutsche 9,8 Km. Ein weiterer Sohn Löbaus ist Hans Schawan, der als Baumeister und Künstler in Breslau tätig war. Er baute die Häuser wie untergegangene Schiffe mit wenig Glas, aber einer ausgeprägten Formenvielfalt. 

 

D  R  E  S  D  E  N

Hofkirche

Führung durch Dompfarrer Clemens Ullmann. Zurzeit gibt es in Dresden 4% Katholiken, 16% Evangelische und cca. 80% Ungetaufte. Sonntags finden mit der VAM vier Gottesdienste statt und am Nachmittag noch einer in polnischer Sprache. Obwohl die kath. Gemeinde nur 1.200 Seelen zählt, kommen zu den Gottesdiensten   1.500 Kirchenbesucher und zwar aus der ganzen Umgebung. Dennoch lässt die Gemeindebindung auch hier stark nach. Vor allem fehlen die Jugendlichen und die Kinder. Erst nach dem I. Weltkrieg durfte ein katholischer Priester in der Nähe der Kirche wohnen.

König August der Starke ließ ein altes Theater zur Hofkirche aus- und um- bauen. Deshalb hat die Kirche wie ein festlicher Saal.  Um die polnische Königskrone zu erhalten, musste er zum katholischen Glauben übertreten und somit sich eine solche Hofkirche schaffen. Dies musste so geschehen, dass seine evangelisch e Umgebung daran nicht Anstoß nahm. Als namhafter Bildhauer war hier Balthasar Permoser tätig. Gleich nach dem Portal schuf er zwei Plastiken: Ambrosius und Augustinus. Die Ausstattung der Kirche erfolgte im italienischen Barock. Außen bevölkern 78 Heiligenfiguren die Bekrönung des Daches. Die Hofkirche ist nie fertig geworden. Der Krieg richtete ungeheure Zerstörungen an. Das Gewölbe war eingebrochen, der Innenraum ausgebrannt. Weil sie eingemauert worden war, konnte die Kanzel konnte gerettet werden. An den vier Ecken des Raumes befindet sich jeweils eine Kapelle. Links vom Eingang befindet sich die St. Benno- Kapelle. Unter dem  Bistumspatron sahen wir in einem Glasschrein seine Mitra. Rechts vom Eingang ist eine moderne Pietakapelle. Vorne rechts Johannes von Nepomuk und links die Sakramentskapelle als Kreuzkapelle.  Die Orgel ist eine Silbermann- Arbeit. Auch sie konnte ausgelagert werden und überstand somit das Inferno.

Daran erinnert die Gedächtniskapelle vom Dresdener Künstler Friedrich Press. Der tote Jesus liegt mit offenen Augen auf dem Schoß Mariens. Die tiefe Grube weist hin auf die Seitenwunde des Herrn. 50 Priester sind während der NS- Herrschaft Opfer der Verfolgung geworden, 13 sind nach Dachau interniert und drei dort gestorben. Selbst den Bischof sperrten sie ein, indem man ihm einen Devisenprozess anhing. Legge, der letzte Pfarrer vom Priesterblock Dachau lebt noch als 97-Jähriger.

In der rechten Seitenaltarnische befindet sich die Kopie des Mühlhäuser Altares vom Bamberger Dom. Der Marienaltar entspricht am besten dem Raum und bildet eine warme Ecke.

 

Vor 5 Jahren ist die Silbermann- Orgel wieder fertig restauriert worden, 2003 setzte man die letzte Heiligenfigur außen auf dem Gesimse wieder auf. (Münchener Werkstatt) – Das Kupferdach gab das Bonifatiuswerk in Auftrag.

Im Chorraum fällt ein moderner Volksalter nicht sonderlich auf, auf jeden Fall stört er nicht die barocken Gruppen des Hochaltares. Die Leuchter sind Augsburger Silberschmiedearbeit und bestehen aus 70 Einzelteilen. Die Glocken kamen in den 90-Jahren hinzu. Den Altar gestaltete Anton Rafael Lengs. Das Altarblatt zeigt die Himmelfahrt Christi. Hier wird bereits der Umbruch vom Barock zum Klassizismus deutlich.

 

Der Märtyreraltar ist vor 10 Jahren entstanden. Er gedenkt der polnischen Märtyrer, die hier umgekommen sind. Sie wurden enthauptet. Ihre Hinrichtung hat in Dresden stattgefunden. Sie waren geprägt vom Oratorium der Salesianer.

 

Der Taufstein zeigt Johannes den Täufer und ist von Balthasar Permoser um 720 angefertigt worden. Er lebte 1650-1732)

Von hier zog ich zum Stadtrundgang an der Galerie des „Fürstenzuges“ vorbei. Sie ist 102 m lang und stellt auf Porzellankacheln 35 sächsische Herrscher dar.

 

Die Frauenkirche konnte ich nur von Außen sehen. Wegen einer Trauung war der Zutritt verwehrt. Sie scheint mir höher als lang zu sein. Auch steht sie am Rande eines Platzes.

Für die Besichtigung der  Semperoper hätte ich mich anstellen müssen. Bei dem Regen war dies keine empfehlenswerte Aktion, deshalb nutzte ich die verbliebene Zeit zu einem Besuch in der

 

Galerie Alter Meister in Dresden

Zu spät entdeckte ich, dass man mit Hilfe eines Tonbandträges geführt werden hätte können. Somit blieben  mir nur mein Gespür und die Aufschriften.

In den ersten Ausstellungsräumen überwiegen Arbeiten von Lukas Cranach dem Jüngeren. Er hat die Johannesgeschichte recht ausführlich beschrieben bis zur Enthauptung, vom Tanz der Salome. Auf den Rat ihrer Mutter wünschte sie sich das Haupt des Täufers. Das Gemälde zeigt diese Szene: wie Salome das blutige Haupt auf einem Teller hält. Es ist überschrieben mit: „Weibermacht“. Es ist gemalt worden im Auftrag von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen für das Schloss Hartenfels bei Torgau. Es fiel mir auch ein weiteres Gemälde auf: Die Predigt des Johanne. Auch die  Landsknechte kommen zu ihm. Sie waren wegen ihrer Überfälle in Verruf geraten.

Im nächsten Raum folgen dann Exponate von Lukas Cranach dem Älteren, wie Christus am Ölberg, der Betlehemitische Kindesmord, Christi Geburt mit den kleinen Engeln in der Krippe, der Schmerzensmann ebenfalls mit Engelchen, Tempelreinigung, Lazarus, Ecce-Homo, Kreuzigung, Abschied Jesu an Maria Magdalena.

Das Prunkstück ist natürlich August der Starke von Louis de Silvestro.

Jakob Jordaer: Darstellung Jesu im Tempel(mit dem Blick des Hohenpriesters in eine andere Welt,  angetan mit einem Chormantelornat)

Paul- Rubens : Hieronymus 1577-164

Salomon Korinch: Der Eremit.

 

Das kostbarste und wertvollste Stück ist jedoch die „Sixtinische Madonna“ von Raffael Urbino (1483-1520) entstanden 1512/ 13. Auftraggeber war Papst Julius II. für die Klosterkirche des Hl. Silvius in Piacenza. Links auf dem Gemälde kniet Papst Sixtus und rechts die hl. Barbara. Besonders beeindruckten mich die leuchtenden Augen der Madonna mit dem Jesusknaben. Die beiden Augenpaare sehen sich sehr ähnlich und gehen überall mit, ob man von rechts oder von links drauf schaut. Die hl. Barbara ist erkenntlich an dem Turm in ihrem Rücken. Sie schaut erhaben auf diese Welt herab, während die beiden Puten recht keck drein blicken und auf die Grenze dieser Welt hinweisen. Maria ist mit einem roten Gewand gekleidet, mit einem braunen Schleier und blauen Umhang angetan. Der Gesichtsausdruck des Sixtus, eines Märtyrers aus dem 2. Jh.  drückt Ergriffenheit ob der Mutterschaft Mariens aus. Seine Tiara liegt links am Boden. Maria schwebt auf den Wolken und trägt das Kind mit besonderer Behutsamkeit.

 

W e i t e r e    G e m ä l d e     m i t     r e l i g i ö s e r     T h e m a t i k:

Andrea des Sarto: „Abrahams Opfer“;

Danielle da Volterra: „Mose auf dem Berg zerschmettert die Gesetzestafeln“;

Sandro Botticelli: „Maria mit Jesus und dem Johannes-Knaben“;

Lorenzo die Credi:  bringt ein ähnliches Gemälde;

Giuseppe Caletti: „Die hl. Magdalena“ und von

Paolo Pagani: „Die Büßerin“;  

Jacopo Tintorelli: „Der Kampf des Erzengels Michael mit dem Satan“;

Paolo Veronese: „Anbetung der Könige“ und „Der barmherzige Samariter“ ;

Paul Rubens: „Batseba“ und „Sturm auf dem Meer“;

 

Holbein Sigmund: „Bartholomäus“ und „Die Beweinung“

Beim Hinausgehen warf ich noch einen Blick auf das Kronentor des Zwingers. Es soll die Rolandkrone sein. (15-18 Jh.)

Das Residenzschloss mit seinem 101 m hohen Turm, soll aus drei Höfen bestehen. Hier ist auch das weltberühmte sog. „Grüne Gewölbe“ untergebracht mit kostbaren Miniaturarbeiten. Auch dafür blieb keine Zeit. Das „Albertinum“ mit der Sammlung der Neuen Meister stand sowieso nicht im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit.

Das 1702 entstandene Meißener Porzellan ist in einer eigenen Ausstellung zu besichtigen.

Busfahrer Hans Merkelein zeigte uns bei der Fahrt durch die Stadt noch einige Objekte: so z. B. die 1907 erbaute Yendezi- Zigarettenfabrik, die die Form einer orientalischen Moschee aufweist. Auch kamen wir an Deutschlands schönsten Milchladen vorbei. Jedes Jahr im Mai feiert man in Dresden das Dixilantifest.  

 

Der Regen ließ allmählich nach und später kam sogar die Sonne hervor. Auf der Heimfahrt hörten wir in den Nachrichten von den Überschwemmungen in der Lausitz, die am Morgen über Land und Leute hereingebrochen waren.  Zu den starken Regenfällen kam der Dammbruch eines Stausees auf polnischer Seite hinzu.  So entstand eine Flutwelle, die den Flusspegel der Neiße in wenigen Minuten von 1,60 auf über 7,00 ansteigen ließ. Die Wassermassen setzten einen  Großteil der Stadt Görlitz unter Wasser. Die  Perle des Ostens, die wir noch am Dienstag so leuchtend erlebt hatten, ward mit ganzen Straßenzügen verschüttet. Auch im Kloster Marienthal, in dem wir noch vor zwei Tagen weilten, stand bis zu zwei Meter hoch das Wasser. Die schön restaurierten und leuchtenden Gemäuer sind somit verschlammt und verdreckt worden. Die Kirche stand kurz vor der Fertigstellung. Nun kann alles von Vorne beginnen. Die Armen Schwestern zogen sich in die oberen Stockwerke zurück, aber sie verließen ihren Standort nicht und blieben.  Gott stehe ihnen bei  Der Wiederaufbau ist jedoch unser aller Aufgabe.

E-Mail 18.09.2010

Saturday, September 18th, 2010

Liebe Freunde,

diesmal ist mir mein Wurf schneller gelungen und somit kann ich Ihnen(Euch) die Anregungen schon rechtzeitig zumailen. Nach der Urlaubsvertretung in Neustadt/Aisch mit Emskirchen folgt jetzt die Urlaubsvertretung in Sterpersdorf und Gremsdorf. Ich mache also weiterhin die Feuerwehr.

Auch hänge ich Euch(Ihnen) meinen Reisebericht über die Seelsorgerwoche in der Lausitz an. Habe in den letzten Monaten zwei bzw. drei große Weltreisen unternommen: In den Pfingstferien nach  Südböhmen, anfangs August in die Lausitz, die ebenfalls mal  zu Böhmen gehörte. Daneben wirkt die Tagung in Ingolstadt und mein Urlaubsaufenthalt auf Usedom mehr als bescheiden. Wer wenig Zeit hat, findet auf Seite 1 eine kurze Zusammenfassung.

Mit den besten Wünschen für das neu begonnene Schuljahr

Euer(Ihr)

Internetpfarrer

24. Sonntag im Jahreskreis, Sambach/Pommersfelden, 12. 9.10

Sunday, September 12th, 2010

Exodus 32,7- 11.13-14; Psalm 51; 1 Timotheus 1,12-17; Lk 15,1-32

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Da habe ich das Buch doch gerade eben noch in der Hand gehalten und finde es nicht mehr. Oder da ist das Ladegerät zur Kamera oder mein Handy plötzlich wie vom Erdsboden verschlungen. Dann erst mit dem  Hausschlüssel oder Autoschlüssel!   Fast täglich verliere ich etwas, fange dann an zu suchen, steigere mich hinein, verliere viel Zeit damit: manchmal finde ich das Verlegte wieder anderes Mal nicht. In letzter Instanz rufe ich den heiligen Antonius an: „Du braver Mo, führ mich zum Eckerla no!“ – wie es im Fränkischen so schön heißt. Bei mir muss der heilige Antonius stets Überstunden schieben.

 

Die Zeitschrift Christ in der Gegenwart erzählt in der letzen Ausgabe von dem Musikstück, das Ludwig van Beethoven für solche Anlässe komponiert hat: „Die Wut über den verlorenen Groschen“. Es ist ein Klavierstück, in dem eine solche Suchaktion musikalischen Ausdruck findet. Im Klang des Tastengewitters bearbeitet der Spieler sein Instrument: immer ruheloser, immer wütender, immer wilder. Die innere Not packt ihn und steigert sich in ihm. Es ist einfach zum Verrückt werden. Der Groschen will sich einfach nicht finden lassen. Das Collegium Musicum Pommersfelden hat dieses Stück von Ludwig van Beethoven im Sommer während eines Konzertes gebracht.

 

Jesus ist ein guter Beobachter. Und so dürfte er bei seinen Hausbesuchen auch die Frau erlebt haben, der ein Geldstück heruntergefallen war, und es nun mit viel Mühe und Aufwand sucht. Mag sein, dass er gerade dazu gekommen ist, als sie es findet. Der aus Rom stammende Maler Domenico Feti, von 1613 – 1622 Hofmaler zu Mantua, hat die Szene aus dem heutigen Evangelium gemalt. Sein Gemälde hält die Sekunde fest, die der unmittelbar bevorstehenden Entdeckung in einem Bodenspalt vorausgeht. Offensichtlich hat sie schon längere Zeit gesucht und alles auf den Kopf gestellt. Die Kleidertruhe ist durchwühlt, der Hocker umgestoßen. Darauf sind die 9 anderen Münzen schön aufgereiht, Kleidungsstücke liegen wirr im Zimmer herum.

 

Unser Herz schlägt nun mal für das Verlorene – will uns Jesus sagen – Es hängt daran. Dann sind wir zu großen Suchaktionen bereit und kehren nicht nur unser Haus um und stellen alles auf den Kopf, sondern zuweilen auch unser ganzes Leben. Und das nur wegen eines einzigen Geldstückes willen. Ist das nicht verrückt? Ja, aber das hat es eben mit der Liebe zutun. Denn so ist Gott. Er nimmt sich alle Zeit der Welt,  um sein Volk Israel zu suchen, das sich von ihm entfernt hatte und den Apostel Paulus, der verloren war, ja um mich selbst zu suchen oder auch nur nach dem verlorenen Stück Glauben in mir. Das will er finden, in seine Hände nehmen, aufheben und heim tragen. Gott will mich, und er will mich ganz. Er will auch den Teil finden, der verletzt und traurig ist, der mich lächerlich macht oder entmutigt oder schuldig geworden ist und schon fast verloren in der Ecke liegt.

 

Gott sucht mich, so sagt Jesus in seiner Gleichnisrede von der verlorenen Drachme, als gäbe es nur mich  auf dieser Welt. Er ist wie die Frau, die sich tief bückt, mit dem Handfeger kehrt, die Kleidertruhe auskippt, alles umkehrt, damit das Verlorene wieder ins Auge fällt. Das eine kleine Geldstück rechtfertigt den großen Aufwand der Hausfrau, und der eine kleine verlorene Mensch die ganze Heilsgeschichte.

 

Wenn er mich gefunden hat, tut er so, als hinge das ganze Glück des Himmels davon ab. Und wenn dann Gott des Weiteren einen anderen Menschen findet, dann bin auch ich eingeladen, mich genauso darüber zu freuen. Denn die Freude des Himmels besteht darin, dass man sie mit anderen Menschen teilt. Letztendlich geht es ihm um uns alle. Im heutigen Tagesgebet heißt es so ergreifend: „ Gott, gib, dass wir die Macht deiner Liebe an uns erfahren!“ AMEN.

 

Liedvorschläge:

168, 1-4; 495, 4 oder 933 oder; Gloria: 486 Nach der 1. Lesung den Psalm aus dem Buch „Hilfen für die Messfeier“ der Liedvorschläge Eichstätt C, Seite 261 . Er kann auch gebetet werden.

Nach der zweiten Lesung Halleluja 530,2 oder ein anderes.  Zur Gabenbereitung im Hinblick auf Mariä Namen 594(Maria, dich lieben  ) ;Sanctus 491; Agnus Dei 492; Kommunion  824; und zum Abschluss 889. „Meerstern ich dich grüße“ (eine der 60 Deutungen des Namens „Maria“ bedeutet auch Meerstern. stella maris)

 

C) 24. Sonntag im Jahreskreis, Sambach/P. 12.09.2010

Gott lässt den Menschen in seiner Not und Schuld nicht im Stich. In diesem Glauben wollen wir Gott unsere Bitten vortragen:

 

1.       – In die Trauer und Not der Opfer vom 11. September und

aller weiteren Anschläge hinein, –  sprich du dein tröstendes Wort…ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

2.       – In die Freude über das Neue Schuljahr hinein, – sprich Du 

dein ermutigendes Wort für Schüler und Lehrer…

ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

3.- In das Vertrauen unserer Wallfahrer nach Maria Weißenstein, –  sprich Du dein aufrichtendes Wort für die Anliegen unserer Pfarrgemeinde und Familien…

ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

4. – In die Zuversicht derer, die heute an Maria Namen der Fürbitte ihrer Namenspatronin gedenken, –  sprich Du dein  segnendes Wort…

ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

5. – In die Ausweglosigkeit der Kranken, der eingeschlossenen Grubenarbeiter in Chile, aller  Verzweifelten und Enttäuschten hinein, –  sprich du das Wort der Hoffnung…

ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

6. – In die Erwartung unserer Verstorbenen hinein, –  sprich du das Wort der Annahme und ewigen Liebe…

ALLE: Erhöre das Gebet deines Volkes!

 

Du bist uns immer zugewandt und erwartest jeden, der zu dir kommt, damit er dein Erbarmen erfahre. Durch Christus, unseren Erlöser und Herrn. AMEN.