Archive for October, 2010

Kirche, wohin gehst Du? Wie Kirche wieder zu den Menschen – umgekehrt die Menschen wieder zur Kirche finden

Sunday, October 31st, 2010

Podiumsdiskussion im Kurtheater Bad Wörishofen mit P. Eberhard von Gemmingen, Dr. Markus Günther(Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung), Nathanael Liminski(In dessen Vertretung Micha Bues aus der Generation Papst Benedikt aus Hamburg erschien) Moderation hatte  Bernhard Ledermann Junior.

 

Nur im frohen Bekenntnis können wir Kirche sein. Moderator Bernhard Ledermann von der kath. Erwachsenenbildung: Was ist aber von den vielen Skandalen, Vertrauensverlust und Kampagne der Medien zu halten?

 

Die Fakten, zählte Dr. Markus  Günther von der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AAZ)auf:

1.- Der Gottesdienstbesuch ist in Augsburg auf 5 % gesunken.

Das heißt: Die Oma geht gerade noch. 

  1. – Priesternachwuchs ist stark zurückgegangen. Erstmals ist die Zahl der Priesterweihen und Neupriester in ganz Deutschland unter 100 gesunken – ins Propedäutikum, dem Vorbereitungsseminar Augsburg sind gerade mal 4 Kandidaten eingetreten.
  2. – Kirchensteueraufkommen ist rückläufig
  3. – Hinzu kommt die ideelle Krise, die sich im Verlust an Ausstrahlung zeigt. Nur noch 17% unter den 30-Jährigen glauben.
  4. – Religionsunterricht ist nicht in der Lage den Glauben weiter zu vermitteln.
  5. – Unwissenheit – Die Leute wissen nicht mehr, was ein Priester, Bischof oder Papst ist. Das zeigte sich auch anlässlich der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft. Weil diese ohne Erklärung erfolgte, kam es zu Verwirrung und Empörung im Volk Gottes.

 

FRAGESTELLUNG: Ist die Krise der Kirche nur die Verlängerung der Krise unserer Gesellschaft oder ist sie noch bestimmt durch beträchtlich andere Faktoren? Durch Verlustgehen der oben genannten Bereiche fühlt sich Kirche in die Verteidigungsrolle gedrängt. Denn die zu Tage gekommenen Mangelerscheinungen sind nur die Spitze des Eisberges, dass nämlich die Akteure ihre Verantwortung nicht ausreichend und entsprechend wahrgenommen haben. 

 

P. Eberhard von Gemmingen führte dagegen ins Treffen, dass die letztendlich entscheidende Frage die der Säkularisierung sei. Kirche sind alle Getauften, und nicht nur der Papst, Bischof oder Pfarrer. Es gelingt in den Familien, Schule und Kirche nicht mehr den Glauben an die nachwachsende Generation zu vermitteln. 

 

FRAGE des Moderators Bernhard Ledermann Junior:

Wie mag es dem normalen katholischen Priester zumute sein, der jahrein jahraus still seine Pflicht tut, wie mag es einem Alumnus zumute sein, der sich auf den Priesterberuf vorbereitet, den Ordensleuten, die sich um menschliche Nähe bemühen und im Krankenhaus oder in Schule und Kindergarten unschätzbare Dienste versehen oder Sterbende auf ihren letzten Weg oder Trauernde begleiten – wenn die Medien die Missbrauchsfälle einer wenigen auf den ganzen Priester- und Ordensstand verallgemeinern?

 

Dr. Markus  Günther von der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AAZ):

Teilweise ist es berechtigt von einer Kampagne der Medien zu sprechen. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass das Normale in unserer Gesellschaft kaum eine Schlagzeile wert ist, während das Außergewöhnliche oder  Skandalöse sofort Beachtung und Verbreitung findet.

Warum bilden die USA  eine Ausnahme in der Säkularisierung der westlichen Welt?

 

P. Eberhard von Gemmingen:

Das hängt mit der Entstehungsgeschichte der Neuen Welt zusammen. Die hierher kamen, hatten das Joch der Fürsten und Landesherren abgeschüttelt und sahen nun in Kirche und Religion die einzige Autorität, die für sie richtungsweisend war. Wenn ein Präsidentschaftskandidat nicht zu einer Kirche gehört, hat er überhaupt keine Aussichten gewählt zu werden. Wenn jemand zuzieht, wird er von seinen Nachbarn gleich gefragt, zu welcher Kirche er wohl gehöre.

 

          Frage des Moderators: Warum gehen viele Menschen auf Distanz zur Kirche, ohne aber den Glauben zu verlieren? Warum braucht man dann dafür noch die Kirche?

 

P. Eberhard von Gemmingen argumentierte darauf so: Europa ist von seinen Wurzeln her vom Christentum geprägt. Man kann fast sagen Europas Kultur ist mit dem Christentum gleichzusetzen. Wenn ihr nun eine hohe Kultur haben wollt, braucht es eines transzendenten Bezugs. Priester und Vertreter der Kirche sind nur Vermittler desselben. Europa wäre ein verlassener Laden, wenn es das Christentum nicht gäbe. Es geht also darum diesen Bezug klar und deutlich jungen Menschen von heute darzustellen. Erst danach kann auf die Sakramentenspendung übergegangen werden. Denn diese setzt schon sehr vieles voraus.

 

          Frage des Moderators: Warum ist die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche und der Kirchen so schwach? –

          P. Eberhard von Gemmingen: Weil der Versuch christlichen Glauben in moderne Worte und Begriffe zu bringen schwierig ist wegen der großen Unterschiede, die die Individualisierung mit sich bringt. Heiligkeit und Ehrfurcht sind in unserer Gesellschaft weitgehend verloren gegangen. Die Volkskirche wird es so wie bisher nicht mehr geben, oder immer weniger geben, aber es wird ein Neuanfang geben. Die Medien spiegeln die geschichtliche Wirklichkeit der Gegenwart wieder. Beste Werbung für die neue Schokolade ist, wenn sie schmeckt. Deshalb ist es verkehrt krampfhaft zu versuchen sich dieser Welt anzupassen. Das führt nur zur Verwässerung  der christlichen Botschaft, die nichts an Kirchlichkeit oder Glaubensstärke bringt.  Das gilt besonders auf dem Gebiet der Liturgie.

 

– Hinzu kommen nach Dr. Markus Günther viele Vorbehalte, wenn etwa Priester sagen: Ich bin zwar Priester, aber ich kann das und das nicht nachvollziehen…Ich bin zwar katholisch, aber in dem und dem Punkt bin ich anderer Meinung. Das relativiert christliche Standpunkte und macht sie unglaubwürdig. Wonach die Menschen suchen: ist ein persönliches Angebot der Seelsorge ohne bürokratische Hürden, das ihrer unstillbaren Sehsucht nach Liebe und Geborgenheit entspricht. Es gilt also zunächst dies ernst zu nehmen.

Viele Christen unserer Zeit haben geradezu einen missionarischen Komplex, wenn es darum geht über den Glauben mit ihren Kindern zu sprechen und ihn weiter zu geben. Die Weitergabe des Glaubens gelingt trotz vielfältiger und aufrichtiger Anstrengungen kaum, oder doch nur in geringem Ausmaß. Warum wohl?

 

– Frage des Moderators: Wie kann die Kirche das verloren gegangene Vertrauen wieder gewinnen?

 

P. Eberhard von Gemmingen SJ:

Es fehlt uns zurzeit in Deutschland eine charismatisch- prophetische Stimme, die sich zum Sprachrohr dazu macht. Kirche besteht nicht nur aus Papst, Bischöfen und Priestern, sondern aus uns allen. Jede und jeder Getaufte muss an seinem Platz seinen Beitrag zur Erneuerung der Kirche bringen. Es geht darum, den Glauben zu leben und ein authentisches Vorbild zu geben.

 

Moderator: Warum ist die Wahrnehmung des Papstes nirgends so schlecht wie in Deutschland?

P. Eberhard von Gemmingen: Weil die Deutschen ihre religiösen Bedürfnisse in esoterischen Angeboten und Ecken zu befriedigen suchen. Außerdem funktioniert der Medienapparat des Papstes schlecht. Auch herrscht der Zeitgeist, der sich so formulieren ließe: „Ein böses Wort gegen die Juden zu sagen, ist verboten – Ein böses Wort gegen die Muslime zu sagen, ist ein Verbrechen.- Ein böses Wort gegen die Christen zu sagen, ist erwünscht!“  Die Pastoral in Deutschland bemüht sich meistens um die Ränder, während die breite Mitte leer ausgeht und dem dummen Gequassel der Medien ausgesetzt ist. Der Vatikan hat nun einen Rat der Medien als Rat der neuen Evangelisierung ins Leben gerufen. Ein Glaubenskurs ist vonnöten, dann erst kann man darauf aufbauen und begleiten. Wir haben in unserer Kirche, wie in der Gesellschaft zuviel Apparat und zu wenig Menschen, die begeistern.

Johannes Paul II, konnte man sehen, Benedikt muss man Hören. Der neue Bischof von Augsburg Konrad bringt Erfahrungen einer verfolgten Kirche, einer Kirche im Gegenwind.

 

Der Chefredakteur der AAZ plädiert für die Abschaffung der Kirchensteuer, weil dadurch, die Hürde für den Wiederanschluss an die Glaubensgemeinschaft größer geworden ist. Dagegen standen jedoch die Vertreter der karitativen Arbeit und der Kindertagesstätten auf. Das gesellschaftliche Engagement seitens ehrenamtlicher Helfer ist groß. Sie teilen sich im Besuchdienst und auch im Krankenbesuchdienst. Die Diözese Augsburg hat 6.000 hauptamtliche Mitarbeiter. 8 Millionen aus dem Etat, fließen in den sozialen Bereich. Aber das alles ist trotzdem zu wenig. Wir müssen zurück zur ursprünglichen Gotteserfahrung eines jeden Einzelnen.

 

P. Eberhard von Gemmingen: Die Deutschen haben die Eigenschaft alles sehr ernst zu nehmen. Das bringt den Nachteil mit sich, dass sie zuweilen vor lauter Reflektieren und Analysieren  nicht mehr zum Handeln kommen. Bei zu viel Kritik kommt meistens nichts heraus. Es ginge darum über den Glauben sprechen zu können, und zwar einfach in weltlichen Worten unserer Gegenwart. Das Sprechen über Gott und den Glauben ist uns weitgehend abhanden gekommen. Da haben wir ein regelrechtes „Schamgefühl“ entwickelt.  Die Auseinandersetzung mit dem Islam dürfte wieder dazu führen, dass wir uns wieder verstärkt auf unsere  christlichen Werte besinnen.

31. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf, 31.10.2010 – 9.00 Uhr

Sunday, October 31st, 2010

Weisheit 11,22-12,2; Ps. 145,1-14;  2 Thessal 1,11-2,2; Lk 19,1-10

Lieder: 290,1+2; 457; 477; 531,3; 622; 459; 461; 559; 976; 573

 

Jede und jeder von uns hat auf der Arbeit oder im Büro einen Chef oder eine Chefin, vielleicht ist die eine oder der andere selber Chefin oder Chef. Manchmal stellen wir uns die Frage: Wie muss ein guter Chef sein? oder wie müsste er nach meiner Vorstellung sein? Darauf hat der verstorbene Papst Johannes der XXIII. humorvoll geantwortet: „Ein guter Chef muss alles sehen, vieles übersehen und wenig bemerken, d.h. beanstanden!“

 

An diese Aussage musste ich denken, als ich die Worte der Lesung aus dem Buch der Weisheit über Gott bedachte: „Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.“ Ist Gott für uns nicht auch so wie ein guter Chef, der zwar alles sieht, aber vieles in Geduld übersieht und nur wenig beanstandet. Der Weisheitslehrer aus dem Alten Bund stellt fest, dass Gott maßlose Geduld mit den Menschen hat. Er kann der menschlichen Sünde zuschauen – nicht weil er machtlos ist oder sie gar gut heißt – sondern gerade weil er allmächtig ist. Er lässt den Menschen und der Welt Zeit, zur Einsicht zu kommen, sich zu ändern, weil er alles zum Guten führen möchte. In der Lesung aus dem 2. Thessalonicherbrief heißt es denn auch:  „ Wir beten immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten vollende.“

 

Ein guter Chef weiß alles. So weiß auch der Herr Jesus um die Machenschaften und Betrügereien des Oberzöllners Zachäus. Er heißt die zwar nicht gut, aber er gibt ihm Zeit sich zu Besinnen und selber die Konsequenzen daraus zu ziehen. Er lässt ihn zunächst auf einen Baum steigen. So ein Maulbeerfeigenbaum hat Äste, die bis zum Boden reichen. Man kann also darauf bequem aufsteigen wie auf einer Leiter. Den ersten Ast, den Zachäus bestieg, könnten wir Neugierde nennen. In ihm bricht eine unerklärliche Sehnsucht auf, diesen Jesus zu sehen. Auch die meisten Leute um ihn herum waren aus Neugierde gekommen. Aus Neugierde wollte auch König Herodes diesen Mann aus Nazareth sehen, um einige Zauberstücke von ihm zu erhaschen.

Den zweiten Ast könnten wir schon mit Interesse umschreiben. Es ließ ihn einfach nicht mehr los. Dahinter stand die Vermutung, dass dieser Jesus etwas mit meinem Leben zu tun haben könnte. Er hat jeden Fall etwas, was mich selber betrifft.  

 

Beim dritten Ast kommt die Hoffnung ins Spiel: ob dieser Wanderprediger nicht doch der Messias sei. Aus der gleichen Hoffnung heraus, wollten die griechischen Pilger beim Fest in Jerusalem Jesus sehen.

 

Als der Zöllner auf den 4. Ast kletterte, brauchte er nicht weiter zu klettern. Nicht nur dass er jetzt Jesus gut sehen konnte, auch der sah ihn, kam auf ihn zu und begegnete ihm, indem er ihn mit der Ehre seines Besuches beschenkte. Eine wichtige Aussage finden wir im Namen des Zöllners beschlossen: Zachäus kommt von ´“zakkai“. Das heißt so viel wie: „Gott erinnert sich.“ Gott erinnert sich an uns und an alle, die sich verloren hatten. Die Verlorenen tun ihm in der Seele leid. „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

 

Geduldig zu sein mit uns mit uns selber und mit unseren Mitmenschen gehört wohl zu den größten Herausforderungen unseres Lebens. Don Bosco hat sich stets der verwahrlosten Gassenjungen in Turin angenommen. Elternlos wuchsen sie heran, ohne Liebe und sie hungerten. Deshalb lud er sie zu sich ein und seine Mutter half ihm beim Kochen und Bewirten der armen Jungen. Das ging eines Tages über die Kräfte seiner Mutter. Zudem waren die Gassenjungen frech und undankbar. Deshalb entschloss sie sich von ihrem Sohn wegzugehen. Als Don Bosco seiner Mutter mit gepackten Koffern in der Haustüre begegnete, bat er sie einen Augenblick noch Geduld zu haben. Er stellte sich mit ihr schweigend unter das große Kreuz, das im Zimmer hing. Beide schauten darauf. Nach einigen Minuten seufzte die Mutter und sagte: „Den da hatte ich ganz vergessen!“ Sie packte ihre Sachen wieder aus, ging in die Küche, um zu kochen.

 

Wo wir Menschen Geduld mit unseren Mitmenschen aufbringen, scheint etwas von der göttlichen Geduld auf. Denn „der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade.“ (Antwortpsalm)  

C) 31. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf ,  31.10.2010

Wir kleine Menschen haben uns vor dem großen Gott versammelt. Und er neigt sich unserem Beten zu. So bitten wir ihn:

 

1. Für den ersten Kardinal aus der Geschichte unseres Erzbistums Prälat Walter Brandmüller, den der heilige Vater dadurch besonders auszeichnen wollte.

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

 

2. Für die Frauen und Männer, die sich in Kindergarten und Schule  oder im Ehrenamt um die Weitergabe des Glaubens bemühen und mit ihrem Lebensbeispiel bezeugen…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

3. Für alle, die der Kirche fremd geworden oder auf Irrwege geraten sind, sich aber neu orientieren möchten und Interesse am Reich Gottes zeigen…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

4. Für alle unsere Kranken, die in ihrem Leben unbeachtet bleiben und die, die sie pflegen, ermutigen und begleiten…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

 5. Für unsere verstorbenen Schwestern und Brüder, die eingeladen sind teilzunehmen am Gastmahl der ewigen Freude…

 Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

Gott, himmlischer Vater, deinen Sohn hast du gesandt, um uns zu suchen und zu retten, was verloren ist. Darum vertrauen wir auf dich und danken dir heute und alle Tage bis in Ewigkeit. AMEN. 

 

E-Mail Pfarrer Topits 31.10.2010

Sunday, October 31st, 2010

Liebe Freunde,

hiermit melde ich mich von meiner Kurseelsorge wieder zurück und versuche einige Gedanken für die bevorstehenden zwei Tage 31. Sonntag und Allerheiligen zum Kauen anzubieten. Auch hänge ich eine Zusammenfassung der Podiumsdisskussion mit P. Eberhard von Gemmingen bei, die im voll besetzen Kurtheater zu Bad Wörishofen stattfand. Gleichzeitig hier noch einige liturgiegeschichtlichen Überlegungen über das Fest Allerheiligen:

Allerheiligen ist ein Fest derer, die in Gott leben. Seine Wurzeln liegen im Osten. Schon im 4. Jh. feierten dort die Christen ein Fest, an dem sie aller jener gedachten, die den Glauben an den auferstandenen Christus mit dem Leben bezahlt hatten. Rom übernahm dieses Fest im 6. Jh. und verlegte es auf den 13. Mai. Erst im 8. Jahrhundert entstand der heutige Gedenktag Allerheiligen unzw. zuerst auf den britischen Inseln. Für die Kelten war der 1. November gleichzeitig Winter- und Jahresbeginn. Der sterbenden Natur hielten die christlichen Mönche die Botschaft vom ewigen Leben der Heiligen entgegen. Iro-schottische Mönche brachten es von dort zu uns. Im irrischen Einflussbereich hielten sich vorchristliche Bräuche, die am Vorabend von Allerheiligen zum Zuge kamen. Von hier kommt die Bezeichnung Halloween. (all hallows eve)

 

Mit den besten Segenswünschen für die kommende Festtage

Euer(Ihr) Internetpfarrer Topits

27. So. im Jahreskreis, Klinikum, Gremsdorf und NEA, 3.10.10

Sunday, October 3rd, 2010

Habakuk 1,1,2-3; 2,2-4; Ps.95,1-2.9-9; 2 Tim 1,6-8.13-14; Lk, 17,5-10

 

Eine Nachricht schreckte in diesen Tagen die gesamte technische Welt auf. Ein neuer Krieg ist ausgebrochen, der mit virtuellen Waffen ausgetragen wird, die aus dem Internet kommen. „Cyberwar“. Es handelt sich dabei nicht mehr um Viren, die mal den einen oder anderen PC befallen, sondern um regelrechte Würmer. Der Computerwurm „Stuxnet“ hat im Iran 45.000 Rechner zerstört, darunter vermutlich auch welche, die dessen Atomprogramm steuern. Man spricht bereits von einer Computer-Rakete. Experten vermuten, dass hinter dem hochkomplexen Gebilde mit solch zerstörerischer Wirkung und solch ausgefeilten Schutzmechanismen das geballte technologische Wissen eines hoch entwickelten Staates stehen muss. Selbst eine ganze Schar von Hackern könne das nicht. Mittlerweile konnte er identifiziert  und eine Abwehrsoftware entwickelt werden. Weil der Wurm mutiere, sei die Gefahr  jedoch noch nicht gebannt.

 

Wenn wir uns in unserer Gesellschaft und unseren Gemeinden  umsehen, haben wir zuweilen auch den Eindruck, dass ein satanischer Wurm sein zerstörerisches Werk vollbringt. Kirche, Familien und Gesellschaft beuteln Missbrauchsskandale. Dem Höfesterben der Landwirte ist das Sterben der kleinen Handwerksbetriebe gefolgt, der Metzger, Becker, Schreiner, Büttner. Andererseits fehlen in unserer Industrie Hunderttausende gut ausgebildeter Ingenieure und Fachkräfte. Ganze  Industriezweige wie die Schuh- Textil und Musikinstrumentenindustrie sind ausgestorben oder ausgelagert worden. Es gibt nicht nur eine Wirtschafts- und Bankkrise, sondern auch eine Glaubenskrise. Die Zahl der Gottesdienstbesucher und Priester gehen überall stark zurück, aber auch die Zahl der Kinder. Viele Menschen leiden an unheilbaren Krankheiten.  Der Prophet Habakuk bringt es auf den Punkt, wenn er ausruft: „Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu?“  Da könnte man wohl verzagen und kleingläubig werden. Unser Glaube ist auch nicht viel größer als das sprichwörtliche Senfkorn und vom Versetzen des sehr tief wurzelnden Maulbeerbaumes ins Meer kann auch keine Rede sein.

 

1. Dennoch gibt es ein Abwehrprogramm, einen Virenscanner, der ungeheure Ressourcen in uns mobilisiert. Der Apostel Paulus ermutigt auch uns, wenn er in seinem 2. Brief an Timotheus schreibt: „Entfache die Gnade Gottes wieder…Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“. Dabei denkt er an die Glut, die unter der Asche schwellt. Durch das Blasen oder Gebläse, lodern die Flammen wieder auf. In den Leiden, die wir um des Evangeliums und des Glaubens willen erdulden, gibt Gott uns die Kraft dazu. Es ist ein kostbares Gut, über das wir verfügen und das in uns wohnt. Habakuk drückt es mit den Worten aus: „ Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben.“ (justus ex fide vivit) Damit ist sein Gottvertrauen, sein Glaube angesprochen.

2. Das schaffen wir aber nicht aus eigener Kraft, sondern kraft der Vergebung, die Gott uns schenkt. Wenn wir selber auch vergeben, dann sprudelt in uns eine Kraftquelle, die nie versiegt. Ihn bitten wir mit den Jüngern: „Stärke unseren Glauben!“ Im griechischen Urtext heißt es: „lege zu uns Glauben“ (prósthes hemin pístin) im Sinne von  lege unserem Glauben noch zu.  Dann erst wird er so stark, dass er Berge versetzen, bzw. auch mal einen  Maulbeerbaum ins Meer verpflanzen kann. Deshalb sollen wir zum Gebet Zuflucht nehmen. Die Kirche empfiehlt uns im Monat Oktober ganz besonders das Rosenkranzgebet. Es ist ein wunderbarer Abwehrscanner. Mein Heimatpfarrer hat ihn uns Jugendlichen empfohlen mit den Worten: „Wer den Rosenkranz innerlich und gesammelt betet, der wird seinen Glauben niemals verlieren.“  Das war mir in der Sturm- und Drangzeit meiner Jugend eine große Hilfe. Von den vielen marianischen Frömmigkeitsformen liebte der neue Selige John Henry Kardinal Newman am meisten den Rosenkranz. Er schien ihm die einfachste, schönste und wirksamste aller privaten Andachten zu sein, von einer besänftigenden Süße, die sonst nirgendwo zu finden ist…Es gibt nichts, was mir mehr Freude macht.“  

 

3. Ein wichtiger Viren- Scanner gegen das Böse in der Welt,  ist die Dankbarkeit. Der Sklave, der vom Feld kommt, kann keinen Lohn dafür erwarten, dass er seinen Herren noch obendrein bekochen und bedienen muss. In Bescheidenheit sollen auch wir unsere Schuld bekennen und dass wir unnütze Diener sind. Aber umgekehrt ist es wichtig, dass wir unserem Herrn danken.

 

Wir danken heute nicht nur für die Ernte auf den Feldern draußen, die heuer etwas ärmlicher ausgefallen ist, sondern auch für 20 Jahre wiedervereinigtes Vaterland. Dass die Wiedervereinigung so schnell und ohne Blutvergießen erfolgt ist, grenzt an ein Wunder, das die Christen herbeigebetet haben. Wir danken des Weiteren für unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten, für unseren Broterwerb, unsere Gesundheit und nicht zu letzt für unseren Glauben. Denn der Gerechte lebt aus dem Glauben.

 

 

Liedvorschläge zum Erntedankfest: 907; 933,1; 731,1; 936;490; 941; 829; 266; 257,1-3

Liedvorschläge zum 27. Sonntag im Jahreskreis: 615;475;476; 529,5; 530,8; 976; 481,482, 554, 898,1+2

 

C) Allgemeines Gebet der Gläubigen zum Erntedankfest 2010

 

Gott, dein Geist bewegt die Herzen der Menschen und lässt sie reifen. Im Vertrauen auf seine Hilfe bitten wir:

 

1.       – Für alle in der Kirche und unserem Vaterland, damit sie am Tag der Deutschen Einheit dankbar  sind für das Geschenk des Glaubens und der Einheit…

 

 

2.       – Für alle Menschen, die geerntet haben oder deren Ernte zerstört worden ist, damit sie genug haben und dankbar sind…

 

 

3.       – Für alle, die Hunger, Not  und unter den erneuten Überschwemmungen in Sachsen leiden, damit ihnen durch unsere Caritasspende geholfen wird…

 

 

4.       – Für alle, denen wir unseren reich gedeckten Tisch verdanken…

 

 

5.       – Für alle, die in der Landwirtschaft arbeiten; um gerechten Lohn, damit sie davon leben können…

 

 

6.       – Für unsere polnischen Mitchristen, die Opfer des Busunglücks bei Berlin wurden und alle, die verstorben sind, damit sie immer bei Gott sind…

 

In dir ist das Leben, ist unsere Zukunft geborgen. Dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.