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Archive für 3.10.2010
27. So. im Jahreskreis, Klinikum, Gremsdorf und NEA, 3.10.10
3.10.2010 von eduard.
Habakuk 1,1,2-3; 2,2-4; Ps.95,1-2.9-9; 2 Tim 1,6-8.13-14; Lk, 17,5-10
Eine Nachricht schreckte in diesen Tagen die gesamte technische Welt auf. Ein neuer Krieg ist ausgebrochen, der mit virtuellen Waffen ausgetragen wird, die aus dem Internet kommen. „Cyberwar“. Es handelt sich dabei nicht mehr um Viren, die mal den einen oder anderen PC befallen, sondern um regelrechte Würmer. Der Computerwurm „Stuxnet“ hat im Iran 45.000 Rechner zerstört, darunter vermutlich auch welche, die dessen Atomprogramm steuern. Man spricht bereits von einer Computer-Rakete. Experten vermuten, dass hinter dem hochkomplexen Gebilde mit solch zerstörerischer Wirkung und solch ausgefeilten Schutzmechanismen das geballte technologische Wissen eines hoch entwickelten Staates stehen muss. Selbst eine ganze Schar von Hackern könne das nicht. Mittlerweile konnte er identifiziert und eine Abwehrsoftware entwickelt werden. Weil der Wurm mutiere, sei die Gefahr jedoch noch nicht gebannt.
Wenn wir uns in unserer Gesellschaft und unseren Gemeinden umsehen, haben wir zuweilen auch den Eindruck, dass ein satanischer Wurm sein zerstörerisches Werk vollbringt. Kirche, Familien und Gesellschaft beuteln Missbrauchsskandale. Dem Höfesterben der Landwirte ist das Sterben der kleinen Handwerksbetriebe gefolgt, der Metzger, Becker, Schreiner, Büttner. Andererseits fehlen in unserer Industrie Hunderttausende gut ausgebildeter Ingenieure und Fachkräfte. Ganze Industriezweige wie die Schuh- Textil und Musikinstrumentenindustrie sind ausgestorben oder ausgelagert worden. Es gibt nicht nur eine Wirtschafts- und Bankkrise, sondern auch eine Glaubenskrise. Die Zahl der Gottesdienstbesucher und Priester gehen überall stark zurück, aber auch die Zahl der Kinder. Viele Menschen leiden an unheilbaren Krankheiten. Der Prophet Habakuk bringt es auf den Punkt, wenn er ausruft: „Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu?“ Da könnte man wohl verzagen und kleingläubig werden. Unser Glaube ist auch nicht viel größer als das sprichwörtliche Senfkorn und vom Versetzen des sehr tief wurzelnden Maulbeerbaumes ins Meer kann auch keine Rede sein.
1. Dennoch gibt es ein Abwehrprogramm, einen Virenscanner, der ungeheure Ressourcen in uns mobilisiert. Der Apostel Paulus ermutigt auch uns, wenn er in seinem 2. Brief an Timotheus schreibt: „Entfache die Gnade Gottes wieder…Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“. Dabei denkt er an die Glut, die unter der Asche schwellt. Durch das Blasen oder Gebläse, lodern die Flammen wieder auf. In den Leiden, die wir um des Evangeliums und des Glaubens willen erdulden, gibt Gott uns die Kraft dazu. Es ist ein kostbares Gut, über das wir verfügen und das in uns wohnt. Habakuk drückt es mit den Worten aus: „ Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben.“ (justus ex fide vivit) Damit ist sein Gottvertrauen, sein Glaube angesprochen.
2. Das schaffen wir aber nicht aus eigener Kraft, sondern kraft der Vergebung, die Gott uns schenkt. Wenn wir selber auch vergeben, dann sprudelt in uns eine Kraftquelle, die nie versiegt. Ihn bitten wir mit den Jüngern: „Stärke unseren Glauben!“ Im griechischen Urtext heißt es: „lege zu uns Glauben“ (prósthes hemin pístin) im Sinne von lege unserem Glauben noch zu. Dann erst wird er so stark, dass er Berge versetzen, bzw. auch mal einen Maulbeerbaum ins Meer verpflanzen kann. Deshalb sollen wir zum Gebet Zuflucht nehmen. Die Kirche empfiehlt uns im Monat Oktober ganz besonders das Rosenkranzgebet. Es ist ein wunderbarer Abwehrscanner. Mein Heimatpfarrer hat ihn uns Jugendlichen empfohlen mit den Worten: „Wer den Rosenkranz innerlich und gesammelt betet, der wird seinen Glauben niemals verlieren.“ Das war mir in der Sturm- und Drangzeit meiner Jugend eine große Hilfe. Von den vielen marianischen Frömmigkeitsformen liebte der neue Selige John Henry Kardinal Newman am meisten den Rosenkranz. Er schien ihm die einfachste, schönste und wirksamste aller privaten Andachten zu sein, von einer besänftigenden Süße, die sonst nirgendwo zu finden ist…Es gibt nichts, was mir mehr Freude macht.“
3. Ein wichtiger Viren- Scanner gegen das Böse in der Welt, ist die Dankbarkeit. Der Sklave, der vom Feld kommt, kann keinen Lohn dafür erwarten, dass er seinen Herren noch obendrein bekochen und bedienen muss. In Bescheidenheit sollen auch wir unsere Schuld bekennen und dass wir unnütze Diener sind. Aber umgekehrt ist es wichtig, dass wir unserem Herrn danken.
Wir danken heute nicht nur für die Ernte auf den Feldern draußen, die heuer etwas ärmlicher ausgefallen ist, sondern auch für 20 Jahre wiedervereinigtes Vaterland. Dass die Wiedervereinigung so schnell und ohne Blutvergießen erfolgt ist, grenzt an ein Wunder, das die Christen herbeigebetet haben. Wir danken des Weiteren für unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten, für unseren Broterwerb, unsere Gesundheit und nicht zu letzt für unseren Glauben. Denn der Gerechte lebt aus dem Glauben.
Liedvorschläge zum Erntedankfest: 907; 933,1; 731,1; 936;490; 941; 829; 266; 257,1-3
Liedvorschläge zum 27. Sonntag im Jahreskreis: 615;475;476; 529,5; 530,8; 976; 481,482, 554, 898,1+2
C) Allgemeines Gebet der Gläubigen zum Erntedankfest 2010
Gott, dein Geist bewegt die Herzen der Menschen und lässt sie reifen. Im Vertrauen auf seine Hilfe bitten wir:
1. – Für alle in der Kirche und unserem Vaterland, damit sie am Tag der Deutschen Einheit dankbar sind für das Geschenk des Glaubens und der Einheit…
2. – Für alle Menschen, die geerntet haben oder deren Ernte zerstört worden ist, damit sie genug haben und dankbar sind…
3. – Für alle, die Hunger, Not und unter den erneuten Überschwemmungen in Sachsen leiden, damit ihnen durch unsere Caritasspende geholfen wird…
4. – Für alle, denen wir unseren reich gedeckten Tisch verdanken…
5. – Für alle, die in der Landwirtschaft arbeiten; um gerechten Lohn, damit sie davon leben können…
6. – Für unsere polnischen Mitchristen, die Opfer des Busunglücks bei Berlin wurden und alle, die verstorben sind, damit sie immer bei Gott sind…
In dir ist das Leben, ist unsere Zukunft geborgen. Dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn. AMEN.
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