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31. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf, 31.10.2010 - 9.00 Uhr

Dieser Eintrag stammt von eduard Am 31.10.2010 @ 21:50 In Pfarrer Topits | 448 Kommentare


Weisheit 11,22-12,2; Ps. 145,1-14;  2 Thessal 1,11-2,2; Lk 19,1-10

Lieder: 290,1+2; 457; 477; 531,3; 622; 459; 461; 559; 976; 573

 

Jede und jeder von uns hat auf der Arbeit oder im Büro einen Chef oder eine Chefin, vielleicht ist die eine oder der andere selber Chefin oder Chef. Manchmal stellen wir uns die Frage: Wie muss ein guter Chef sein? oder wie müsste er nach meiner Vorstellung sein? Darauf hat der verstorbene Papst Johannes der XXIII. humorvoll geantwortet: „Ein guter Chef muss alles sehen, vieles übersehen und wenig bemerken, d.h. beanstanden!“

 

An diese Aussage musste ich denken, als ich die Worte der Lesung aus dem Buch der Weisheit über Gott bedachte: „Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.“ Ist Gott für uns nicht auch so wie ein guter Chef, der zwar alles sieht, aber vieles in Geduld übersieht und nur wenig beanstandet. Der Weisheitslehrer aus dem Alten Bund stellt fest, dass Gott maßlose Geduld mit den Menschen hat. Er kann der menschlichen Sünde zuschauen - nicht weil er machtlos ist oder sie gar gut heißt - sondern gerade weil er allmächtig ist. Er lässt den Menschen und der Welt Zeit, zur Einsicht zu kommen, sich zu ändern, weil er alles zum Guten führen möchte. In der Lesung aus dem 2. Thessalonicherbrief heißt es denn auch:  „ Wir beten immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten vollende.“

 

Ein guter Chef weiß alles. So weiß auch der Herr Jesus um die Machenschaften und Betrügereien des Oberzöllners Zachäus. Er heißt die zwar nicht gut, aber er gibt ihm Zeit sich zu Besinnen und selber die Konsequenzen daraus zu ziehen. Er lässt ihn zunächst auf einen Baum steigen. So ein Maulbeerfeigenbaum hat Äste, die bis zum Boden reichen. Man kann also darauf bequem aufsteigen wie auf einer Leiter. Den ersten Ast, den Zachäus bestieg, könnten wir Neugierde nennen. In ihm bricht eine unerklärliche Sehnsucht auf, diesen Jesus zu sehen. Auch die meisten Leute um ihn herum waren aus Neugierde gekommen. Aus Neugierde wollte auch König Herodes diesen Mann aus Nazareth sehen, um einige Zauberstücke von ihm zu erhaschen.

Den zweiten Ast könnten wir schon mit Interesse umschreiben. Es ließ ihn einfach nicht mehr los. Dahinter stand die Vermutung, dass dieser Jesus etwas mit meinem Leben zu tun haben könnte. Er hat jeden Fall etwas, was mich selber betrifft.  

 

Beim dritten Ast kommt die Hoffnung ins Spiel: ob dieser Wanderprediger nicht doch der Messias sei. Aus der gleichen Hoffnung heraus, wollten die griechischen Pilger beim Fest in Jerusalem Jesus sehen.

 

Als der Zöllner auf den 4. Ast kletterte, brauchte er nicht weiter zu klettern. Nicht nur dass er jetzt Jesus gut sehen konnte, auch der sah ihn, kam auf ihn zu und begegnete ihm, indem er ihn mit der Ehre seines Besuches beschenkte. Eine wichtige Aussage finden wir im Namen des Zöllners beschlossen: Zachäus kommt von ´“zakkai“. Das heißt so viel wie: „Gott erinnert sich.“ Gott erinnert sich an uns und an alle, die sich verloren hatten. Die Verlorenen tun ihm in der Seele leid. „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

 

Geduldig zu sein mit uns mit uns selber und mit unseren Mitmenschen gehört wohl zu den größten Herausforderungen unseres Lebens. Don Bosco hat sich stets der verwahrlosten Gassenjungen in Turin angenommen. Elternlos wuchsen sie heran, ohne Liebe und sie hungerten. Deshalb lud er sie zu sich ein und seine Mutter half ihm beim Kochen und Bewirten der armen Jungen. Das ging eines Tages über die Kräfte seiner Mutter. Zudem waren die Gassenjungen frech und undankbar. Deshalb entschloss sie sich von ihrem Sohn wegzugehen. Als Don Bosco seiner Mutter mit gepackten Koffern in der Haustüre begegnete, bat er sie einen Augenblick noch Geduld zu haben. Er stellte sich mit ihr schweigend unter das große Kreuz, das im Zimmer hing. Beide schauten darauf. Nach einigen Minuten seufzte die Mutter und sagte: „Den da hatte ich ganz vergessen!“ Sie packte ihre Sachen wieder aus, ging in die Küche, um zu kochen.

 

Wo wir Menschen Geduld mit unseren Mitmenschen aufbringen, scheint etwas von der göttlichen Geduld auf. Denn „der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade.“ (Antwortpsalm)  

C) 31. Sonntag im Jahreskreis, Gremsdorf ,  31.10.2010

Wir kleine Menschen haben uns vor dem großen Gott versammelt. Und er neigt sich unserem Beten zu. So bitten wir ihn:

 

1. Für den ersten Kardinal aus der Geschichte unseres Erzbistums Prälat Walter Brandmüller, den der heilige Vater dadurch besonders auszeichnen wollte.

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

 

2. Für die Frauen und Männer, die sich in Kindergarten und Schule  oder im Ehrenamt um die Weitergabe des Glaubens bemühen und mit ihrem Lebensbeispiel bezeugen…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

3. Für alle, die der Kirche fremd geworden oder auf Irrwege geraten sind, sich aber neu orientieren möchten und Interesse am Reich Gottes zeigen…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

4. Für alle unsere Kranken, die in ihrem Leben unbeachtet bleiben und die, die sie pflegen, ermutigen und begleiten…

Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

 5. Für unsere verstorbenen Schwestern und Brüder, die eingeladen sind teilzunehmen am Gastmahl der ewigen Freude…

 Du Freund des Lebens: Wir bitten, dich, erhöre uns. 

 

Gott, himmlischer Vater, deinen Sohn hast du gesandt, um uns zu suchen und zu retten, was verloren ist. Darum vertrauen wir auf dich und danken dir heute und alle Tage bis in Ewigkeit. AMEN. 

 


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