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Archive für 5.12.2010
Zweite Adventssonntag, Gremsdorf/ NEA, 5. Dezember 2010
5.12.2010 von eduard.
Jesaja 11,1-10; Ps 72,1-17; Römer 15,4-9; Matthäus 3,1-12Lieder: 115,2; 152,1 530,2; 105; 491;492; 116,1-3 + 106,1-3; 577,1+2
Mit das schönste was Tilmann Riemenschneider geschaffen hat, dürfte sein „Johannes der Täufer“ sein, der in der Pfarrkirche St. Kilian in Haßfurt steht. Die Schnitzarbeit fällt in die erste Schaffensperiode des Künstlers 1490, als er noch sehr viel dreidimensional mit vollständiger Plastik arbeitete. Weil seine Werke so schön ausgearbeitet waren, brauchte man sie erstmals nicht farblich fassen. Das Holz konnte Natur belassen bleiben. Das besondere an dem Johannes sind viererlei Haare. Da sind zunächst die wild gelockten Kopfhaare des Täufers. Ein Mensch, der in der Wüste lebt, kann nicht ständig zum Friseur gehen und hat auch keine Möglichkeit seine Haare zu pflegen. Wieder anders geschnitzt sind die Barthaare. Sie sehen aus wie Wurzel, die sich um das Gesicht ranken. Meisterhaft unterscheiden sich davon die herabwallenden Kamelhaare seines Gewandes. Man spürt förmlich die Wärme, die von ihnen ausgeht. Am kunstvollsten hat Riemenschneider jedoch die Wollhaare des Lammes gestaltet. Denn das ist für ihn das Wichtigste. Das verstärkt er noch mit der Arm und Handbewegung und dem Zeigefinger, der auf das Lamm gerichtet ist: „Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“! Darauf weist auch der Faltenwurf hin.
Vom Lamm ist auch beim Propheten Jesaja die Rede. Es braucht keine Angst mehr zu haben vor dem Wolf. Der Panther liegt beim Böcklein, Kalb und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen bei einander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Die Tiere leben nun versöhnt und friedlich auf dem heiligen Berg Gottes. Es ist eine idyllische Fabel, die es sonst in der Natur nicht gibt. Da ist es doch natürlich, dass das Lamm vom Wolf gerissen, dass das Böcklein vom Panther, das Rind vom Löwen, und das Kalb von der Bärin und das Rind vom Löwen gefressen wird. Gemeint könnten damit die Menschen sein, die sich endlich verstehen und aussöhnen. Aber das ist eine Zielvorgabe. Unsere Wirklichkeit hier in diesem Leben sieht anders aus. Sie gleicht eher dem rauen Auftreten des Täufers.
Mit seiner Bußpredigt und seiner einfachen Lebensweise, bereitet er dem Messias-Erlöser den Weg. In diesen Tagen waren sämtliche Räumfahrzeuge unterwegs, um die Straßen von dem reichlichen Schneebefall einigermaßen befahrbar und begehbar zu machen. So manche Schneeverwehung musste abgetragen und so manche glatte Stelle bestreut werden. Sind wir nicht alle solche Wegbereiter. Johannes Paul II. schrieb mal: „Jeder Mensch ist ein Weg zu Gott!“ Auf was muss ein Wegbereiter achten? Er muss selber festen Boden unter seinem Fahrzeug haben. Außerdem braucht er den Splitt oder Salz zum Streuen. Das heißt: Er muss von seiner Botschaft überzeugt sein, so radikal wie es Johannes der Täufer war. Außerdem darf er vor Hindernissen nicht zurückschrecken und vor allem muss er durchhalten. Nicht selten stößt er auf das Wurzelwerk eines Baumes, der unter der Schneelast umgekippt und gestürzt ist. Dann muss die Axt her, manchmal die Worfschaufel. Vom Bild des Baumes mit den Früchten geht Johannes zur Getreideernte über. Das Körner- und Strohgemisch musste nach dem Ausschlagen auf der Tenne hoch geworfen werden. Die schweren Körner vielen wieder zu Boden, während die leichte Spreu davon flog und verbrannt werden musste.
Zu all dem braucht man viel Geduld. Unser Gott ist ein Gott der Geduld und des Trostes. Beides können wir aus den heiligen Schriften lernen. Es gilt reichlich aus ihnen zu schöpfen. Es war eine der Hauptintentionen des Zweiten Vatikanischen Konzils den Tisch des Wortes in der hl. Messe reichlicher zu decken. „Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch den Trost der Schrift neue Hoffnung haben.“ (Römer 15,4-9) Der hl. Vater betont in seinem letzten Rundschreiben „Verbum Domini“ über die Schönheit der Verkündigung vom November nochmals eigens die Bedeutsamkeit und die Wichtigkeit der AT- lichen Lesung. „Die Wurzel des Christentums liegt im AT“ Im Mittelpunkt des Schreibens steht die Liturgie als bevorzugter Ort des Wortes Gottes. Erneut fordert Benedikt XVI. eine größere Sorgfalt bei der Verkündigung desselben. Auch setzt er sich erneut für das Singen und Beten der Psalmen ein. Wegbereiter könnten auch wir sein, indem wir ein Wort der Schriftlesung in uns aufnehmen und in unser Leben umsetzen. Hilfreich könnte uns dabei der messianische Psalm des heutigen Sonntags sein: „Seht unser König kommt. Er bringt seinen Volk den Frieden.“
A) 2. Adventssonntag, Gremsdorf/NEA, 5. 12. 2010 Allgemeines Gebet der Gläubigen:Unser Herr und Gott entscheidet für die Armen und Hilfslosen, wie es recht ist. Deshalb wagen auch wir es ihm unsere Anliegen vorzubringen:
1. Für die heilige Kirche und alle Christen, dass Glaube, Hoffnung und Liebe in diesen Tagen wachsen…ALLE: Herr, unser Gott, erhöre uns!
2. Um den Frieden in der Welt, besonders zwischen Nord- und Südkorea, wie auch an weiteren Krisenpunkten unserer Zeit…ALLE: Herr, unser Gott, erhöre uns!
3. Für die Kommunion-Kinder unserer Pfarrgemeinde, die letzte Woche erstmals gebeichtet haben…ALLE: Herr, unser Gott, erhöre uns!
4. Für die Opfer des Waldbrandes im Heiligen Land…ALLE: Herr, unser Gott, erhöre uns!
5. Um ein mildes Gericht für unsere Verstorbenen, deren wir heute besonders gedenken…ALLE: Herr, unser Gott, erhöre uns!
So haben wir durch das Zeugnis der Schriften Trost und Hoffnung. Dafür danken wir dir durch Christus unseren Herrn. AMEN.
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