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3. Adventssonntag „Gaudete“ , Gremsdorf, 12.12. 2010
Dieser Eintrag stammt von eduard Am 12.12.2010 @ 23:05 In Pfarrer Topits | 1044 Kommentare
Philipper 4,4-5; Jesaja 25,1-10; Psalm 146,6-10; Jakobus 5,7-10; Matthäus 11,2-11
Liedvorschläge: 115,3; 103; 118,5; 530,6; 843; 438;439; 845(Diözesananhang! „Freut euch im Herrn, denn er ist nah“) Dankgesang: 112,1-3; 577,3+4
INTROITUS Gaudete - Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.
PREDIGT Entlang der Aisch sieht man an vielen Stellen Schilfrohr stehen. Auf meinem Weg hierher und dann vor allem vor Uehlfeld und Neustadt gibt es größere Bestände an Rohrpflanzungen. So ein Schilfrohr ist sehr geschmeidig und biegsam. Es neigt sich im Wind und kann nur so überleben, das es nach allen Seiten hin nachgibt. Die Anpassungsfähigkeit lässt jedoch in dem Grad nach, in dem es trocknet. Gewiss tut man dem Schilfrohr unrecht, aber gerade dieses Nachgeben nimmt man zum Anlass es mit einem charakterlosen Menschen zu vergleichen, der seine Fahne in den Wind steckt, keine Grundsätze kennt und jedem Recht gibt.
Johannes der Täufer war nicht von der Art. Das bestätigt ihm Jesus in seiner Rede, nach dem die Jünger des Johannes ihn aufgesucht hatten. „Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?“ - Der Wüstenprediger steht voller Sendungsbewusstsein in dem Felsen eingeschnittenen Jordantal und predigt Buße und Umkehr. Er nimmt sich kein Blatt vor dem Mund und hält mit seiner Kritik auch vor den Mächtigen seiner Zeit nicht zurück. Solange man noch über den „komischen Kautz“ lachen und sich lustig machen konnte, der ein Gewand aus Kamelhaaren trägt und Heuschrecken isst, ließ man ihn großzügig gewähren. Aber recht bald hatte er Anhänger um sich geschart, die seine Anschauungen teilten und gegen den sittenlosen Lebensstil des Königs Herodes protestierten. Mit jedem Tag wurde Johannes für die Herrschenden gefährlicher. Sie verhafteten ihn kurzerhand und setzten ihn in das Gefängnis der Wüstenfestung Machärus. Mag er noch aufrechten Ganges ins Gefängnis gegangen sein, so folgte nun die schwierigste Zeit seines jungen Lebens. Denn die Verließe der Burg lagen tief. Kein Tageslicht drang bis hierher und kein Schrei von hier nach Außen. Gefesselt und gefoltert, nur spärlich mit Nahrung versorgt, gerät der Mensch in eine Extremsituation. Seine Jünger durften ihn von Zeit zu Zeit besuchen. Und was sie ihm vom Auftreten Jesu berichteten, das stimmte so gar nicht mit den harten Bandagen seiner Gerichtspredigt überein. Ein sanfter Messias, der das geknickte Rohr nicht zerbricht, sondern aufrichtet, der nicht kämpft und der keine Truppen zusammenstellt. Johannes sieht das Feuer nicht, das er verkündigt und erwartet hatte. Und er hört auch nicht die Axt, die alles Faulende ausrotten sollte. Und da kommen ihm Zweifel. Er zweifelt an seinem Retter und Heiland. In Freiheit hätte er das noch ertragen oder sich mit Jesus aussprechen können. Aber hier im Gefängnis kann er nichts mehr tun. Immer drängender erhob sich in ihm die Frage: „War denn mein ganzes Wirken umsonst? Leide ich vergeblich? Bist Du es überhaupt, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Keiner kann sich das Wort, das ihn erlöst und befreit selber zusprechen. Auch Johannes konnte dies nicht. Auch er brauchte einen größeren dazu. Wer so voller Zweifel ist, kann nichts mehr aus eigener Kraft tun. Jesus antwortet ihm mit den Worten des Propheten Jesaja: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Taube hören, Stumme reden wieder.“ Dem fügt er noch hinzu: Tote stehen wieder auf, und den Armen wird das Evangelium, die gute Nachricht verkündet. Und dann kommt sein ganz persönliches Wort an Johannes: „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“
Damit ist durchaus auch unsere eigene Lage als gläubige Christen in einer säkularisierten Umwelt geschildert. Auch unser Glaube ist angefochten und auch wir hegen unsere Zweifel. Ob sich das alles lohnt, ob die Hoffnung trägt, die Liebe siegt? Ob es mit dem Flaggschiff der Kirche noch stimmt? Mit Jesu Hilfe jedoch können auch wir die Zweifel überschreiten.
Es geht auch darum, solche Zweifel aushalten zu können und nicht vorschnell den Glauben aufgeben. Der Advent ist eine Zeit des Wartens. Das erfordert Geduld, wie sie der Landwirt aufbringt, indem er auf die Ernte wartet. Das ist für uns umso schwieriger, weil der Zeitgeist sofortige Befriedigung aller Wünsche erheischt. Es ist die Mentalität: „Ich will alles und zwar sofort!“
Hilfreich sind uns dagegen die Gebete, Lieder und Gebräuche des Advents. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Vorbereitungszeit vor den Festtagen gibt, eine Zeit der Wüste, die die Sehnsucht und die Vor- Freude weckt. Der dritte Adventssonntag ist der Sonntag der Freude im Advent - „Gaudete“.
In einem Kalender stand in diesen Tagen der Spruch: „Das schönste Geschenk der Seele für den Menschen ist die Fähigkeit zur Freude.“ das ist recht bedenkenswert besonders in einer Zeit, die von Hektik und Geschenkrummel überquillt. Er sagt uns auch, dass es Geschenke gibt, die wertvoller sind als Silber und Gold und nicht mit Geld zu bezahlen sind. „Denn Gott hält uns ewig die Treue!“ (Psalm 146,6)
A) 3. Adventssonntag, Gremsdorf , 12.12.2010 Allgemeines Gebet der Gläubigen Auf die einzelnen Gebetsanliegen antworten wir mit: Komm und erlöse sie!
Gott hat uns seinen Beistand zugesagt. Er ist in unserer Mitte. Deshalb lasst uns beten:
1.- Für die Christen, die sich in diesen Tagen auf den Herrn und seine Freude besinnen…ALLE: Komm und erlöse sie!
2.- Für die Schwankenden und für alle vom Leben Enttäuschten, die nach Halt und Sinn suchen… ALLE: Komm und erlöse sie!
3. – Für alle die alt, krank, einsam oder unglücklich sind und die einen Wegweiser brauchen…ALLE: Komm und erlöse sie!
4.- Für unsere Verstorbenen, die in der Hoffnung auf die ewige Freude, von uns gegangen sind…ALLE: Komm und erlöse sie!
Gott, von deiner Herrlichkeit und Schönheit singt die ganze Schöpfung. Wir haben deine Güte erkannt in Jesus, den du zum Heil der Welt gesandt hast. Durch ihn sagen wir dir Dank und preisen dich, heute, allezeit und in Ewigkeit. AMEN.
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