- Aktuelles.Orzydorf.de - http://blog.orzydorf.de -
E-Mail 19.12.2010
Dieser Eintrag stammt von eduard Am 19.12.2010 @ 13:52 In Pfarrer Topits | 865 Kommentare
Liebe Freunde,
zunächst möchte ich Ihnen(Euch) unser Weihnachtsrätsel vorführen, das dies Jahr aus drei Fragen besteht:
1. Welches von den 4 Evangelien ist am längsten bzw. hat den meisten Text?
2. Wie viel älter ist Johannes der Täufer und aus welchen Schriftstellen geht dies hervor?
3. Wer war der erste Märtyrer des Neuen Bundes: Stephanus oder Johannes der Täufer oder Jakobus der Ältere? Aus welchen Schriftstellen ersehen wir dies?
Mit dem 17. Dezember, also am letzten Freitag begann der II. Teil des Advents, der unmittelbaren Vorbereitung auf das Kommen des Herrn. Der I. Teil wollte die Sehnsucht nach seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten wecken.
Das besondere des zweiten Teils des Advents sind nicht nur intensiv und schön gestaltete Messgebete und Lesungen, sondern vor allem die großen O- Antiphonen. Was ist eine Antiphon überhaupt? Es ist die Zusammenfassung eines Psalms oder einer Schriftlesung in wenigen Stichworten, die das Wesentliche enthalten und aussagen. Es gibt insgesamt 7 solcher großer d.h. längerer Antiphonen. In voller Länge kommen sie aber nur in der Vesper nach dem Magnifikat vor. In der hl. Messe bringen die Hallelujaverse jeweils eine kürzere Variante, vermutlich wegen des Singens. Das Gotteslob Nr. 772 verbindet die O- Antiphonen mit einer meditativen Andacht an. „O“- heißen sie, weil sie zum Zeichen der Sehnsucht mit diesem Ausruf beginnen, sowohl im Lateinischen als auch im Deutschen. Die einzelnen Antiphonen sind demnach:
1. „O SAPIENTIA - O WEISHEIT(17. Dezember), hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest
du alles. Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.“ - Für uns Christen ist die Weisheit Jesus Christus selbst. Im Alten Bund wird sie zunächst als besondere Eigenschaft Gottes beschrieben. Die 7 Lehrbücher werden insgesamt als Weisheitsliteratur bezeichnet. (Ijob, Psalmen, Sprichwörter, Kohelet, Hohelied, Weisheit, Jesus Sirach)
2. „O ADONAI - O HERR(18. Dezember) und Fürst des Hauses Israel, du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und gabst ihm das Gesetz am Sinai. Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.“ - Adonai war eine Umschreibung des Namens Gottes, der anstelle des unaussprechbaren JAHWES verwendet werden durfte. Es geht hier in der Antiphon, um die Gottesbegegnung, die uns der Dornbusch des Neuen Bundes ermöglicht.
3. „O RADIX JESSE - O WURZEL JESSE, (19. Dezember) gesetzt zum Zeichen für die Völker. Vor dir verstummen die Mächtigen, dich rufen die Völker. Komm, o Herr, und erlöse uns; zögere nicht länger.“ - Damit ist schon der menschliche Stammbaum des Erlösers angedeutet. Denn „Jesse“ oder „Isai“ war der Vater des Königs Davids, aus dessen Geschlecht der Messias geboren wird. Die Wurzel ist ein wunderschönes Symbol für den Advent überhaupt. Sie sollte jetzt anstelle der Blumen im Advent treten. Denn der Advent ist eine Zeit der Buße und der Erwartung. Werden wir uns der Wurzel unseres Glaubens bewusst. Sie reicht tief bis in den Alten Bund hinein.
4. „O CLAVIS DAVID - O SCHLÜSSEL DAVIDS(20. Dezember) und Zepter des Hauses Israel. Du öffnest und niemand schließt, du
schließest und niemand öffnet. Komm, o Herr, befreie aus dem Kerker den Gefangenen, der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.“ - Zur Zeit der Könige gab es in Jerusalem für deren Palast ein ausgeklügeltes Schlüsselsystem, um die Tore zu schließen und zu öffnen. Dazu gehörte ein Riesenschlüssel aus Holz, der ung. 1- 1/2 m groß war. Der Schließer trug ihn stets auf seiner Schulter, so oft er seinen Dienst versah. Bei seiner Einstellung wurde ihm dieser Schlüssel feierlich überreicht. Wir wissen, wer für uns der ist, der den Zugang zu Gott öffnet und schließt.
5. „O ORIENS - O AUFGANG(21. Dezember), Glanz des ewigen Lichtes, du Sonne der Gerechtigkeit. Komm, o Herr, und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.“ - Schon die Urkirche hat das Bild der aufgehenden Sonne, des neuen Tages auf die Auferstehung des Herrn gedeutet, orto iam sole - als soeben die Sonne aufgegangen war.
6. „O REX GENTIUM - O KÖNIG DER VÖLKER(22. Dezember), den sie alle ersehnen . Du Eckstein, der das Getrennte eint. Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde geschaffen hast.“ - Schon die Propheten mit Jesaja und Daniel haben eine Zeit verheißen, in der sich alle Völker zu dem einen Gott bekehren und bekennen werden. Der Eckstein ist ein beliebter Vergleich im Neuen Bund für den Erlöser. Er ist bereit den Menschen zu erlösen, den er geschaffen hat. Hier klingt auch das Motiv der Schöpfung und der Neuschöpfung in der Erlösung an.
7. „ O IMMANUEL - O GOTT MIT UNS. (23. Dezember) Du König und Lehrer, du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland. Komm, o Herr, und
erlöse uns, Herr, unser Gott.“ - Es ist das erhabene Bild des Propheten Jesaja 8,8-10 und 9,1-6, das ausklingt in den Eröffnung- Gesang der Weihnachtsmesse: „Denn uns wurde ein Kind geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.“ Im „PUER NATUS“ erklingt bereits die Ouvertüre zur Geburt Christi.
Wer möchte gerne einen Beitrag für Weihnachten liefern, sei es eine Meditation oder eine Predigt?
Auf jeden Fall wünsche Ich Euch(Ihnen) viel Freude beim Schmöckern mit dem Weihnachtsrätsel. Somit wünsche ich Ihnen(Euch) einen gesegneten und besinndlichen 4. Advent bis demnächst
Ihr(Euer) Internetpfarrer Egmont Franz Topits
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Aktuelles.Orzydorf.de: http://blog.orzydorf.de
URL zum Artikel: http://blog.orzydorf.de/2010/12/19/e-mail-19122010/
Klicken hier zum Drucken.