- Aktuelles.Orzydorf.de - http://blog.orzydorf.de -
2. Sonntag im Jahreskreis, Höchstadt/Gremsdorf, 16.1.2011
Dieser Eintrag stammt von eduard Am 16.1.2011 @ 21:11 In Pfarrer Topits | 312 Kommentare
Liedvorschläge: 265; 907; 170,1; 530,8; 622; 434; 435;554.. Zum Dank: 825,1+2 und zum Auszug 577,1+4
Im letzten Jahr ereignete sich die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten. Im Golf von Mexiko war eine Bohrinsel explodiert. Durch den Sturz kam es zur Zerstörung der Leitungen und aus dem Bohrloch flossen Millionen Tonnen Rohöl täglich ins Meer. Damit hätte man den Energiebedarf der Menschheit auf Jahre hinaus decken können. Was aber noch schlimmer zählt: das Meer wurde so stark verschmutzt, dass die Fische und Vogelwelt starben, die Strände für die Urlauber waren unbrauchbar geworden. Alles bedeckte eine dicke schmierige Schlammschicht. Aus purer Profitgier hatte man es versäumt Sicherungen einzubauen.
Ist das nicht ein Gleichnis für die Welt, die von Leid und Sünde gezeichnet ist? Es ist die „Sünde“, die seit der Ursünde unsere ganze Welt immer wieder heimsucht und bedeckt. Gleichzeitig ist es der Raum der göttlichen Schöpfung, der davon betroffen ist. Hier ereignet sich aber auch die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Christus ist der einzige, der die gesamte Sündenlast der Welt auf sich geladen und weggenommen hat. Aus Liebe zu uns Menschen setzt Jesus seine ganze Gerechtigkeit für uns bei Gott seinem Vater ein. Der Tod des Gerechten ist immer auch ein Teil seines Wirkens, ohne den alles nur unvollkommenes Stückwerk bliebe.
Johannes vergleicht das Erlösungswerk des Herrn mit einem Lamm. Bei der Taufe Jesu zeigte er auf ihn und sagte: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.“ Wie kann ein Lamm so etwas bewirken und worin besteht der Vergleichspunkt? Wie kann es die Sünden wegtragen. Das Lamm verfügt über ein blendend weißes Fell. Weiß ist die Farbe der Unschuld. Der Erlöser ist das Unschuldslamm Gottes. Das ist eine Bezeichnung für den vollkommenen Gerechten. Nur er kann bei Gott für uns eintreten und ihn mit seinem Anblick versöhnen, für die vom Schlamm der Sünde befleckte Menschheit. Dei weiße Wolle saugt den Schmutz gleichsam auf und reinigt die verunreinigte Welt. So hat man auch beim Ausbruch der Ölpest versucht das Öl aus dem Meer abzupumpen und die Strände mit den betroffenen Vögeln zu waschen und zu reinigen.
Hinzu kommt noch der Vergleichspunkt mit dem geduldigen Leiden eines Lammes, das vor seinem Schwerer und Schlächter verstummt. Durch seinen Opfertod am Kreuz hat Jesus die Sünde der Welt gesühnt und somit Vergebung für uns von seinem Vater erwirkt.
Das Bildwort vom Lamm Gottes hat Eingang in die christliche Liturgie gefunden und wird in jeder hl. Messe gebetet oder gesungen. Zwischen den Jahren 687 und 701 regierte als Papst Sergius I. Er stammte aus einer syrischen Familie in Palermo– er war also Nichtrömer und Nichtgrieche, sondern Syrer. In seiner Zeit fand auf Befehl des Kaisers eine große Kirchenversammlung statt, genannt die Trullanische. Die Delegierten fassten den seltsamen und wenig erleuchteten Beschluss: dass Christus nicht mehr als „Lamm Gottes“ dargestellt werden dürfe, wie es überhaupt verboten sei Bilder in der Kirche zu haben und diese zu verehren. Die Bischöfe der Trullanischen Kirchenversammlung traten nun mit ihrem Beschluss auch an den aus dem Osten stammenden Papst. Sergius I. weigerte sich standhaft einen solchen Beschluss gut zu heißen. Kaiser Justinian von Ostrom wollte ihn deshalb unter Druck setzen und nach Konstantinopel dem heutigen Istambul entführen. Häscher werden ausgeschickt um den Papst zu kidnappen oder notfalls zu ermorden, aber der Anschlag misslingt.
Also gut sagte Papst Sergius I.: Im Oströmischen Reich darf das Bild vom Lamm Gottes nicht mehr in den Kirchen verehrt werden, drum singen wir es jetzt im Abendland als Lied in jeder hl. Messe des lateinischen Ritus. Damit verband der Papst seine Hoffnung, dass die Zeit des Bildersturmes vorübergehen werde. Und so geschah es auch. Das Lamm-Gottes-Lied versöhnte wieder Ost und West, vor allem dessen letzte Strophe: „gib uns deinen Frieden!“
Der Evangelist Johannes hat sich den Ausspruch seines ersten Lehrers tief eingeprägt. Und er ist es auch der Christus, das Lamm Gottes in der Herrlichkeit des Himmels thronen lässt. Dreißig mal spricht er in der Geheimen Offenbarung davon. Christus unser Osterlamm ist am Kreuz geschlachtet und thront jetzt in Herrlichkeit. Den Himmel selbst und das ewige Leben bezeichnet er als das Lamm Gottes. So sehen wir es auch über dem Tabernakel unserer Kirche.
So spannt das Agnus- Dei – Lied einen weiten Bogen vom Vorübergang des Herrn zur Rettung der Israeliten bis zur Wiederkunft des Herrn zur Rettung aller. Es gleicht im Gefüge der Messgesänge einem kostbaren Kristall, in dem die Heilsgeheimnisse der Christen wie farbenreiche Lichter glühen, die purpurnen Farben des Blutes und die goldenen Lichter des Sieges. Es drängt uns, diesen Glauben weiter zu vermitteln. Wo wir Gottes Liebe in unserem Leben aufleuchten lassen, gelingt dies auch. So hat Madeleine Delbrél (+1964) ihrem atheistischen Wohnviertel von Ivry bei Paris die Botschaft des Evangeliums gebracht. Ihr Einsatz für Arbeitslose, Alleinerziehende, Obdachlose und Orientierungslose diente als Ort, wo sie von ihrem Glauben Zeugnis ablegen konnte. So prägte sie das Wort: „Überall, wo die Liebe Eingang findet, verwandelt sie unser Leben in Brennstoff!“
A) Fürbitten zum 2. Sonntag im Jahreskreis,H/ G, 16.01.11
Zu den Gebetsanliegen wiederholen wir alle: Nimm an unser Gebet! Gütiger Gott, in Jesus, deinem Sohn, hast du uns gezeigt, wie du selber bist: groß und wunderbar in allem, was du tust. Im Vertrauen auf deine Güte, bitten wir dich:
1. Befähige alle getauften Christen zu einem glaubwürdigen Zeugnis unter den Menschen. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
2. Lass den Dialog der Religionen trotz der jüngsten Anschläge in Ägypten und Irak weiter gehen und dem Frieden in der Welt dienen. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
3. Steh den Opfern der Überschwemmungen und Schlammlawinen bei in Brasilien, Australien, Pakistan und auch bei uns. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
4. Offenbare dich der Menschen, die vermehrt nach Sinn und Orientierung suchen und bewahre sie vor falschen Heilbringern. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
5. Schenke unseren Familien Zusammenhalt und Mut für die Gemeinschaft in den Vereinen. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
6. Erfülle unsere Verstorbenen mit deiner Liebe, damit sie für immer glücklich sind. Gott, unsere Hoffnung:
ALLE: Nimm an unser Gebet!
Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens. Du hast dein Reich unter uns aufgerichtet in Jesus, deinem Sohn. In ihm wirst du es vollenden, damit dein Heil bis an die Ende der Erde reicht.
Wir loben dich und danken dir, jetzt und in Ewigkeit. AMEN.
Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab Aktuelles.Orzydorf.de: http://blog.orzydorf.de
URL zum Artikel: http://blog.orzydorf.de/2011/01/16/2-sonntag-im-jahreskreis-hochstadtgremsdorf-1612011/
Klicken hier zum Drucken.