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Sankt Sebastian - Ein frühchristlicher Märtyrer – topaktuell im Dreifrankeneck

Dieser Eintrag stammt von eduard Am 22.1.2011 @ 21:24 In Pfarrer Topits | 392 Kommentare

Geiselwind / Rambach / Reichmannsdorf: Der Heilige Sebastian ist der Kirchenpatron von, Rambach und Reichmannsdorf. Sein Gedenktag am 20. Januar  wird infolge eines Gelöbnisses  besonders festlich in Geiselwind begangen.

Sebastian (griech. / latein.: = der Verehrung Würdige) war nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius ein Mailänder, möglicherweise aber auch in Narbonne geboren. Er gehörte der Prätorianergarde als Hauptmann am kaiserlichen Hof Diokletians an, der dort ungeachtet des Verbotes seinen christlichen Glauben weiter bekannte und viele zum Christentum bekehrte. Seine Stellung erlaubte ihm, seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen, ihnen Mut zuzusprechen und immer weitere Römer zu bekehren.

Wahrscheinlich im Jahr 288 ließ der Legende nach der römische Kaiser Diokletian, als er von Sebastians Glauben erfuhr, ihn an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Er wurde jedoch von den Pfeilen nicht getötet. Die Witwe des Märtyrers Kastulus namens Irene nahm sich seiner an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Circus von Rom zu Tode peitschen und die Leiche in die “cloaca maxima”, die große Kloake, werfen. Sebastian erschien dann der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn an der Apostelkirche an der Via Appia, unter der heutigen Kirche San Sebastiano ad Catacumbas.

Diese gehörte zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms.

Die Verehrung des Hl. Sebastian in Rom ist schon im 4. Jahrhundert nachgewiesen. Im Jahr 680 soll in Rom eine Pestepidemie erloschen sein, nachdem man seine Reliquien durch die Straßen trug. Außerdem ist bekannt, daß man in Pestzeiten zum Schutz gegen die Seuche sog. “Sebastianspfeile” trug.

Das erste Martyrium des Heiligen wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance; der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei. 

Der hl. Sebastian ist der Patron der Brunnen, der Sterbenden, Schützengilden, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisengießer, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner, Gerber, Töpfer, Bürstenbinder und Leichenträger; gegen Pest und Seuchen.[1] [1]

Pestplagen sind auch der Grund für die bis heute starke Verehrung Sebastians in unserer Gegend.

Geiselwind:
In Geiselwind konnte bisher trotz sorgfältiger Recherchen der eindeutige Grund für die besonderen Feierlichkeiten am Sebastianstag („Sebastiani“) nicht festgestellt werden. Nach allgemeiner Meinung gilt es aber als sehr wahrscheinlich, daß hier ein Pestgelöbnis abgelegt wurde. Einen Hinweis dafür liefert das Altarbild des Hl. Sebastian im rechten Seitenaltar der Geiselwinder Pfarrkirche. In früheren Jahren war der Sebastianstag in Geiselwind mit bis zu sieben Beichtvätern und bis zu fünf Geistlichen, die teilweise sogar von Bamberg (Dom) nach Geiselwind kamen, um dieses sog. Hochamt zu zelebrieren. Etwa bis zur Gebietsreform wurde an Sebastiani in Geiselwind nicht gearbeitet, sondern ein Feiertag gehalten.

Auch im Jahr 2010 wird tradtitionsgemäß am 20. Januar um 10.00 Uhr ein Festgottesdienst unter Beteiligung von auswärtigen Geistlichen und am Nachmittag eine Festandacht gefeiert. Am Sonntag nach Sebastiani wird natürlich auch wieder der traditionelle Sebastianimarkt ausgerichtet.

Rambach:
Der mündlichen Überlieferung zufolge haben in Rambach drei Männer als einzige Überlebende einer Pestepedemie während des 30jährigen Krieges an der heute noch bestehenden Wegkapelle an der Abzweigung der Hirtengasse das Gelübde abgelegt, bei Abwendung der Seuche eine Sebastianskirche zu bauen und am Sebastianstag („Bastelsdooch“) zu Ehren des Heiligen einen Fast- und Abstinenztag zu halten. Das heißt, daß an diesem Tag auf Fleischspeisen verzichtet wird und jeder sich mit einer einmaligen Sättigung begnügt. Aus diesem Anlaß gibt es in einigen Familien die sog. „Bastelssuppe“ – eine Brotsuppe ohne Fleischzusatz; das mehr oder weniger geheime Rezept wird jeweils von einer Generation an die andere weitergegeben.

Dieser Tag war ursprünglich kein Feiertag im eigentlich Sinn, sondern wurde bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts nur als Fast- und Abstinenztag begangen, an dem am Vormittag ein sog. Hochamt und am Nachmittag eine Andacht gefeiert wurde. In der Amtszeit von Bürgermeister Fritz Ott wurde jedoch, dem Beispiel von Geiselwind und Reichmannsdorf folgend, dieser Tag ein arbeitsfreier Feiertag, der von vielen Rambachern bis heute so in Ehren gehalten wird. Auch die Rambacher Ministranten, die die Schlüsselfelder Volksschule besuchen, haben an diesem Tag schulfrei.

Traditionsgemäß wird auch in diesem Jahr der Sebastianstag mit einem Festgottesdienst usw. begangen. Am Sonntag danach wird dann Kirchweih gefeiert, die neben den kirchlichen Feierlichkeiten hauptsächlich in den Privathäusern bzw. mangels eines eigenen Gasthauses jährlich wechselnd in zwei Schlüsselfelder Wirtschaften abgehalten wird.

Beide Festtage, „Bastelsdooch“ und Kirchweih, sind auch heute noch für viele ein willkommener Anlaß, die Rambacher Kirche oder Angehörige zu besuchen.

Reichmannsdorf:
Im Gegensatz zu Geiselwind und Rambach beruht in Reichmannsdorf die Sebastiansverehrung nicht auf der Abwendung von Pestplagen. Lorenz Truchseß von Pommersfelden, geb. 1473, Domherr von Mainz und Würzburg, ließ die in Reichmannsdorf bereits bestehende Sebastianskirche restaurieren und erweitern. Gleichzeitig wurde auch eine Gruftkapelle erbaut. In diesem Zusammenhang stiftete er auch viele Reliquien und erwirkte die Erlaubnis, diese zur öffentlichen Verehrung ausstellen zu dürfen. Daneben sorgte er dafür, daß das Patronatsfest feierlich gestaltet  und eine Prozession abgehalten wurde.

1693 wurde eine Kollekte zum Neubau der Reichmannsdorfer Kirche gestattet, so daß davon ausgegangen werden kann, daß die jetzige „alte Kirche“ (= der heutige Seitenbau) um diese Zeit gebaut worden ist. Der Hochaltar dieser Kirche stammt aus dem Jahr 1704. Das Altarblatt zeigt den hl. Sebastian. Gestiftet wurde dieser Altar von Wolf Philipp Freiherr von Schrottenberg. In der Nähe des Hochaltars hängt das Bronze-Epitaph des Stifters und seiner Familie.[2] [2]

Heute wird das Patronatsfest jeweils am Sonntag nach dem Sebastianstag gefeiert. Die Prozession durch Reichmannsdorf, an der sich auch die örtlichen Vereine mit ihren Fahnenabordnungen beteiligen, schließt sich dem Festgottesdienst am Vormittag an. Die Festandacht am Nachmittag beschließt die Feierlichkeiten. (gp)


[3] [1] Ausführungen nach Angaben des ökumenischen Heiligenlexikons im Internet unter www.heiligenlexikon.de

[4] [2] nach Ausführungen in der Festschrift: 25 Jahre SC Reichmannsdorf, 1978


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