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Archive für 23.1.2011

3. Sonntag im Jahreskreis, Sambach/Gremsdorf, 23.01.2011

Jesaja 8,23-9,3; Ps 27,1-14; 1 Korinther 1,10-13.17; Mt 4,12-23

Liedvorschläge: Dritte Messreihe 485,186; 487; 488, 489; 490, 491; 492; 493; 494, 1+2; zum Auszug 494,3

ERÖFFNUNG

Singet dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Lande! Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, Macht und Glanz in seinem Heiligtum!

HOMILIE

Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen meistens noch stockdunkel. Ich setze  mich auf meinen  Plastikball, um meine Atemübungen zu vollziehen. Wenn ich dann gleichzeitig die Akkus meines Handys und meiner Kamera lade, dann zünde ich eine Kerze an. Ich schalte die Lichter aus und sitze im Dunklen und nehme das helle Licht der Kerze in mich auf. Ich genieße förmlich diese stillen Augenblicke am Anfang des Tages und fülle meinen inneren Lichtbedarf auf. So werde ich auch sensibler für das Licht und sein Geschenk.

Denn auch ich  gehöre zu dem Volk, das im Dunklen lebt und ein helles Licht sieht. Was ist unter dem Volk im Dunklen zu verstehen? Der Prophet Jesaja und auch das Matthäusevangelium verwenden den Ausdruck für den nördlichen Teil des Heiligen Landes, für das Gebiet der Stämme Sebulon und Naphtali, die Straße am Meer(Ascher), das Gebiet jenseits des Jordan(Dan und Manasse), eben das heidnische Galiläa.  Man nannte es in Jerusalem abschätzig als „heidnisch“, „Land der ungläubigen Menschen“, weil dort viele Griechen, Syrer und Römer lebten, nur ung. die Hälfte der Bevölkerung bestand aus Israeliten. Warum? In der Zeit der Könige spaltete sich das Nordreich von Juda mit Benjamin ab. Dieses Reich zerstörte der Assyrerkönig Sancherib und die meisten Bewohnen mussten in Verbannung. Man spricht in dem Zusammenhang auch von den verschwundenen Stämmen Israels.  Im Gegenzug siedelten die Assyrer heidnische Volksstämme dort an mit ihren unzähligen Göttern und Götzen und ihren Orgien und Ausschweifungen. Wer etwas gelten wollte, der ging von dort weg und lebte in Judäa oder noch besser gleich in Jerusalem. Galiläa hatte keinen guten Ruf. Erinnern wir uns an den Ausspruch: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes   kommen?“  

Ausgerechnet in diesem Landstrich, in dem viele Menschen das wahre Licht des Glaubens an den einen Gott nicht kannten, hat  Christus als das Licht der Welt den Großteil seines Lebens in Nazareth verbracht. Hier beginnt  er das Evangelium zu verkünden. „Kehrt um, das Himmelreich ist nahe!“ Warum wohl? - Nur wer das Dunkel kennt, ist aufmerksam für das Licht. Ein brennendes Licht kann man im Dunkeln viel besser sehen als im Hellen. Mitten am Tag braucht man keine Taschenlampe und keine Kerze. Das trifft auch im Übertragenen Sinne zu: Wer glücklich und zufrieden ist, braucht keinen Trost, aber er kann auch keinen geben. Wer immer gesund ist, braucht keinen, der ihm hilft, aber er kann sich auch nicht in die Lage eines not leidenden Menschen hinein versetzten. Wer immer gut drauf ist, der braucht keinen, der ihn ermutigt, aber in seiner Selbstgenügsamkeit fehlt ihm etwas ganz Wichtiges: Die Sehnsucht und Offenheit für Gott.  

Solange wir in diesem Leben unterwegs sind, zählen wir zum Volk, das im Dunkeln sitzt. Auch als Kirche kennen wir viele dunkle Schatten in unserer Umgebung. Denken wir nur an den Skandal der Trennung unter den Christen, an den Missbrauch und an unser oftmals so schwaches Zeugnis. Das macht uns bescheiden und demütig, aber weckt gleichzeitig in uns die Sehnsucht nach mehr Licht. Als Goethe starb, da stöhnte er auf mit den Worten: „Mehr Licht! Mehr Licht!“

Auch in unserem persönlichen Leben gibt es viel Schatten und Dunkelheit.  Von wo kommt uns das befreiende Licht? Wir nehmen es recht deutlich im Psalmwort wahr: „ Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir bangen.“ Der Herr Jesus hat mit seiner Frohbotschaft bei den Menschen begonnen, die seine Zuwendung am meisten brauchten. Denn das Volk, das im Dunklen wohnt, ist viel aufmerksamer für das Licht, als die die im Hellen leben.

A)         3. Sonntag im Jahreskreis, Sambach/ Gremsdorf, 23.01.2011

Gott, unser Vater, hat durch die Menschwerdung seines Sohnes ein helles Licht in das Dunkel dieser Welt gebracht. Er ruft auch heute Menschen in seine Nachfolge, um  die Stafette   des göttlichen Lichtes durch die Zeiten weiter zu tragen. So bitten wir ihn:

1.       Für alle Männer und Frauen, die du berufen hast, das Evangelium und die Botschaft des Gottesreiches zu verkünden, um Mut und Freude in ihrer Nachfolge…

Gott unser Vater: ALLE: Wir bitten dich, erhöre uns!

2.       Für alle christliche Kirchen und Gemeinschaften, für die wir in diesen Tagen beten, damit sie bald wieder zu einer Herde unter einem Hirten werden…

Gott unser Vater: ALLE: Wir bitten dich, erhöre uns!

3.       Für alle Politiker, die sich für Aussöhnung, Frieden und Gerechtigkeit unter den Völkern einsetzen; weite ihren Blick  auf die ganze Menschheitsfamilie hin…

Gott unser Vater: ALLE: Wir bitten dich, erhöre uns!

4. Für die Kranken und Siechen und für die, die  der plötzliche

    Tod lieber Menschen getroffen hat, wie auch für alle, die  

     ihnen beistehen, damit sie ihr Leiden annehmen können…

Gott unser Vater: ALLE: Wir bitten dich, erhöre uns!

5. Für die in  Bundeswehr und Marine zu Tode gekommenen Sol-

    daten und alle unsere Verstorbenen,  damit sie dein helles Licht   

    schauen…Gott unser Vater: ALLE: Wir bitten dich, erhöre uns!

Gott, dein Sohn ist in die Welt gekommen, um allen Menschen Licht und Heil zu bringen. In der Gemeinschaft mit ihm preisen wir dich im Heiligen Geist, jetzt und in Ewigkeit. AMEN.

 

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