Exodus 17,3-7; Antwortpsalm 95,1-9 (GL 529,5) Römer 5,1-8; Johannes 4,5-42
Liedvorschläge: 521; 529,5; 173,1; 490;491;492;493;637;584
Die Kommunionkinder werden am Tag ihrer Erstkommunion vom Dorfbrunnen aus als Sammelstelle zur Kirche ziehen. Brunnen und Wasserstellen sind seit jeher Orte der Begegnung, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen und wo Glaubenserfahrungen erfolgen. Die Dorfbrunnen sind in einer Zeit entstanden, als es nur wenige Brunnen gab und nur wenige Häuser und Höfe über solche verfügten.
Von so einer Brunnengeschichte erzählt uns das Evangelium. Es ist die Zeit der größten Mittagshitze, Jesus ist müde und möchte sich ein wenig ausruhen. Auch ist er durstig, hat aber kein Schöpfgefäß. In dem Augenblick tritt eine samaritanische Frau heran, um Wasser zu schöpfen.
Jesus wagt das Unvorstellbare: Obwohl dies verpönt war und gegen die damals herrschende Sitte verstößt, spricht er ohne Hemmungen eine Frau in der Öffentlichkeit an und obendrein eine Samariterin. Er stellt sich mit ihr auf eine Stufe und achtet ihre Würde. Er nimmt sie ernst und die Frau erkennt, aus der Einstellung Jesu ihr gegenüber, dass in ihrem Leben noch nicht schon alles gelaufen ist. Da scheint noch einiges offen zu sein, noch einiges möglich zu sein. Das zweite Tabu, das Jesus durchbricht, ist der Kontakt mit den Leuten aus Samaria. Denn die Juden pflegten mit den Samaritern keinen Verkehr. Die Frau reagiert auch prompt darauf mit Unverständnis und Verwunderung. Was hatte es mit dieser Feindschaft auf sich? Wie kam es dazu?
Nach dem Untergang des Nordreiches Israel 722 v. Chr. verschleppten die Assyrischen Machthaber große Teile der Bevölkerung und siedelten an ihrer Stelle 5 verschiedene Völkerschaften an. Die vermischten sich nicht nur mit den verbliebenen Juden, sondern nahmen auch deren Religion an, allerdings nicht in Reinkultur. Deshalb lehnten die zwei Hundert Jahre später aus der Babylonischen Gefangenschaft heimgekehrten Juden das Hilfsangebot der Samariter beim Wiederaufbau des Tempels zu Jerusalem ab. (Esra 4,3) Daraufhin bauten diese sich auf dem Berg Garizim einen eigenen Tempel. (Deuteronomium 27,4) Es blieb jedoch nicht bei den zwei Tempeln. Während des Freiheitskampfes der Makkabäer gegen die griechische Unterdrückung und im Zuge der Wiederherstellung des reinen Kultes, kam es zur Zerstörung des Tempels der Samariter. So geschehen 128- 112 v. Chr. durch Johannes Hyrkanus. Seither herrschte Feindschaft zwischen den beiden Volksgruppen.
Auf die verwunderte Frage der samaritanischen Frau, antwortet Jesus mit einer Aussage, die zunächst zu einem Missverständnis führt: „Wenn Du um die Gabe Gottes wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Die Frau versteht die Aussage zunächst wörtlich und bemerkt, dass ja Jesus über kein Schöpfgefäß bzw. Eimer verfüge. Was meint also Jesus mit der geheimnisvollen Gabe Gottes und seinem lebendigen Wasser? – Es geht also gar nicht um das physische Wasser H2O zum Trinken, sondern um die Gabe Gottes. Damit ist wohl die Offenbarung gemeint, dass sich Gott dem Menschen mitgeteilt hat, was er beachten muss, um sein ewiges Glück zu erlangen, sein Heil, eben das ewige Leben. Mit der „Gabe Gottes“ ist nicht nur gesagt, dass der Mensch sich sein ewiges Heil nicht selber geben kann, sondern dass er es erbitten muss. Deshalb bittet Jesus in der Mittagshitze vordergründig um einen Schluck Wasser, in Wirklichkeit ist er es aber, der über die Gabe Gottes verfügt. Er ist bereit sie jedem Menschen mitzuteilen, wenn dieser ihn darum bittet. Die Gabe Gottes verbildlicht sich im Lebendigen Wasser. Im Gegensatz zu stehendem Wasser, das fault, ist damit fließendes und belebendes Wasser gemeint. Die Offenbarung, die der Messias spendet, schenkt das Leben und stillt so das Verlangen, dem kein irdisches Wasser Genüge zu tun vermag. So erweist er sich auch als größer als der Stammvater Jakob, der diesen Brunnen gegraben hat. Im Glauben kann der Mensch schon jetzt Anteil erlangen am ewigen Leben Gottes. Die sprudelnde Quelle im Menschen selber, meint, dass er diese Offenbarung auch anderen Menschen weiter verkündigen kann. Bei der Samaritanischen Frau kommt es bei der Aussage Jesu, zu einem weiteren Missverständnis. Sie versteht die Worte Jesu als Verheißung eines Schlaraffenlandes, das von aller Mühe und Last befreit. Er aber meint damit das neue Gottesverhältnis, das sich in einem neuen Gottesdienst zeigt, der nicht mehr an den Tempel gebunden ist. Das Missverständnis löst sich aber von selber auf, als Jesus vom kommenden Messias sagt: Ich bin es! Der auferstandene Herr tritt an die Stele des Tempels. Wenn der Gottesdienst der Christen in Geist und in Wahrheit zu geschehen hat, so heißt das nicht, dass wir keine Orte bräuchten um zu beten und zu verehren. Aber wichtiger als der Ort, ist die Art und Weise, wie wir verehren. In Jesus Christus ist diese Gottes- Gemeinschaft voll zugänglich.
Gewiss ist die Aufforderung Jesu im Geist und in der Wahrheit zu beten, eine Herausforderung, dass wir unser eigenes Gebetsleben immer wieder neu unter die Luppe nehmen. Anderseits brauchen wir Orte des Gebets, unsere Gotteshäuser. Auch wenn wir wissen, dass die Kirche aus den lebendigen Steinen, die Gemeinde für uns Christen das wichtigere ist. Die Gotteshäuser aus Stein sind für uns wie der Jakobsbrunnen für die samaritanische Frau und die Jünger. Die Fastenzeit eröffnet uns die Chance unser Leben neu auszurichten und unsere Taufe zu leben. Wir nehmen Abstand von falschen Bindungen und versuchen zu durchschauen, was nur kurzfristig sättigt und vielleicht unerkannte Sehnsüchte verdrängt. Vielleicht können Jesus und sein Evangelium uns heute helfen zu erkennen, wo wir uns möglicherweise selbst betrügen und so am wahren Leben vorbeileben.
A) Allgemeines Gebet der Gläubigen
Wir beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der jeden Menschen ohne Vorurteile annimmt:
1. Für die Menschen, die unter Wassermangel und Dürre leiden: dass auch ihnen die kostbare Gabe des Wassers erschlossen wird…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens!
2. Für die Menschen, die in ihrer Seele vertrocknet und verdurstet sind: dass sie den Brunnen lebendigen Wassers wieder finden…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens!
3. Für die Taufbewerber bei uns und auf der ganzen Welt: dass sie ihr Herz dem Wort Jesu öffnen…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens!
4. Für die Menschen, die von der Kernschmelze in Japan und von den kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen und anderswo betroffen sind: um neue Hoffnung…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens!
5. Für die Menschen, die unter uns leben, aber notleiden und obdachlos sind, hungern und frieren: damit wir sie in christlicher Caritas wahrnehmen und ihnen helfen…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens!
6. Für unsere Verstorbenen: damit sie die Erfüllung ihrer irdischen Sehnsucht erlangen…
ALLE: Du bist der Quell des Erbarmens! Ewiger Gott! Du bist die Quelle des ewigen Lebens, die nie versiegt. Du tränkst uns mit diesem Wasser und sättigst uns mit deiner Speise. Dafür danken wir dir und preisen dich durch Jesus Christus im Heiligen Geist, jetzt und in Ewigkeit. AMEN.