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4. Fastensonntag, Laetare, Gremsdorf und Neustadt, 3.4.11

Dieser Eintrag stammt von eduard Am 3.4.2011 @ 21:58 In Pfarrer Topits | 293 Kommentare

1 Samuel 16,1-13; Psalm 23; Epheser 5,8-14; Johannes 9,1-41

Liedvorschläge: 165 oder 162; Antwortpsalm 527,4; Ruf vor dem Evangelium: 173,1; Gabenbereitung 643; Sanktus: 434; Agnus Dei 435; Kommunion: 555; Dankgesang: 634,1,5,6; Zum Auszug 579

Vor meiner Wohnung blüht zurzeit ein wunderschöner Forsythienstrauch. Ich kann mich nicht satt sehen an dem leuchtenden Gold- Gelb. Das menschliche Auge ist der beste Farbfernseher, den es auf der Welt gibt.  Auf der Netzhaut z. B. befinden sich 127 Millionen Lichtrezeptoren und die Nervenleitungen zum Gehirn bilden einen Strang mit einem halben Zentimeter Durchmesser. Das Augenlicht ist eine kostbare Gabe, die wir meistens erst dann schätzen, wenn sie nachlässt oder verloren geht oder wenn mal die Brille kaputt geht oder wieder mal verlegt ist.  Vor zwei Wochen waren es die Krokusse, die dies Jahr mit  Verspätung schlüpften.

Vom Augenlicht und vom richtigen Sehen, ist auch in den Lesungen des 4. Fastensonntages die Rede. Im Evangelium öffnet der Herr Jesus die Augen des blind geborenen Mannes. Er salbt seine Augenlider mit einem Gemisch aus Speichel und Erde. So erhält er das Augenlicht geschenkt. In der Lesung aus dem 1. Buch Samuel, sucht der   Prophet, den aus den 7 Söhnen des Isai, den der Herr erwählt hat, um ihn als König über Israel zu salben. Beinahe hätte  Samuel wegen seiner stattlichen Erscheinung den falschen ausgemustert, aber der Herr verwirft seine Wahl und gebietet ihn weiter zu suche. Denn „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“  So wird der jüngste Sohn David von den Herden weg gerufen und zum König über Israel gesalbt.

Propheten waren wie die Könige in Israel -  Hirten - und trugen wie diese stets ein Salbhorn mit Öl bei sich, um die Wunden der verletzten Tiere zu behandeln. Öl heilt ja bekanntlich. Im Hirtenpsalm 23: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen, heißt es ausdrücklich: „Du salbst mein Haupt mit Öl“ So vermag der bedrängte Mensch auch durch finstere Schluchten wandern und auch durch die dunkle Schlucht des Todes. Denn Gott  ist mit ihm.

Der Epheserbrief zitiert einen alten Hymnus der Urgemeinde, in dem es heißt „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“  Christus, das heißt „der Gesalbte“ ist das Licht der Welt ist, das uns aus der Finsternis zu Kindern des Lichtes berufen hat. Unser Blick weitet sich bereits hin zur Osternacht, die mit dem Entzünden der Osterkerze beginnt. Als Auferstandener erleuchtet er unseren Seelengrund  in der heiligen  Taufe. Deshalb bezeichnete man in der Urkirche die Neugetauften als die Erleuchteten. (Iluminati – Photistoi) Von hier  aus bildet sich erneut eine Klammer zum Evangelium, wo Jesus ausdrücklich sagt: Solange, ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Es geht Jesus aber nicht nur um eine oberflächliche Heilung des Auges, sondern auch um eine innere, die des Herzens und der Seele. Der Glaube öffnet uns die Augen des Herzens. In der Gemeinschaft mit dem Licht Christi, sind wir selber zum Licht geworden. Deshalb ergeht an uns die Forderung: „Lebt als Kinder des Lichtes…Prüft, was dem Herrn gefällt, habt nichts gemeinsam mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!“ Das tun wir, wenn wir in den Tagen der österlichen Bußzeit besonders intensiv unser Gewissen erforschen und uns auf eine gute Osterbeichte vorbereiten.

Die Salbung Davids zum König bewirkte,  dass der Geist des Herrn auf ihn herabkam und mit ihm und seiner Königsherrschaft war. In der Firmung erhielten auch wir die Gaben des Heiligen Geistes. Der Psalmensänger, der die Salbung seines Hauptes im Angesicht seiner Feinde erlebt, erhält das nötige Licht, um durch die dunkle Schlucht des Leidens hindurch gehen zu können. Mit dem Öffnen der Augen des blind geborenen, öffnet der Herr sein Leben für den Glauben. Während sich die Pharisäer um Vordergründiges und Nebensächliches streiten,  ob  so eine Heilung am Sabbat erlaubt sei und ob ein Sünder so etwas zu bewerkstelligen vermag, geht es Jesus um Wesentliches. 

Auf die Frage Jesu, ob der Geheilte an den Menschensohn glaubte, antwortete dieser mit der Gegenfrage ehrlich: „Wer ist das Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.“ Es muss für ihn umwerfend gewesen zu sein, zu erfahren: „Du siehst ihn vor dir. Er, der mit dir redet, ist es!“ - In unserer Gesellschaft wird viel über Zahlen und Statistiken diskutiert und gestritten. Damit lässt sich am trefflichsten Wahlkampf betreiben.  Da geht es um die richtigen oder falschen Zahlen bei den Arbeitslosen, um wie viel die Harz IV. – Empfänger mehr bekommen sollen, wie viele und wie schnell die Atomkraftwerke abgeschaltet werden können.  Auch in der Kirche geht es nicht anders zu. Nebensächliches und Zweitrangiges wird hochstilisiert, und die eigentliche Gottesfrage verdrängt. Leicht wird dabei vergessen, dass es sich dabei immer um Menschen handelt und ihre Schicksale.

Es geht neben dem Blick für das Wesentliche auch um den Blick für das Ganze des Glaubens. Das Ziel der Heilung, besteht nicht nur darin, dass  jemand wieder sehen kann, sondern, dass jemand ganz neu glauben kann.  Das Bekenntnis des Geheilten: „Ich glaube, Herr!“ macht deutlich, hier ist einer, der ganz neu, ganz Mensch geworden ist.  Dazu wollen auch wir uns jetzt bekennen:

4. Fastensonntag, Gremsdorf und Neustadt, 3.04.2011

Herr Jesus Christus, du bist als Licht in unsere Welt gekommen, um die Finsternis zu vertreiben. In den Dunkelheiten unseres Lebens dürfen wir dich bitten:

1.       – Für alle, die sich Christen nennen: Sei ihnen in den Gefährdungen des Lebens nahe mit deiner Gnade, damit sie als Kinder des Lichtes leben können…

ALLE: Herr, du gibst Trost und Zuversicht!

2.       – Für alle, die in einer Lebenskrise stecken oder an einer unheilbaren Krankheit leiden: Schenke ihnen Wegbegleiter, die sie aufrichten und ihnen beistehen…

ALLE: Herr, du gibst Trost und Zuversicht!

3.       – Für alle, die blind geworden sind für die Schuld und die  Sünden ihres Lebens: damit sie den Mut aufbringen sich selbst anzusehen und zu bekehren

ALLE: Herr, du gibst Trost und Zuversicht!

4.       – Für die Menschen, die in Ländern leben, die vom Bürgerkrieg und Katastrophen heim gesucht sind, wie die Elfenbeinküste, Libyen und Japan… 

ALLE: Herr, du gibst Trost und Zuversicht!

5.       - Für unsere Verstorbenen: Lass ihnen das Licht deiner ewigen Herrlichkeit leuchten…

ALLE: Herr, du gibst Trost und Zuversicht!

Guter Gott, du schaust mit barmherzigen Augen jeden Menschen an. Wir vertrauen deiner Barmherzigkeit mehr als deinem Gericht. Höre und erhöre uns durch Christus, unseren Herrn. AMEN.


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